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Wermelskirchen: Kalender zeigt Wermelskirchen, wie es früher war

Historische Bilder von der Stadt : Kalender: Wermelskirchen, wie es früher war

Zum sechsten Mal gibt der Bergische Geschichtsverein Wermelskirchen (BGV) einen Kalender mit zwölf historischen Bildern der Stadt heraus. Vorsitzender Volker Ernst hat alte Motive von Fahrzeugen und Straßen gesammelt und jeweils ein neues Foto dazu gemacht.

Geschichte hat es Volker Ernst angetan, seit er sich auf die Spuren seiner eigenen Familiengeschichte begeben hat. Immerhin ist schon seine Urgroßmutter in dem Haus in Wermelskirchen geboren, in dem er bis heute lebt. „Irgendwann macht es süchtig, in die Vergangenheit einzutauchen und deshalb habe ich auch angefangen, mich in die Geschichte von Wermelskirchen einzugraben“, verrät der 54-Jährige, dessen große Leidenschaft historische Fotos der Stadt sind.

Seit 2015 ist er Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins Wermelskirchen und ist noch akribischer auf der Suche nach alten Bilder, die ein Stück Zeitgeschichte erzählen. Seine neuesten Fundstücke sind Bilder vom Bau der Höllenbach-Talbrücke 1937, dem Bau der Autobahn 1 kurz vor Wermelskirchen 1936, aber auch von Fahrzeugen aller Art, mit denen früher Menschen oder auch die Post von Ort zu Ort gekommen sind. Letztere wurde im Dezember 1908 zum letzten Mal mit der Pferdekutsche in die Ortschaften gebracht. All diese Juwele hat Volker Ernst für den neuen Kalender des Bergischen Geschichtsvereins 2021 unter dem Motto „Historische Verkehrswelt“ zusammengestellt. Der Clou sind jedoch nicht nur die kostbaren Originale, sondern auch, dass Ernst zu jedem Bild ein Foto von heute gemacht hat. Wobei er großen Wert darauf legt, „dass das neue Foto genau der Stelle gemacht wird, an der der Fotograf 50 oder 100 Jahre vorher auch gestanden hat. Ansonsten kommt das Bild nicht in den Kalender“, betont er.

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Die Suche nach der richtigen Position war allerdings nicht immer einfach: Im Kalender ist auch ein Fundstück von Ernst Doll, der stolz mit seinem neuen Motorrad vom Typ „Viktoria KR 20 Z“ posiert. Die Aufnahme entstand zwischen 1935 und 1939 vor dem alten, inzwischen abgerissenen Haus Hackländer in Elbringhausen. „Eine Bekannte hatte die Glasplatte mit dem Foto gefunden und mir zum Digitalisieren zur Verfügung gestellt“, erzählt Volker Ernst. „Um die Stelle zu finden, wo der Fotograf gestanden hat, brauchte ich allerdings Hilfe, weil an jener Stelle natürlich längst ein Haus steht und ich musste in den Garten der Besitzer. Dabei war mir dann Meinhard Felbick behilflich. Er konnte mir auch mit den Hintergrundrecherchen helfen.“ Die für den Kalender wichtig sind, weil alle Bilder kurz erklärt werden.

Auch seine Mutter, Renate Ernst (80), hilft dem Sohn gerne bei dessen Recherchen für die historischen Bildersammlungen. Beim Foto des Busbahnhofes von 1959 war sie es, die „Frau Kaufmann“ entdeckte. „Das war die Leiterin der Bahnhofsgaststätte“, erzählt Volker Ernst: „Das war damals eine Institution. Frau Kaufmann ist auf dem Bild zwar nur ganz klein vor der Tür der Gaststätte zu sehen, aber meine Mutter hat sie sofort an der Körperhaltung erkannt“, sagt er.

Der diesjährige Kalender des BGV ist übrigens die sechste Auflage, aber der erste monothematische. Grund ist, dass die 135 Glasplatten, die der Geschichtsverein 2015 von den Erben von Rudolph Schumacher leihen und digitalisieren durfte, „langsam aufgebraucht sind“, so Ernst. Erst 2019 erschien der Kalender „Historische Ansichten von Rudolph Schumacher“, der um 1875 viele Bilder von seiner Stadt gemacht hat. „Es war damals ein sehr teures Hobby, das er vor seiner Frau auch versteckt hat“, berichtet der Vorsitzende des BGV schmunzelnd, der seit sieben Jahren ein Archiv für historische Bilder aufbaut und mittlerweile 20.000 Fotos zusammengesammelt hat. Das freut ihn vor allem im Hinblick auf das Stadtjubiläum 2023, für das der Geschichtsverein das Buch „150 Jahre Wermelskirchen“ zusammenstellt.

„Wer auf dem Dachboden oder im Keller noch Glasplatten, alte Negative oder Fotos findet, kann die gerne zum Digitalisieren zu uns bringen“, sagt Hobby-Historiker Volker Ernst. „Die Originale geben wir auch gerne zurück, aber es wäre toll, so wunderbare, geschichtlich wertvolle Fotos in unserem Archiv zu haben.“