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Wermelskirchen: Kammerchor der Kantorei hat nicht zu viel versprochen

Wermelskirchen : Eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte klingt zeitlos

Mit dem Konzerttitel "Reise durch fünf Jahrhunderte der Musikgeschichte" hatte der Kammerchor der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen nicht zu viel versprochen. Wäre es tatsächlich möglich, eine derartige Reise durch die verschiedenen Stilepochen nacheinander mit zeitgemäßen Fortbewegungsmitteln - zu Fuß, zu Pferd, auf dem Handwagen, in der Kutsche, mit der Bahn und mit dem Auto - durchzuführen, sie wäre zu einer holperigen Angelegenheit geworden. Nicht so das Konzert des Kammerchores in der Stadtkirche.

Alle Stücke, von Spätgotik bis zum modernen Popzeitalter, klangen wie aus einem Guss. Ohne die jeweiligen Charakteristika der Zeitkultur unter den Teppich zu kehren, gelang es Kantor Andreas Pumpa und seinen 18 Sängern des Kammerchores, die Stimmung aller Stücke zu bewahren und ihnen trotzdem das zarte Mäntelchen des Kammerchores umzuhängen: Durchsichtige, gleichwohl stetige Präsenz der Sopran- und Alt-Stimmen sowie unerschütterliche Tenöre, die zusammen mit dem Bass dafür sorgten, dass die Engel(-stimmen) sich brav fügten. Es war ein weltliches Konzert, wenn auch das erste Stück "Vexilla Regis" von Guillaume Dufay aus dem 15. Jahrhundert das Kreuz Christi besang. Die nächsten drei Lieder englischer Komponisten aus dem 16. bis 17. Jahrhundert schwelgten in der "süßen Liebe" (John Dowland) und in den oft damit verbundenen Tränen "Weep o mine eyes" (John Bennet). Feine und weiche Töne schwebten dabei durchs Kirchenschiff und erreichten gleitend ungebremst die Ohren. Die sich danach (oder war es Einbildung?) tatsächlich etwas strammer an den Kopf anschmiegten, als Bach, Mozart, Brahms an die Reihe kamen.

Getreu im zeitlichen Ablauf - Barock, dann Klassik - erklang "Lobet den Herrn" von Bach, "Ave Verum" von Mozart und "Eja Gentes" von Haydn. Bach hielt wach, Mozart schmeichelte und Haydn wurde feierlich. Da fiel allen dann der Übergang zur Romantik nicht schwer. Nichts gegen Felix Mendelssohn-Bartholdys Auszüge aus seinem "Elias"-Oratorium oder die drei Brahmsschen Lieder aus Op. 62, aber "Locus iste" (Dieser Ort) von Anton Bruckner interpretierte der Kammerchor derart "romantisch" stimmig mit elegischem Tiefgang, dass - hätte Novalis es gehört - er glatt seinen "Hymnen an die Nacht" eine weitere hinzugefügt hätte.

"Yesterday" der Beatles fügte sich anschließend wie der Seufzer zum Liebeskummer. Am Ende sangen auch die Besucher in der Kirche "Der Mond ist aufgegangen" mit und bedankten sich mit kräftigem Applaus für dieses "stimmungsvolle, ausgewogene und feine Konzert", wie ein Gast es formulierte.

(bege)