Wermelskirchen: Interview mit David Bosbach

Interview David Bosbach: „Das Bergische ist schon früh touristisch erschlossen worden“

Das Bergische Land ist eine Reise wert – was die Einwohner hier wissen, erschließt sich auch mehr und mehr Besuchern aus der näheren und weiteren Umgebung. David Bosbach, Pressesprecher von Das Bergische, spricht über die Entwicklung der Region, touristische Hot Spots und warum das Bergische Land eine tolle Urlaubsregion ist.

Herr Bosbach, wenn Sie nicht hier leben würden – wo würden Sie im Bergischen Land Urlaub machen?

David Bosbach Das käme auf verschiedene Faktoren an. Würde ich für eine klassische Kurzreise ins Bergische kommen? Bin ich zum ersten Mal hier? Wie lange will ich bleiben? Komme ich alleine – oder mit der Familie? Am besten macht man sich das im Vorfeld klar und stellt sich dann auf www.dasbergische.de sein Programm zusammen.

Wer kommt zum Urlaubmachen ins Bergische?

Bosbach Das Bergische ist eine Kurzurlaubsregion, traditionell eher durch Naherholung geprägt. Wir haben viele Tagesgäste, oft auch Vereine, die Tagesausflüge ins Bergische unternehmen. Die kommen aus der uns umgebenden Sichel – die Rheinschiene und das Ruhrgebiet. Die Altersstruktur ist bunt gemischt, sehr gut vertreten sind die aktiven „Best-Ager“, also Menschen im Alter 50+, deren Kinder aus dem Haus sind, und die im Urlaub aktiv sein wollen. Neben den Kulturinteressierten sind es vor allem Wander- und Radgäste, die zu uns kommen.

Und wo steigt man hier ab – Hotel, Pension oder Ferienwohnung?

Bosbach Die Region bietet ein breites Portfolio, das von ganz hochkarätig bis bodenständig reicht. Es bleibt jedem Gast selbst überlassen, ob er im Schlosshotel in Bensberg oder in der gemütlichen, kleinen Ferienwohnung absteigen möchte.

Gibt es den klassischen Urlaub auf dem Bauernhof auch noch?

Bosbach Es gibt tatsächlich einige Anbieter, die so etwas machen. Das ist ein durchaus beliebtes Thema für Besucher. So gibt es etwa den Ponyhof Knotte in Wiehl, auf dem man auch wohnen kann. Viele bieten aber auch einfach den Besuch und das Live-Erlebnis auf dem Hof an, so etwa die Käserei auf dem Thomashof in Burscheid.

Warum ist das Bergische Land eine tolle Urlaubsregion?

Bosbach Weil wir sehr verkehrsgünstig in einer wunderschönen Mittelgebirgsregion gelegen sind. Die Landschaft verfügt über einen unglaublich hohen Anteil an Mischwäldern. Man läuft also nicht nur durch Fichtenschonungen, wenn man hier Urlaub macht. Alles ist gut erreichbar, es gibt toll ausgebaute Freizeitmöglichkeiten und viele nette und freundliche Menschen hier.

Wie haben sich die Gästezahlen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Bosbach Die Übernachtungszahlen werden von IT NRW erhoben, dem ehemaligen statistischen Landesamt. Dort müssen sich alle Betriebe melden, die mehr als zehn Betten haben. Es fallen also viele Kleinstvermieter, Campingplätze und Ferienwohnungen raus – und davon haben wir eine ganze Menge. Außerdem wird nicht nach dem Anlass der Reise gefragt. Das heißt, in den Zahlen finden sich auch Geschäftsreisende. Dennoch hatten wir im vergangenen Jahr in der Gesamtregion ein Plus von 3,5 Prozent an Übernachtungsgästen. Auf die Kreise aufgeschlüsselt waren es in Oberberg 3,1 Prozent und in Rhein-Berg 4,2 Prozent. Die meisten Übernachtungen sind im Frühjahr und im Herbst, weil da die Wander- und Radsaison am stärksten ist. In den Sommermonaten und um Weihnachten herum machen die Leute klassischerweise immer noch Fernreisen.

Wann hat man entdeckt, dass das Bergische Land touristisch interessant ist?

Bosbach Das Bergische ist schon früh touristisch erschlossen worden, schon im ausgehenden 19. Jahrhundert. An den Bahnlinien gab es damals schon viel Ausflugsgastronomie. Es gab den klassischen Sonntagsausflug mit der Familie. Und wenn man an das bekannte Karnevals-Lied von Karl Berbuer aus dem Jahr 1954 denkt, dann heißt es in einer Strophe: „... doch em Sölztal op’ner Wies“. Das heißt also, dass die da im Sülztal auf einer Wiese beim Camping waren. Das Bergische war also schon früh als Naherholungsgebiet bekannt. Dass man es richtig professionell anging, kam erst in den vergangenen zwölf Jahren. Wir arbeiten weiterhin daran, in den Köpfen der Menschen zu verankern, dass das Bergische Land eine touristisch wertvolle Region ist. Denn das ist noch nicht überall angekommen.

Was sind touristische Highlights für den kulturell interessierten Gast?

Bosbach Ganz oben steht auf jeden Fall der Altenberger Dom mit seinen kulturellen Angeboten wie dem Altenberger Kultursommer oder der Orgelakademie. Auch die Landpartie in Engelskirchen oder „Jrön un Jedön“ im Lindlarer Freilichtmuseum sind gute Anreisegründe.

Und für die Familie mit kleineren Kindern?

Bosbach Gerade im Freilichtmuseum überschneiden sich die Zielgruppen gerne. Es ist gerade für Familien mit Kindern dort hochspannend. Für diese Zielgruppe sind aber auch Erlebnispunkte sehr wichtig, etwa der Baumwipfelpfad Pararbora in Waldbröl, die längste Doppelrutsche Deutschlands auf Metabolon in Lindlar oder der Affen- und Vogelpark in Eckenhagen.

Wie lange bleiben Gäste im Durchschnitt in der Region?

Bosbach Die Verweildauer liegt im Schnitt bei etwa zwei bis drei Übernachtungen. Aber seit der Einrichtung der beiden Fernwanderwege Bergischer Weg und Bergischer Panoramasteig bekommen wir von den Häusern Rückmeldung, dass Gäste auch für zwölf Übernachtungen bleiben. Das sind Zahlen, die wir früher nicht hatten. Durch die beiden Fernwanderwege haben wir diesbezügliche Anreiseziele geschaffen.

Kommen sie auch wieder?

Bosbach Im Bereich der Naherholung haben wir viele Stammgäste. Viele Leute aus Köln oder dem Ruhrgebiet haben es für sich entdeckt, mal für einen Tag ins schöne Bergische zu fahren. Aber konkrete Zahlen gibt es diesbezüglich nicht.

Wie sind die Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten hier organisiert?

Bosbach Als die Naturarena Bergisches Land gegründet wurde, hat die öffentliche Hand von Anfang an darauf gesetzt, dass auch die private Tourismuswirtschaft in der Marketinggesellschaft vertreten ist. Der Naturarena e.V., also der fusionierte Tourismusverein von Rhein-Berg und Oberberg, ist bei uns mit 40 Prozent größter Gesellschafter. So kann auch die Privatwirtschaft auf die Entwicklung Einfluss nehmen.

Was wird unternommen, um die Attraktivität auf hohem Niveau zu halten?

Bosbach Wir versuchen uns gerade von einer Marketinggesellschaft zu einer regionalen Entwicklungsgesellschaft zu entwickeln. Neue Produkte werden entwickelt, das Bergische Wanderland gibt es ja schon. Künftig soll es auch das Bergische Radfahrland, das Bergische Wasserland, das Bergische Gesundheitsland und das Bergische Kulturland geben.

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