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Wermelskirchen: Illegaler Welpenhandel boomt

Welpenhandel in Corona-Zeiten : Illegaler Welpenhandel boomt

In Corona-Zeiten haben immer mehr Menschen Sehnsucht nach einem vierbeinigen Freund. Deshalb fallen viele Tierliebhaber auf skupellose Händler rein, warnt der Deutsche Tierschutzbund.

Es sind die traurigen Auswirkungen der Corona-Krise: Der illegale Welpenhandel boomt und hat 2020 durch die Pandemie nochmal einen dramatischen Aufschwung erfahren. Vor allem in den Sommermonaten, in der die Nachfrage nach Haustieren groß war, stieg die Zahl der Fälle an. Das ist Ergebnis einer Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes.

„Allein zwischen Januar und Oktober 2020 wurden bundesweit 75 Fälle von illegalem Heimtierhandel bekannt, 818 Tiere waren betroffen. Damit liegt die Zahl der Fälle und Tiere bereits über der Gesamtzahl des Vorjahres“, berichtet Lisa Hoth, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Betroffen waren vor allem Hunde – insgesamt 683 – und mit 130 Tieren auch erstaunlich viele Katzen. Die Dunkelziffer dürfte wie in anderen Jahren noch deutlich höher liegen. Grund für den Anstieg des illegalen Tierhandels ist der neue „Haustier-Boom“, der durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde.

Die Sehnsucht nach einem vierbeinigen Freund haben auch die Verantwortlichen im Tierheim in Wermelskirchen bemerkt: „Wir hatten großen Zulauf während des gesamten Shutdowns und haben deutlich mehr Hunde vermitteln können als normalerweise“, sagte Günter Leuerer, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins und Betriebsleiter des Tierheims am Aschenberg, auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wahrscheinlich wären es noch mehr gewesen, wenn noch mehr Hunde zur Vermittlung bei uns im Heim gewesen wären.“

Gegen die Idee, einem Tier aus dem Tierheim eine Chance auf ein schönes Zuhause zu geben, spricht auch nichts. Das Problem ist nur, dass viele Interessenten offenbar auch auf anonyme Verkäufer im Internet hereingefallen sind. Der Tierschutzbund fordert daher eine Regulierung des Internethandels und eine europaweite verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für Haustiere, um deren Herkunft besser rückverfolgen zu können.

Ebenso bräuchte es eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit, um alle involvierten Personen zu fassen sowie vermehrte Kontrollen und härtere Strafen für die Täter.

Jedes Jahr wertet der Deutsche Tierschutzbund alle Fälle von illegalem Tierhandel aus. Im Großteil der Fälle (85%) wurden Hunde gehandelt, meist Rassehunde wie Malteser, Zwergspitz und Französische Bulldogge. Besonders außergewöhnlich war zumindest 2019 die Artenvielfalt: So fanden sich neben Hunden und Katzen unter anderem auch ein Bennet-Känguru, Weißwedelhirsche, Riesenschlangen und ein Lisztaffe unter den illegal transportierten Tieren.

Behörden übergeben beschlagnahmte Tiere an Tierheime. Viele der Tiere befinden sich in einem desolaten Gesundheitszustand und brauchen aufwendige Pflege. Auf den entstehenden Kosten – für einen Hundewelpen sind das pro Tag etwas 22 Euro, bleiben die Tierheime meist sitzen.