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Wermelskirchen: Jetzt träumt er eben von der Polizei

Was macht eigentlich… Theo Althoff? : Jetzt träumt er eben von der Polizei

Einmal Polizist, immer Polizist: Theo Althoff ist seit elf Jahren im Ruhestand – aber das Leben im Dienst hat ihn geprägt. Ohnehin sei er kein Typ, der einfach die Beine hochlegt. Ganz im Gegenteil.

Als der Fotograf ihn bittet, die Hände in die Taschen zu stecken, runzelt Theo Althoff die Stirn. Fotohaltung hin oder her. „Das ist gar nicht so meine Art“, sagt der 71-Jährige. Er sei keiner, der die Hände in die Taschen gesteckt habe – nicht im Leben, nicht im Job und schon gar nicht im Sport. Und selbst jetzt, elf Jahre nach seinem Eintritt in den Ruhestand, tut sich Theo Althoff schwer mit dem Gedanken, die Hände in die Taschen zu stecken. „Man hört nicht plötzlich auf, Polizist zu sein“, sagt er.

Dann erzählt Althoff vom letzten Urlaub mit seiner Frau, als sie mit dem Wohnmobil Richtung Büsum aufbrachen. Schöne, freie Tage am Meer. Auf der Fahrt erinnerte er sich an einen jungen Kollegen, der schlimm unter Asthma litt. Ein, zwei Anrufe vor 16 Jahren und schon hatte Theo Althoff für den Mitarbeiter eine Versetzung ans Meer auf den Weg gebracht – damit die Seeluft das Asthma vertreibe. Als Althoff nun auf dem Campingplatz auf einen uniformierten Polizisten traf, da fragte er nach dem Kollegen aus alten Zeiten und wurde auf die Wache nach Büsum geschickt. Er zückte seinen Versorgungsausweis, machte sich als Polizist im Ruhestand erkennbar und stand plötzlich dem alten Kollegen gegenüber – der nun die Wache leitete. „Das war ein Wiedersehen“, sagt Althoff und dann fügt er noch hinzu, „Polizist ist man und bleibt man.“

 Ein Polizist, wie man ihn sich wünscht – und dafür herzt: Theo Althoff 2006 im Karneval in Dawerkusen.
Ein Polizist, wie man ihn sich wünscht – und dafür herzt: Theo Althoff 2006 im Karneval in Dawerkusen. Foto: Dörner, Hans (hdo)

Theo Althoff kann viele dieser Episoden erzählen. Es vergehe kaum eine Nacht, in der er nicht von der Polizei träume. Dann werden Erinnerungen lebendig – an die Besuche von Willi Hausmann in der Volksschule in Grunewald. „Die Polizisten besuchten uns Kinder damals regelmäßig“, sagt Althoff. Und irgendwann in dieser Zeit habe für ihn festgestanden: Genau das will er auch, Polizeibeamte werden. Weil er dafür erst 18 werden musste, machte er noch die Ausbildung zum Speditionskaufmann. Aber Hausmann nahm ihn mit auf Streife, schrieb ihm ein Zeugnis für die Bewerbung und manchmal ist es, als sei es gestern gewesen, dass die Zusage der Polizeischule kam.

 Flugzeugabsturz 2009 in Döllersweg: Theo Althoff mit dem nur leicht verletzten Piloten  Josef Oeldemann und Feuerwehrmann Ralf Lambeck.
Flugzeugabsturz 2009 in Döllersweg: Theo Althoff mit dem nur leicht verletzten Piloten  Josef Oeldemann und Feuerwehrmann Ralf Lambeck. Foto: Dörner, Hans (hdo)

„Damals bin ich zum ersten Mal von Zuhause weg“, sagt Althoff. Und wer ihm zuhört, der erkennt auch: Wann immer ihn sein Beruf aus Grunewald wegführte, blutete sein Herz. Erst die Polizeischule, dann der Dienst am Rhein. „Das waren alles wichtige Stationen, aber ich wollte immer wieder nach Hause“, sagt er. Dort wartete inzwischen Ehefrau Hildegard. Und als ihr erster gemeinsamer Sohn auf die Welt kam, machten die Vorgesetzten ihr Versprechen wahr und holten ihn nach Wermelskirchen.

 Theo Althoff am Ziel des Demenzlaufes 2013 am Haus Vogelsang – für ihn eine Selbstverständlichkeit, da mitzumachen.
Theo Althoff am Ziel des Demenzlaufes 2013 am Haus Vogelsang – für ihn eine Selbstverständlichkeit, da mitzumachen. Foto: Dörner, Hans (hdo)

„Endlich Zuhause“, sagt Althoff heute. Immer mal wieder führte ihn der Job dann in andere Städte, aber immer wieder kehrte er auch zurück – erst als jüngster Wachdienstführer, schließlich als Stationsleiter. „Ich wollte immer für die Bürger Polizist sein, wollte, dass sie unbeschwert und ruhig leben können“, sagt Althoff. Wenn er durch die Stadt spazierte, dann erkannten ihn die Menschen – und tun es noch. Der berufliche Alltag, das Laufen zur Wache und das Leben in der Uniform waren sein Element – das galt für die vielen Tage auf den örtlichen Straßen ebenso wie für große Einsätzen wie beim Besuch des Papstes 1977 am Butzweilerhof. „Damals bewachten wir den Altarraum“, sagt Althoff. Es sind Erinnerungen wie diese, die heute mit den Träumen zurückkehren.

So richtig glaubte damals keiner, dass Theo Althoff mit 61 Jahren wirklich in den Ruhestand gehen würde. „Aber meine Frau und ich, wir wollten unterwegs sein“, sagt er. Deswegen nahm er den Hut, kämpfte in den drei ersten Wintern mit der Ruhe und fand sich dann in seinem Leben als Rentner ein – nicht ohne den Kontakt zu den alten Kollegen zu halten und sich über die Berichte seiner beiden Söhne, die selbst Polizisten wurden, zu freuen. Aber jetzt machte er sich gemeinsam mit seiner Frau auf den Weg, all jene Orte zu besuchen, zu denen er schon als Langläufer aufgebrochen war. Gleich zweimal hatte er an Weltmeisterschaften der Polizei teilgenommen. Die beiden gingen auf Kreuzfahrt, erkundeten die Welt – und hatten zum ersten Mal richtig Zeit für die Familie. „Meine Frau hat 39 Jahre das Frühstück gemacht, seit meiner Pensionierung mache ich es“, sagt Althoff. Er genießt die Zeit mit den sieben Enkelkindern, freut sich wenn Luisa (7) bei Opa anruft, um vom silbernen Schwimmabzeichen zu erzählen und ist immer noch viel mit dem Fahrrad oder im Wald unterwegs.

Und manchmal, wenn Autos zu schnell durch Grunewald sausen, dann setzt er seinen strengen Polizistenblick auf. Und wer Theo Althoff am Straßenrand erkennt, der geht schleunigst auf die Bremse.