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Wermelskirchen: Katastrophenstimmung bei Gastronomen

Corona-Krise in Wermelskirchen : Katastrophenstimmung bei Gastronomen

Seit Donnerstagnachmittag sind Cafés und Restaurants geschlossen – Essen gibt es auch im Imbiss nur noch auf Bestellung oder mit ausreichend Abstand.

Bei „Onkel Nestor“ ist es ruhig am Freitagmittag. In der Tür steht ein hoher Tisch, der den Besuchern den Eintritt in die Imbissbude verstellt. „Wir sind aber weiterhin da“, betont das Team. Die Platte für die Bratwürste ist heiß, der Gyrosspieß ist gut gefüllt. Am Donnerstagnachmittag mussten alle Restaurants, Cafés und auch die beliebten Imbissbuden im Regierungsbezirk Köln per Erlass ihre Türen schließen. „Damit gehen die Beschlüsse weiter als die der Landesregierung“, sagt der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Paul Engelbracht.

Seitdem ist Kreativität gefragt. Mehrere Restaurants haben einen Lieferservice eingerichtet, in vielen Imbissbuden können Kunden nach wie vor ihre Bestellung aufgeben – mit Sicherheitsabstand durch Wände, Fenster und Absperrungen oder nach telefonischer Reservierung. „Eine Katastrophe“, flüstert der Inhaber bei „Onkel Nestor“ – und das Entsetzen ist der Familie ins Gesicht geschrieben. Es geht um Existenzen, und deswegen appellieren die heimischen Gastronomen an ihre Kunden: „Wir kochen weiterhin“, betonen auch die Mitarbeiter in der Pizzeria „Capriccio“. Und auch ihnen ist die Angst und die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Schließlich hänge die Existenz ihrer Familie an dem Betrieb. Also bitten sie ihre Kunden, Speisen nach Hause zu bestellen und abzuholen oder den Lieferservice zu nutzen.

Das griechische Restaurant „Dimitra“ und das Balkan-Restaurant, wo an anderen Abenden kaum ein Tisch zu bekommen ist, bieten ab dem frühen Abend ihre Gerichte zum Abholen an – per Anruf können Kunden ihre Bestellung aufgeben, zum Abholen werden dann kurz die Türen geöffnet, die Abstandsempfehlungen beachtet und das Essen übergeben. Bei Mc Donalds ist es ähnlich: Dort ist der Innenbereich geschlossen, der Mc Drive aber geöffnet. Währenddessen hat der Imbiss „Bei Ali“ seine Türen geschlossen – der Bestellservice werde von den Kunden nicht angenommen, hieß es.

Das Ordnungsamt kontrolliert, ob die Bestimmungen eingehalten werden: „Wir sind zu jedem Gastronomen gegangen, haben Beratungsgespräche geführt und den Erlass überreicht“, erzählt Engelbracht. Die Stimmung sei traurig, aber verständnisvoll gewesen. Jeder wünsche sich, dass die Menschen gesund bleiben. Die Regelung gelte für Restaurants, Imbissbuden und Cafés. Während es gastronomische Betriebe wie Café Wild gab, die schon vor dem offiziellen Erlass den Cafébetrieb eingestellt und den Kuchen nur noch an der Theke verkauft hatten, zogen andere mit dem Erlass nach. Inzwischen ist auch bei Café Bauer und bei Café Beckmann der Sitzbereich gesperrt. „Bäckereien dürfen weiter Gebäck verkaufen“, erklärt Engelbracht. Das Gebäck dürfte aber nur noch in Tüten verpackt den Laden verlassen. „Und laut Erlass sind die Betriebe angewiesen, Warteschlangen zu vermeiden“, ergänzt er. So hat die Bäckerei Bauer eine entsprechende Beschilderung eingerichtet, die auf den Mindestabstand hinweist. Nebenan haben „Daum & Eickhorn“ und der Bäcker Evertzberg ein Zelt vor den Türen des Geschäfts aufgestellt, um Wartenden auch bei Regen ein trockenes Plätzchen zu ermöglichen.

„Wir werden in den nächsten Tagen weiter kontrollieren, ob die Vorgaben eingehalten werden“, kündigt unterdessen Paul Engelbracht an. Die Gastronomen seien aber sehr verständig und vernünftig gewesen, er rechne nicht damit, dass es Probleme gebe. „Wo sich Menschen allerdings unvernünftig verhalten und Corona-Party feiern, da werden wir rigoros durchgreifen“, kündigt der stellvertretende Ordnungsamtsleiter an. Dann würden Anzeigen geschrieben und auch die Polizei dazu geholt.