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Wermelskirchen: Improvisation auf die Spitze getrieben

Haus Eifgen in Wermelskirchen : Improvisation auf die Spitze getrieben

Normalerweise geht den regelmäßigen Sessionabenden im Haus Eifgen immer ein Konzert voraus, egal, ob es nun die Jazz- oder Blues-Session ist. Das liebgewonnene Prinzip lautet: Erst eine Stunde Konzert, dann ist die Bühne geöffnet, und jeder, der sich berufen fühlt, kann sich dem mehr oder weniger leidenschaftlichen Jam-Rausch hingeben.

Nicht so am Mittwochabend. Da hieß es nämlich gleich von Anbeginn an: „Jaming From The Start!“

Sicherlich ein kleines Risiko, da eben an einem solchen Abend keinerlei Strukturen da sind, die durch Songs oder gar eine Setlist vorgegeben sind. Das wusste auch Michael Dierks (Archivfoto: Singer)von der Kulturinitiative Wermelskirchen. „Ich bin gespannt, was dabei rumkommt, denn das weiß man ja im Vorfeld nie. Ich bin gespannt, wer sich jetzt gleich auf die Bühne traut“, sagte er zur Begrüßung. Und tat es gleich selbst, setzte sich hinter die Hammondorgel und stieg gemeinsam mit einem Schlagzeuger, zwei Gitarristen und einem Bassisten in den ersten „Song“ dieses, soviel vorweg, sehr kurzweiligen Abends ein.

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Der Song in Anführungszeichen - einfach weil das Prinzip der Improvisation naturgemäß in einer Session auf die Spitze getrieben wird und nur rudimentär von Songs die Rede sein kann. Auch wenn sich das für den Zuhörer im besten Falle gar nicht danach anhört. Was auch am Mittwochabend meistens der Fall war. Wäre man zufällig am Haus Eifgen vorbeigegangen, hätte man sich vermutlich gefragt, welche coole Blues-Rock-Combo denn da wohl unangekündigten spielte. Harmoniewechsel funktionierten, Soli saßen und tatsächlich fehlte manchmal nur ein Sänger, um die Band- und Song-Illusion perfekt werden zu lassen. Natürlich waren das da auf der Bühne in der Regel erfahrene Sessionmusiker, die sich ein bisschen absprachen, ehe sie loslegten, der Blues ist von der Komplexität her nun auch nicht gerade ein Symphoniekonzert von Schostakowitsch, und kleinere Fehler, die natürlich nicht ausblieben, waren schnell und wirkungsvoll überspielt.

Und manchmal wurden eben auch einfach Songs nachgespielt, die alle Musiker mehr oder weniger gut kannten. Dennoch bleibt bei einer Session immer der Hauch des Unperfekten, des Spontanen, des Improvisierten. Der manchmal auch durchaus magische Momente entstehen ließ. Wenn sich der einzelne Musiker etwa in eine solistischen Rausch hineinfiedelte.

Wenn Deep Purples Epos „Child In Time“ instrumental zu sechst im Haus Eifgen nachgespielt wurde und man nicht nur als Fan eine kleine Gänsehaut verspürte. Oder wenn das Bühnen-Personal nach einer halben Stunde munter durchgewechselt wurde - und es danach genauso gut, nur eben ganz anders, weiterging.

Das machte auf seine Art und Weise am Ende eines langen Werktags nicht nur offensichtlich auf der Bühne, sondern auch davor eine ganze Menge Spaß und man fühlte sich von dieser Improvisationsfreude im Namen des Blues wirklich ganz famos unterhalten.

Was das rund 50-köpfige Publikum auch durch lautstarken Applaus zwischen den „Songs“ deutlich machte.