Wermelskirchen: Karikatur-Ausstellung zur deutsch-deutschen Geschichte

Ausstellung in Wermelskirchen : Zeichnungen von Ost nach West

Eine Ausstellung im Rathaus zeigt Karikaturen aus 40 Jahren deutscher Teilung bis zur Wiedervereinigung. Die satirischen Bilder sollen jungen Menschen einen frischen Zugang zur deutsch-deutschen Geschichte ermöglichen.

Wenn einer gut zitieren kann, dann ist das in Wermelskirchen wohl Volker Ernst. Der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsverein ließ in seiner Ansprache im Rathaus gleich mehrere große Worte fallen, die Politiker im Kontext des Mauerfalls vor 30 Jahren gesagt hatten. Ein Zitat hob er besonders hervor. „Es wächst jetzt zusammen, was zusammengehört“, hatte der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt gesagt. „Diese Prophezeiung ist nicht erfüllt worden“, sagte Ernst und verwies auf die „Mauer in den Köpfen“ – die nach wie vor bestehenden Vorurteile zwischen den Menschen in Ost und West.

30 Jahre Mauerfall sind dieser Tage vielerorts Anlass für einen Rückblick. Die Stadt Wermelskirchen, der Bergische Geschichtsverein und  die Sparkasse wählten einen der besonderen Art: Die  Ausstellung „Deutsch-Deutsches im Spiegel der Karikatur“ zeigt 60 Karikaturen, die vier Jahrzehnte deutsche Teilung dokumentieren und mit der Wiedervereinigung schließen. Es ist eine Reise in die Vergangenheit über chronologisch angeordnete Bilder mit Erklärungstexten. 30 internationale Künstler kommentieren das Zeitgeschehen mit Spott oder Ironie, oft spitzen sie zu und bringen mit den Mitteln der Satire auf den Punkt, was öffentlich nicht unbedingt gesagt werden konnte – im Westen noch mehr als im Osten.

„Happy Birthday“ (1979) von Horst Haitzinger zum 30-jährigen Bestehen der DDR (links). „Begegnung in Belgrad“ (1980) von Ernst Maria Lang (rechts) thematisiert das Aufeinandertreffen von Helmut Schmidt und Erich Honecker bei der Trauerfeier des jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito. Foto: Lea Hensen

Eine Zeichnung von Henry Meier-Brockmann aus dem Jahr 1960 etwa zeigt den damaligen sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow. Er droht mit einem riesigen Schlüssel: Der obere Teil zeigt Hammer und Sichel, der untere ist das Brandenburger Tor, Symbol Berlins, das von ihm immer wieder als Drohmittel eingesetzt wurde. Ein anderes Bild von 1990 von Roland Beier heißt „War wohl nix“ und zeigt Karl Marx. „Tut mir leid Jungs! War halt nur so ’ne Idee von mir“ steht da geschrieben. Die Karikatur nimmt das Scheitern des Kommunismus auf den Arm.

Karikaturen Ausstellung Mauerfall Ausstellung im Wermelskirchener Rathaus zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung Eröffnung am 11.11. Foto: Lea Hensen

Schüler der neunten Klassen des Gymnasiums Wermelskirchen und der Sekundarschule waren zur Eröffnung gekommen. Sie sind im vereinten Deutschland aufgewachsen, die Mauer kennen sie nur aus dem Schulunterricht. Gerade an junge Menschen soll sich die Ausstellung im Rathaus richten, erklärte Bürgermeister Rainer Beek. „Es gibt hierzulande ein Defizit im Bewusstsein der Kinder.“ Die Karikatur ermögliche einen frischen, lustigen Zugang. „Sie kann Eis brechen und ermöglicht eine Auseinandersetzung auf emotionaler Ebene“, sagte auch Ernst.

Wobei die deutsche Teilung nicht für alle Schüler nur ein Kapitel im Geschichtsunterricht ist. Noah Schulenbergs Mutter kommt aus Ost-Berlin, der Vater aus Wermelskirchen. Auch aus dem Freundeskreis der Eltern sind dem 15-Jährigen viele Geschichten aus der DDR bekannt. „Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen, wie es ist, nirgendwohin gehen zu können“, sagte er.