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Wermelskirchen: Kabarett in der Katt - Mutti Andrea Bongers und die persönliche Freiheit

Kabarett in der Katt : Mutti Andrea Bongers und die persönliche Freiheit

In der Katt sinnierte die Kabarettistin übers Altern.

„Die Mutti hat sturmfrei“ – die Kabarettistin Andrea Bongers hat es geschafft: „Das Kind kann laufen, kann schreiben, kann vögeln und hat endgültig das Haus verlassen.“ Im knielangen blauen Kleid freute sich das blonde Energiebündel darüber, was sie nun alles in der zweiten Lebenshälfte erwarten würde. Jetzt, wo sie doch frei und ungebunden sei. In ihrem neuen Programm „gebongt!“ ging sie in der mit rund 120 Zuschauern gut besuchten Kattwinkelschen Fabrik zusammen mit ihren Alter Egos in Puppenform Mysterien wie diesen auf den Grund: „Kommt der Junge zu Weihnachten nach Hause?“, „Was stellt man mit dem Rest des Lebens an?“ und „Wie viel Alkohol ist genug?“

Die Bongers war Kleinkünstlerin im eigentlichen Wortsinne. Denn nicht nur konnte sie Stand-up, wenn sie etwa über den Fehler referierte, „werktags zwischen 18 und 20 Uhr öffentlich-rechtliches Fernsehen zu gucken“. Das habe sie mal gemacht, was auch ganz okay gewesen sei – bis die Werbung kam: „Voltaren, Tena Lady, Kukident...“ Es ging also ein Stück weit ums Älterwerden, das war schnell klar. Die Bongers beschloss, es künftig mit ihren Eltern zu halten: „Die sind 87 und 92 und waren kürzlich auf einem 90. Geburtstag. Dann kamen sie nach Hause und sagten: Da gehen wir nicht mehr hin. Nur alte Leute.“

Neben klassischem Stand-up mit Gags im Dutzend, spielte sie manchmal auch Gitarre und holte sich bisweilen die eine oder andere Handpuppe auf die Bühne. Etwa ein putziges Schaf, das indes in Sachen Frechheit durchaus seinesgleichen suchte. Nicht nur, dass das wollige Tier permanent am Blöken war, es empfahl seiner Besitzerin auch, ihr Hinterteil an Greenpeace als Werbefläche zu vermieten.

Auch Uwe Sagtman, ein abgebrühter Lokaljournalist, wurde irgendwann zum kernigen Dialog auf die Bühne gebeten. „Wann sind Sie denn am Witzigsten? Vor oder nach dem Eisprung?“ – mit solchen Sätzen machte sich Sagtmann zwar nicht unbedingt beliebter, sorgte aber durchaus für den einen oder anderen fremdverschämten Lacher auf und vor der Bühne. Sagtmann wollte wissen, worum es im Programm der Bongers ging. „Um das Leben in der zweiten Lebenshälfte“, antwortete diese. „Wäre nicht auch Musik ein Thema, vielleicht was von Helene Fischer?“, fragte Sagtmann da hoffnungsvoll, was dann jedoch einen kleinen emotionalen Ausbruch der Bongers zur Folge hatte: „Wann sind eigentlich aus Sex, Drugs und Rock’n’Roll Helene Fischer und Laktoseintoleranz geworden?“

Singen konnte die Bongers übrigens auch, und das gar nicht mal schlecht, wie sie bei verschiedenen Liedern zum Playback unter Beweis stellte. Diese Vielseitigkeit machte das Programm von Andrea Bongers zu einer rundum gelungenen Angelegenheit, die auch beim Publikum gut ankam.