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Wermelskirchen: Interview mit der Denkmalschutzbeauftragten der Stadt

Denkmalschutz : „Denkmäler sind 3D-Informationsträger“

Michaela Böllstorf ist Denkmalschutzbeauftragte der Stadt. Zum Tag des Denkmals spricht sie über die Denkmäler in der Stadt.

Frau Böllstorf, welches ist ihr Lieblingsdenkmal in Wermelskirchen?

Michaela Böllstorf Das ist wirklich schwierig zu beantworten. Es gibt eine Fülle an Denkmälern – bauliche wie auch Bodendenkmäler. Ob es nun alte Mühlen und Gräben oder Fabriken sind, die wesentlich zur Entwicklung der Stadt Wermelskirchen beigetragen haben, oder „normale“ Wohnhäuser. Alle haben ihren Reiz. Wenn ich mich für eines entscheiden müsste, dann wären es sicher die Bürgerhäuser. Sie sind im Besitz der Stadt – quasi deren gute Stube – und erzählen eine wunderbar abwechslungsreiche Geschichte. Zudem ist die alte Bausubstanz noch gut erhalten und die Ausstattung schmuckvoll.

Sie sind Ansprechpartnerin für Denkmäler – was sind Ihre Aufgaben?

Böllstorf Alles, was unter die Schlagworte Denkmalschutz und Denkmalpflege gehört. Es geht zum einen um die Unterschutzstellung schützenswürdiger Substanz, zum anderen aber auch um die Begleitung von Maßnahmen an Denkmälern und um die Beratung der Denkmaleigentümer hinsichtlich der Ausführung und gegebenenfalls auch der Finanzierung. Auch für Steuerfragen bin ich zuständig.

Gibt es zum jährlichen Tag des Denkmals Aktionen in der Stadt?

Böllstorf Der Tag des offenen Denkmals deckt sich im Rheinisch-Bergischen-Kreis seit einigen Jahren mit „Expedition Heimat“, einer Veranstaltung des Kulturbüros des Kreises. In einer Zusammenarbeit mit Susanne Bonenkamp und Charlotte Loesch sind in den vergangenen Jahren hierzu tolle Einblicke für die Bürger der Stadt ermöglicht worden.

Für wie wichtig erachten Sie einen solchen Gedenktag?

Böllstorf Ein solcher Tag ermöglicht es der gesamten Bevölkerung, sich wieder bewusst zu machen, welche Schätze die Stadt zu bieten hat und welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Es ist eine schöne Gelegenheit, den Denkmalschutz den Leuten nochmal näher zu bringen.

Welche und wie viele Denkmäler gibt es eigentlich in Wermelskirchen?

Böllstorf Es gibt 152 bauliche sowie zwölf Bodendenkmäler. Zudem ist der Ortskern von Dabringhausen als Bereich denkmalgeschützt.

Gibt es in Wermelskirchen eine Art „Denkmal-Tour“?

Böllstorf Leider aktuell noch nicht. Soweit ich informiert bin, arbeitet der Bergische Geschichtsverein aber an einer Lösung. Wenn man Lust hat, kann man sich aber über die Denkmalkarte auf der Seite der Stadt Wermelskirchen über die Denkmäler in der Nähe informieren und diese dann bei einem Spaziergang besuchen.

Wo kann man sich über die unterschiedlichen Denkmäler informieren?

Böllstorf Möglich ist das bei der erwähnten Karte, die allerdings noch nicht zu 100 Prozent vollständig ist und ständig überarbeitet wird. Auf der Karte sieht man den Standort, auf der Liste darunter kann man schließlich auch die Kartei selbst anklicken. Hier gibt es Informationen zum Unterschutzstellungsdatum, dem eventuellen Baudatum, Besonderheiten und, wenn man Glück hat, auch ein historisches Foto. Ansonsten darf man mich natürlich auch gerne anrufen.

Was qualifiziert etwas überhaupt zu einem Denkmal?

Böllstorf Hier sagt das Landes-Denkmalschutzgesetz, dass Denkmäler etwa bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sein müssen oder für ihre Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen. Wie man erkennen kann, heißt es hier nicht, dass die Bausubstanz besonders gut erhalten sein muss. Viele Leute nehmen aber an, dass ein Denkmal nur schützenswert ist, wenn die Bausubstanz optimal ist. Das ist aber in einigen Fällen nicht so – und doch besteht ein Denkmalwert.

Welchen besonderen Schutz genießen Denkmäler und wie wirkt er sich aus?

Böllstorf Der genaue Schutzwortlaut ist dem Denkmalschutzgesetz NRW zu entnehmen. Letztendlich haben Denkmäler eine Geschichte und sind damit Ausdruck einer Kultur und einer geistigen Haltung. Sie prägen – wenn auch indirekt – unser Leben und tragen zu einem Heimatgefühl bei. Da sie unmittelbar aus einer früheren Zeit stammen, sind sie Zeitzeugen und Übermittler einer früheren Kultur und Denkweise. Man könnte sie auch als 3D-Informationsträger bezeichnen, die erhalten bleiben müssen.

Gibt es auch Denkmäler, die sich in privater Hand befinden?

Böllstorf In der Tat sind die meisten Denkmäler in privater Hand – geschätzt um die 80 Prozent. Einige Denkmäler gehören aber auch der Kirche oder der Stadt Wermelskirchen. Zwei Denkmäler sogar dem Bund.

Was müssen die Eigentümer dabei beachten?

Böllstorf Ich würde jedem Denkmaleigentümer empfehlen, sich das Denkmalschutzgesetz wenigstens einmal durchzulesen und dann eventuelle Fragen mit mir zu klären. Vielen ist gar nicht bewusst welche Pflichten aber auch welche Vorteile, wie etwa kostenlose Beratung, Zuschüsse und steuerliche Vorteile der Denkmalschutz mit sich bringen kann. Aktuell gibt es von der Bezirksregierung zum Beispiel einen Fördertopf, der dem privaten Denkmaleigentümer bis zu 50 Prozent der Kosten erspart. Zu den Pflichten gehören sicherlich die Instandhaltung und Instandsetzung des Denkmals, und dass jegliche Veränderung einer Erlaubnis durch die Untere Denkmalbehörde bedarf.

Stehen Denkmäler auch schon mal zum Verkauf?

Böllstorf Wie bei jedem anderen Gebäude auch, stehen Denkmäler immer mal wieder zum Verkauf. Manches Mal bekomme ich es erst mit, wenn der neue Eigentümer sich informieren möchte und einen Antrag stellt, damit er Dinge ändern kann. In den meisten Fällen ist es jedoch so, dass sich Kaufinteressenten bei mir melden, um nachzufragen, was unter Schutz steht und was sie beachten müssen. Ich bin immer unglaublich dankbar für einen solch frühen Kontakt, da es sowohl der Denkmalsubstanz hilft als auch dem potentiellen Käufer aufzeigt, was mit einem Denkmal möglich ist und was eben nicht. Tatsächlich lassen sich die meisten Käufer dann von einem Kauf auch gar nicht abschrecken, sondern sind begeistert von der alten Substanz, der Geschichte, den Möglichkeiten und den baulichen wie auch monetären Hilfestellungen.