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Wermelskirchen: Industrie holt auf – Einzelhandel kämpft

Konjunktur im Bergischen Land : Industrie holt auf – Einzelhandel kämpft

Fakten + Hintergrund Der Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer zeigt Gewinner und Verlierer der Krise. Mehr als ein Drittel der Unternehmen im Kreis melden eine bessere Lage, eine schlechtere Lage meldet immer noch fast ein Viertel

Nach einem Jahr Corona-Krise erkennt die Industrie- und Handelskammer Köln, die auch für Wermelskirchen zuständig ist, wieder positive Signale. Das zeigt der aktuelle Konjunkturbericht. Von März bis April befragte die IHK heimische Industrieunternehmen, Einzelhändler und Gastronomiebetriebe nach ihrer Lage. Trotz der positiven Signale fällt auf: Die Krise sorgt weiter für Herausforderungen und längst nicht jede Branche hat die vergangenen Monate gleich gut verkraftet.

Wie fällt die Umfrage im Vergleich zum Winter aus? „Im Vergleich zur Winterumfrage hat die Wirtschaft in der Region aufgeholt“, resümiert Eva Babatz, Leiterin der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg der IHK Köln, „aber das gilt weiterhin vor allem für die Industrie.“ Im Einzelhandel sei die Lage vielerorts schlechter. Bei allen positiven Signalen gebe es auch deutliche Zeichen dafür, dass durch die Corona-Krise die Wirtschaft insgesamt in einen instabileren Zustand geraten sei, sagt Eva Babatz.

Wie fällt der Konjunkturklima-Index aus? Insgesamt hat sich das Konjunkturklima in der gesamten Region verbessert. Der Konjunkturklimaindex ist von 97,4 Punkten im Winter auf 102,6 Punkte gestiegen. Damit liegt der Indikator wieder im positiven Bereich, aber immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Über ein Drittel der Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis melden eine bessere Lage, eine schlechtere Lage meldet immer noch fast ein Viertel.

Wie steht es um die heimische Industrie? Die Industrie gerät trotz guter Entwicklung durch Engpässe bei Material und Vorprodukten unter Druck. „Außerdem steigen die Preise für Metalle und Baumaterialien“, berichtet Babatz. Besonders exportorientiere Unternehmen stünden dadurch im verschärften internationalen Wettbewerb.

Gibt es Unterschiede in den verschiedenen Branchen? Im Vergleich zum Jahresbeginn konnten das Baugewerbe, unternehmensorientierte Dienstleister, viele Industriebetriebe und der produktionsorientierte Großhandel ihre Lage verbessern. „Ausnahmen bilden die Betriebe der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, hier hat sich die Lage weiter verschlechtert“, sagt Babatz. Mehr als ein Viertel der Unternehmen geht davon aus, dass sich die Geschäftslage in den nächsten Monaten weiter verbessern wird. Fahrzeugbau, Maschinenbau und Elektroindustrie schauen zuversichtlicher in die kommenden zwölf Monate.

Wer leidet besonders unter den Folgen der Krise? Sehr stark von den Schließungen und Auswirkungen der Pandemie betroffen sind personenbezogene Dienstleister, der Einzelhandel, die Gastronomie und der konsumnahe Großhandel. „Die von der Pandemie besonders betroffenen Branchen warten immer noch auf verbindliche Öffnungsperspektiven und verlässliche Regeln“, beklagt Babatz und ergänzt: „Eine Wiederholung der Vor-und-Zurück-Politik können wir uns nicht leisten.“

Wie ist die Stimmung im Einzelhandel? Die Stimmung hat sich gegenüber der Winter-Umfrage in der IHK-Region Köln verschlechtert. 41 Prozent der Unternehmen melden eine schlechte Lage. Mehr als 40 Prozent gehen weiter von einer schlechten Entwicklung aus. Währenddessen sind die Einschätzungen im Rheinisch-Bergischen Kreis positiver. Dort heißt es, die Lage im Einzelhandel habe sich etwas verbessert.

Und wie bewertet die IHK die Situation in der Gastronomie? 90 Prozent der Unternehmen melden laut IHK-Umfrage eine schlechte Lage. Allerdings sind über die Hälfte der Unternehmen mittlerweile zuversichtlich, dass sich ihre Lage in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird. Zwölf Prozent sehen sich einer drohenden Insolvenz gegenüber.

Wie investitionsfreudig sind heimische Unternehmen? „Bei allen positiven Erwartungen der Unternehmen bleiben die Investitionsabsichten immer noch im negativen Bereich – ein weiteres Indiz dafür, dass die Betriebe in der Region jetzt vor allem sichere Perspektiven brauchen“, sagt Eva Babatz. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen seien neben der Inlandsnachfrage und dem Fachkräftemangel die am häufigsten genannten Risiken für die Unternehmen. Bislang geben drei Prozent der Betriebe an, in die Insolvenz gehen zu müssen.

Wie sehen die Erwartungen aus? Die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten sind im Vergleich zur Vorumfrage von -3,1 auf 1,9 Punkte gestiegen. „Dies spiegelt die Hoffnung in eine nachhaltige Überwindung der Krise“, sagt die IHK-Expertin.

Was bedeutet das für die Personalplanung? Die Beschäftigungspläne der Unternehmen im Kreis haben angezogen. Fast ein Viertel der Unternehmen wollen mehr Personal einstellen. Dagegen planen noch etwa 18 Prozent mit weniger Personal.