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Wermelskirchen: JU-Chef Thorben Wocke wollte nie in die Politik

Junge Union Wermelskirchen : Der Junge, der niemals in die Politik wollte

Thorben Wocke baut samt Mitstreitern eine neue „Junge Union“ in Wermelskirchen auf. Inzwischen ist er ihr Vorsitzender und wirbt dafür, Haltung zu zeigen.

Thorben Wocke ging damals noch in die Grundschule. Aber wenn die Erwachsenen anfingen zu diskutieren, wenn seine Großeltern die Geschichten von Vertreibung, Flucht und Krieg erzählten, wenn sich danach eine Diskussion entfachte, dann war er dabei. Dann hörte er zu und redete mit. „Meine Mutter nannte mich Plappermaul“, sagt er und lacht. Sie habe damals schon gesagt: Der Junge geht mal in die Politik. Aber davon wollte Thorben Wocke nichts wissen – auch nicht als er älter wurde. Er diskutierte weiter, ließ kaum ein gesellschaftliches Thema aus.

„Manchmal sagten die Leute mir, ich sei sehr diskussionsfreudig“, erzählt Wocke. Und weil er im Lehramtsstudium in Wuppertal auf Menschen traf, denen es genauso ging, wurde ein eigenes politisches Amt plötzlich doch zum Thema. „Ich bin getauft, das C bedeutet mir was“, sagt der 24-Jährige. Deswegen sei die Entscheidung für den Ring Christlich-Demokratischer Studenten gefallen. Und damit für die Politik. „Ich habe gemerkt: Ich bewege hier mehr, als wenn ich rumsitze“, sagt er. Zum Beispiel damals, als das Studierendenparlament am Ende des Semesters nach Gesprächen mit den Wuppertaler Bühnen erreicht hatte, dass Studenten für den Besuch der Bühnen nur einen Euro zahlen brauchen.

Und noch etwas entdeckte Thorben Wocke damals: Das, was ihm seit frühester Kindheit so großen Spaß gemacht hatte, trug einen Namen. Debattenkultur. „Wir haben diskutiert, gestritten, haben auf Meinungen beharrt und dann zugehört, gelernt und Kompromisse geschlossen“, sagt er. Es gebe eben viele Meinungen. „Das ist gut und das halte ich aus“, sagt der Student. Und genau deswegen lässt ihn die Politik nicht mehr los.

Jetzt verlegt er sie nach Wermelskirchen. 2017 schickte er eine Mail an die Junge Union im Rheinisch-Bergischen Kreis, bekundete sein Interesse und bekam Antwort vom Stadtverband. Er ging zum Stammtisch. „Wir waren zu zweit“, sagt Thorben Wocke und dann ergänzt er: „Da dachte ich: Na gut, dann bauen wir die Junge Union hier eben neu auf.“ Obwohl er im Freundeskreis das Thema Politik eher vermied, warb er nun für die Jugendorganisation der CDU.

Inzwischen gehören 16 junge Wermelskirchener dazu, sie haben Thorben Wocke im vergangenen Jahr zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Ihr Ziel? „Wir wollen mitreden“, sagt er. Das gelte beim Thema Politikverdrossenheit genauso wie bei der Zukunftplanung, die in Wermelskirchen „Interkommunales Entwicklungs- und Handlungskonzept“ heißt. Warum dauert die Umsetzung des Jugend- und Freizeitparks so lange? Wie können erschwingliche Wohnungen für junge Leute in der Stadt realisiert werden? Und kann das Rhombusgelände nicht doch noch ein Campus für die Bildung werden? Erste Regel: „Bei uns sagt jeder seine Meinung und dann diskutieren wir.“ Das schade der Gemeinschaft in der Jungen Union nicht, das tue ihr gut. Inzwischen gehört Thorben Wocke zur CDU-Fraktion in Wermelskirchen, arbeitet im Zukunftsausschuss mit. „Es fühlt sich an, wie Familie“, sagt er, „da ist immer jemand, der dir den Rücken stärkt.“

Und doch ahnt er, dass die Politikverdrossenheit durchaus ihre Gründe habe. „Und deswegen ist es wichtig, dass wir als Jugendorganisation keine hohen Hürden bauen, sondern auch einfach zum Spaßhaben einladen“, sagt Wocke. Das bedeutet für die Junge Union in Wermelskirchen, dass sie in den sozialen Netzwerken unterwegs ist und eine Spendenaktion für die Tafel auf die Beine stellt. Die Nachwuchspolitiker haben ein Osterfeuer beantragt und Ende April soll es eine Maibaumverschenkaktion geben. Während der Kirmestage will die JU Cocktails ausschenken und im Dezember wieder beim Weihnachtsmarkt dabei sein. Bei der Jungen Union steht alles auf Neuanfang.