Wermelskirchen: In ungewohnter Schärfe diskutierte der Stadtrat über das Leitbild für Wermelskirchen

SPD: Es fehlen Visionen - CDU: Andere Städte sind schon weiter : Visionen für Wermelskirchen

Der Stadtrat beschloss nach kontroverser Diskussion Leitsätze zur Zukunft der Stadt.

Wie soll die Stadt in 20, 30, 40 Jahren aussehen? Will sie wachsen? Also eine lebendige Kleinstadt mit Wachstumspotenzialen auf allen Feldern sein? Eine Wohnstadt für Auspendler? Ein Standort für Wachstumsbranchen? Eine Tourismusstadt? Oder? Für die Zukunft Wermelskirchens wünscht sich die Politik ein Leitbild. Doch der erste Schritt dorthin war sehr holprig: In der Sitzung des Stadtrates entbrannte eine kontroverse, teils sehr heftig geführte Diskussion über die im Arbeitskreis Zukunft erarbeitete Grundlage für ein solches Leitbild. Am Ende wurde das Papier bei einer Gegenstimme und Enthaltungen vor allem auf SPD-Seite verabschiedet.

Eins wurde deutlich: Alle Fraktionen wünschen sich eine Art Leitfaden für künftige Planungen und eine steuernde Ausrichtung. Doch während eine Mehrheit aus CDU, FDP, WNKUWG und Bürgerforum die erarbeiteten Leitsätze für die Bereiche Wohnen, Kita-Angebot, Schullandschaft, Wirtschaft und Lebensqualität verteidigte, bezeichnete SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein die Ergebnisse als enttäuschend, weil sie nichts Neues beinhalteten und keine Zukunftsvisionen enthielten. Wenn er die Punkte durchgehe, komme er zu dem Schluss, dass die Zukunft bereits begonnen habe, „sie bestimmen Planung und Handeln bereits. Was hier drinsteht, ist nicht ansatzweise visionär“, so Bilstein. Auf der anderen Seite vermisse er Punkte, zum Beispiel, wie die Zukunft der Ortsteile Dhünn und Dabringhausen, für die kleinen Hofschaften aussehen sollen. Auch Stefan Janosi, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sieht Nachbesserungsbedarf: „Es fehlen Leitsätze zu Umwelt und Ökologie, die in Zukunft eine große Rollen spielen.“

Eindringlich appellierte CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Klicki dafür, die Leitsätze zu beschließen. „Uns fehlt die Idee, die Vision für Wermelskirchen. Wir wollen die beste Kommune, eine Wachstumskommune werden. Wir müssen Angebote schaffen und überregional Aufmerksamkeit wecken“, richtete er einen Appell an den Stadtrat. Er und Friedel Burghoff (Büfo) erinnerten dabei an die Ausführungen des Stadtplaners Reimar Molitor vom Regionalmanagement Region Köln/Bonn, dass in den nächsten Jahren zigtausend Menschen aus der Rheinschiene Wohnraum in Nachbarregionen suchen. Aus den Leitsätzen solle ein Leitbild entwickelt werden, so Klicki. Seine Vergleiche: Monheim boome, Odenthal habe einen Freizeitpark, während das Projekt in Wermelskirchen stockt, andere Städte gründeten bereits Stadtentwicklungsgesellschaften und entwickelten Strategiepapiere. Henning Rehse von der WNKUWG erläuterte, dass das Papier zunächst nur die Basis bilden solle, auf der die Verwaltung weiterarbeiten könne. Klicki regte an, den Arbeitskreis Zukunft in einen Fachausschuss (Unterausschuss des Stadtrates) zu verwandeln.

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