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Wermelskirchen: In Corona-Zeiten war der Wald nicht still

Leben am Wald : In Corona-Zeiten war der Wald nicht still

Das ist ein perfekter Moment für Claudia Schumann-Harder: Auf dem Rücken ihres Pferdes durch den Wald reiten und den Zauber genießen.

Schon, wenn Claudia Schumann-Harder ihre Haflinger-Sute Conny sattelt, fällt der Alltagsstress von ihr ab. Und spätestens, wenn sie auf dem Rücken ihres Bergponys zwischen den Wiesen an ihrem umgebauten Bauernhaus in Richtung Wald reitet, ist die Hektik vergessen. „Der Wald hat schon immer eine besondere Faszination auf mich ausgeübt“, gesteht sie. „Wenn man in den Wald hineinkommt ist es, als würde man einen ganz besonderen Raum betreten. Das Licht ist speziell, der Geruch ist anders, als auf den Wiesen und alles ist etwas ruhiger. Es ist ein Abtauchen in die Natur.“

Davon haben sie und Ehemann Werner Harder geträumt, als sie in Köln lebten und fünf Jahre lang auf Haussuche „in einem riesigen Radius um Köln herum“ waren. „Ich war früher viel bei meinen Großeltern auf dem Land“, erinnert er sich an unbeschwerte Jugendtage im Wald. „Und wir wollten einfach ländlich leben. Am liebsten richtig in der Pampa“, fügt sie lachend hinzu. „Hier draußen hat man immer Gelegenheit, sich zurückzuziehen und mit und in der Natur zu existieren.“ In Köln hatten sie ein Haus an einer Hauptstraße. „Da hatte man nie Ruhe.“

 Von ihrem kernsanierten Hof aus genießt das Ehepaar den Blick über Pferdeweiden auf den Wald.
Von ihrem kernsanierten Hof aus genießt das Ehepaar den Blick über Pferdeweiden auf den Wald. Foto: Kathrin Kellermann

Davon gibt es jetzt rund um ihr vor Dabringhausen liegendem Fachwerkhaus genug. Als sie die Hofschaft 2015 entdeckten, war es Liebe auf den ersten Blick – in das Haus und noch mehr in den Blick auf die hügeligen Weiden hinunter auf den Wald. Zwei Jahre lang hat das Ehepaar das Bauernhaus kernsaniert und im urspünglichen Stil renoviert, den Stall neu aufgebaut. Heute leben sie auf dem Anwesen mit den Zwillingen Lena und Steffen (17), den drei Haflingern Wodan, Conny und deren Tochter Hope und dem zweijährigen Australien Shepard-Rüden Merlin.

Ein Gemüsegarten mit Zucchini, Kürbis, Spinat und Möhrchen sowie eigene Hühner, die jeden Tag frische Eier legen, runden den Traum vom perfekten Landleben ab. Bereut haben sie den Schritt von der Stadt in eine sehr ländliche Gegend nie: „Wir wohnen quasi mitten im Wald“, sagt Claudia Schumann-Harder. „Wir können jederzeit mit dem Hund oder den Pferden raus und die Ruhe genießen.“ Eine Idylle, die es aber in Corona-Zeiten nicht immer gab. „Unfassbar, wie viele Leute während des Shutdowns plötzlich aus der Großstadt lärmend in unseren Wald stürmten“, erinnert sich Werner Harder kopfschüttelnd. „Auf einer zweistündigen Route mit dem Hund, auf der wir sonst nur selten jemanden treffen, haben sich plötzlich Familien und Wanderer geknubbelt.“

Schön sei das nicht immer gewesen. Vor allem, wenn Gruppen von Mountainbikern mit irrem Tempo die Berge hinabgesaust kamen und vor den Pferden Vollbremsungen hinlegten. „Unser Wallach hat sich wahnsinnig erschreckt“, erzählt Claudia Schumann-Harder. Der Radfahrer habe sich zwar entschuldigt, „aber die Ruhe und das Entspannte, das ich im Wald so liebe, war natürlich dahin, wenn man ein aufgeregtes Pferd beruhigen muss.“

Nicht nur Ruhe, auch Zeit zum Nachdenken finden Werner Harder und Claudia Schumann-Harder auf dem Rücken ihrer Pferde. Das war besonders wichtig, als die beiden Coaches für Change-Prozesse und Leitbildentwicklungen, die ihre Büros mit Blick auf die Landschaft im Wohnhaus haben (www.harder-consulting.de), in der Corona-Krise plötzlich nicht mehr zu ihren Kunden fahren konnten. Da mussten sie schnell andere Lösungen finden, umdenken. Da bietet sich der Wald vor der Haustür an: Da wird der Kopf frei für neue Ideen.