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Wermelskirchen: Ingo Mueller ist stellvertretenden Feuerwehrchef

Wehrleitung in Wermelskirchen bestätigt : Taktik, Technik und Teamgeist

Der Stadtrat hat Ingo Mueller für sechs weiterer Jahre zum stellvertretenden Feuerwehrchef ernannt.

Ingo Mueller erinnert sich gut an seinen ersten Einsatz. Damals saß er im Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr in Dhünn, auf dem Weg nach Neuenhaus. Dort stand ein Hof in Flammen. „Ich wusste nur: Ich wollte helfen“, sagt er heute, „was mich erwarten würde, konnte ich nur ahnen.“ Wenn der 56-Jährige heute in seinem Dienstfahrzeug zum Einsatz fährt, dann beginnt er gedanklich zu planen. Dann hat er die Alarmierung vor Augen, beruft sich auf seine jahrzehntelange Erfahrung und hadert nicht einen Moment mit seiner Aufgabe in der Einsatzleitung. „Eins ist aber geblieben“, sagt Ingo Mueller, „ich will immer noch helfen.“ Seit 40 Jahren treibt ihn dieser Wunsch an – jüngst hat der Stadtrat ihn für sechs weitere Jahre als stellvertretenden Wehrführer benannt.

Als damals das Telefon klingelte und die Wehr in Dhünn ihn bat, für ihre Jahrestour nach London als Dolmetscher mitzufahren, hatte er dieses Amt nicht im Blick. „Das war als Wochenendausflug geplant“, sagt Ingo Mueller heute und lacht. Weil er in den USA aufgewachsen war, nutzten die Feuerwehrleute aus Dhünn gerne seine sprachlichen Fähigkeiten. Und sie nutzten das Wochenende: „Sie haben es geschafft, mich für den ehrenamtlichen Einsatz bei der Feuerwehr zu begeistern“, sagt Mueller. Nach der Rückkehr lernte er das Feuerwehr-Handwerk von der Pieke auf. „Technik, Taktik und Teamgeist“, sagt er, „das hat mir von Anfang an gefallen.“ Ob er auch mal daran gedacht habe, beruflich diese Richtung einzuschlagen? „Nein“, sagt Mueller. Er habe sich ganz bewusst für die kaufmännische Ausbildung entschieden – und es auch nicht bereut.

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So ist er heute als ehrenamtlicher Teil der Wehrführung im Einsatz – an der Seite des hauptamtlichen Feuerwehrchefs Holger Stubenrauch. Seit 2002 gehört Mueller zur Wehrleitung. Das sei ein schleichender Prozess gewesen, sagt er heute lächelnd. Irgendwann habe er im Einsatz die Rolle übernommen, weil alle Führungskräfte ausgefallen seien. „Vor Verantwortung habe ich keine Angst“, sagt er. Also absolvierte er die entsprechenden Lehrgänge und trat als stellvertretender Wehrleiter an. „Es bleibt aber ein Mannschaftssport“, sagt er, „auch in der Wehrleitung“. Denn wenn in der Leistelle der Alarm eintrifft, dann sind oft alle gefragt: Die Ehrenamtlichen und die Hautpamtlichen, die Spezialisten für Messtechnik, die Rettungssanitäter, die Truppführer und die Wehrleitung. „In dem Moment, in dem zwei Löschzüge rausfahren, fährt einer von uns beiden mit“, sagt Mueller. Er oder Holger Stubenrauch. Die Vernetzung sei eng, den Alltag haben die beiden abgestimmt. Oft seien dann schon Feuerwehrleute vor Ort – wenn Mueller den Einsatzort erreicht, übernimmt er die Gesamtkoordination.

„Die Herausforderungen bei einem Einsatz haben sich seit damals verändert“, sagt der 56-Jährige. Das habe vor allem mit den Fortschritten der Technik zu tun. Früher habe ein Golf einen Sicherheitsgurt gehabt, heute stecke dahinter ein ausgeklügeltes System. „Also müssen wir natürlich stets unsere Taktik und Technik anpassen“, erklärt er. Auch die Schutzausrüstung habe sich deutlich verbessert – das gilt auch für das Material. Aus Landkarten wurden Bildschirme. Heute können die Feuerwehrleute Luftaufnahmen zu Rate ziehen, wenn sie etwa beim Hochwasser oder bei einem Waldbrand im Einsatz sind.

Und Mueller ist sicher: „Wir werden uns weiter verändern müssen.“ Er denkt dabei an die Spuren der Klimakrise – an Trockenheit, Hitze und Waldbrände, an Starkregen und Hochwasser. „Wir müssen uns als Feuerwehr so verändern, dass wir in beiden Richtungen gerüstet sind“, ist er sich sicher, „das betrifft Technik und Ausbildung.“ Und noch ein anderes Feld brauche Beachtung: die Werbung um Nachwuchs. „Wir müssen Menschen motivieren zur Feuerwehr zu kommen“, sagt der 56-Jährige. Mit einer guten Ausbildung und gutem Material wolle die Feuerwehr überzeugen – aber vor allem mit der Begeisterung. „So wie damals in London“, sagt Mueller, „als die Jungs mich davon überzeugten, mal bei der Feuerwehr vorbeizuschauen.“