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Wermelskirchen: Jeden Tag im Einsatz – trotz Corona

Helden des Alltags in Wermelskirchen : Trotz Corona-Krise jeden Tag im Einsatz

Melanie Hauck fährt jeden Morgen ihre Runde: Sie arbeitet für den ambulanten Pflegedienst der Diakoniestation – auch in Zeiten der Krise.

Wenn sie morgens in aller Frühe ins Auto steigt, dann liegt auf dem Beifahrersitz das Desinfektionsmittel. Das war schon so, als es Corona noch nicht gab. Und das ist so geblieben. „Nur der Verbrauch hat sich vervierfacht“, sagt Melanie Hauck. Denn um ihre Patienten zu schützen, nimmt sie inzwischen jede Gelegenheit war, um sich die Hände zu desinfizieren und dem Virus keine Chance zu geben.

Ob sich ihr Arbeitsalltag darüber hinaus in den vergangenen Wochen verändert habe? „Nein“, sagt Melanie Hauck. Und dann zögert sie kurz: Auch in der Corona-Krise brauchen alte Menschen Hilfe, um ihre Strümpfe anzuziehen. Patienten, die im Bett liegen, brauchen Unterstützung beim Waschen, Umlegen und bei den Medikamenten. Kranke Menschen sind auf den Besuch der Pflegekräfte angewiesen. „Diese Arbeit machen wir natürlich auch in Corona-Zeiten“, sagt Melanie Hauck, „diese Arbeit ist dieselbe geblieben.“

Und dann folgt doch ein „Aber“: Denn die Corona-Pandemie sorgt für neue Rahmenbedingungen. Das betrifft Hygienevorschriften, die ohnehin streng sind. Inzwischen arbeitet Melanie Hauck nur noch mit Mundschutz: „Damit schützen wir nicht uns selbst, sondern die anderen.“ Aber sie weiß, dass der Mundschutz nur so lange echten Schutz bietet, bis der Atem das Papier hat feucht werden lassen. „Ich achte auf meine Körperhaltung und darauf, die Menschen nicht direkt von Gesicht zu Gesicht anzusprechen“, sagt sie. Und wenn Patienten beim Strümpfeanziehen stark husten müssen, dann erinnert sie freundlich an die Knigge-Regeln und den Ellbogen. „Wir versuchen natürlich, die Kontakte und damit die Ansteckungsgefahr zu minimieren“, sagt die Krankenpflegerin. Schließlich gehören alle Patienten zu der Risikogruppe – nicht nur wegen ihres Alters, sondern auch wegen zahlreicher Vorerkrankungen. Deswegen werden in diesen Tagen Angehörige stärker mit einbezogen. „Dort, wo das möglich ist“, sagt Melanie Hauck. Da werden beim morgendlichen Besuch schon Kissen und Bettdecken so gelegt, dass Angehörige das Umlegen am Abend selber schaffen.

Die hauswirtschaftliche Versorgung der Diakoniestation ist so weit zurückgefahren worden, dass nur noch Kunden versorgt werden, für die es keine andere Möglichkeit gibt. Und noch etwas hat sich verändert: „Die Menschen haben Angst“, sagt Melanie Hauck. Der Gesprächsbedarf sei groß. Viele alte Menschen würden um eine Einschätzung der Krise bitten. Wie geht das weiter? Wie schlimm ist es wirklich? „Wir begegnen vielen Menschen, die den Krieg miterlebt haben“, erzählt die Pflegerin, „da wird gerade viel wachgerüttelt und aufgebrochen.“ Das zu beobachten, falle ihr nicht leicht. Viele der Patienten würden in diesen Tagen und Wochen mit Erinnerungen kämpfen. „Bei Demenzkranken sorgt die große Verunsicherung in vielen Fällen für einen Schub“, sagt die 49-Jährige, „ihre gesundheitliche Situation verschlechtert sich.“

Und dann gebe es auch noch jene Patienten, die dem ganzen gelassen gegenüberstehen. „Ich bin 85, an irgendwas muss ich ja sterben“, habe neulich eine Frau zu ihr gesagt. Die Spannreite der Reaktionen ist groß.

Und wie steht es um ihre eigene Angst? „Ich denke während meiner Arbeit wenig an meine eigene Gesundheit“, sagt Melanie Hauck, „ich bin fit und mache mir da keine so großen Sorgen.“ Allerdings wisse sie natürlich um ihre Verantwortung: Und auch deswegen nimmt sie die Kontaktsperre sehr ernst, hält das Risiko so klein wie möglich. „Ich war nie der Typ, der abends noch feiern gegangen ist“, sagt die Pflegerin.

Nach der Arbeit nehme sie sich dann gerne Zeit für die Familie und die Tiere. Dann falle sie aber auch schon ins Bett. „Und am nächsten Morgen stehe ich auf und fahre zu den Menschen, die unsere Unterstützung brauchen.“