Wermelskirchen: „Ich wollte etwas tun, das Sinn ergibt“

Bundesverdienstkreuz für Elisabeth Schwenk : „Ich wollte etwas tun, das Sinn ergibt“

Elisabeth Schwenk bekam am Montag das Bundesverdienstkreuz für ihren ehrenamtlichen Einsatz in der Evangelischen Gemeinde und im Hospizverein. Dabei war es für die 80-Jährige immer Ehrensache, sich zu engagieren.

Als die Post vom Kreis kam, scherzte ihr Mann: „Was will denn der Landrat von dir? Bist du zu schnell gefahren?“ Dann öffnete Elisabeth Schwenk den Brief und musste kurz nach Luft schnappen: Landrat Stephan Santelmann lud die 80-Jährige ins Kreishaus ein, um ihr das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Ihr Enkel reagierte prompt: „Oma bekommt nen Orden. Das ist ja megacool.“

Währenddessen nutzte Elisabeth Schwenk die Post, um einen Rückblick zu halten. Sie habe nie auf einen Orden hin gearbeitet, sagt sie. „Ich wollte etwas tun, das Sinn ergibt“, ergänzt die Tenterin dann. Und genau dieser Wunsch sei auch der rote Faden in ihrem Leben gewesen. Schon als Kind in Niedersachen hätten die Nachbarn sie gefragt, wenn sie jemanden brauchten, um auf die Kinder aufzupassen. „Ich habe mich einfach immer gerne gekümmert“, sagt sie. Nicht umsonst ließ sie sich zur Kinderpflegerin ausbilden, arbeitete im damals städtischen Kinderheim an der Dhünn-Talsperre, dann in der Kindertagesstätte in Burscheid.

Als die Familie wuchs, sie und ihr Mann zwei Kinder bekamen und ein Haus in Tente bauten, da knüpfte sie Kontakt zur Evangelischen Kirchengemeinde. „Und mir gefiel die Idee, das Gemeindeleben mitzugestalten“, sagt sie. Deswegen stimmte sie der Bitte von Pfarrer Hartmut Krienke zu und ließ sich ins Presbyterium wählen. „Ich war nie der Typ, der sich in langen Sitzungen wohlfühlte“, sagt sie. Stattdessen wollte sie anpacken, sich kümmern.

Als die Senioren in der Gemeinde den Wunsch äußerten, einen eigenen Kreis zu gründen, da nahm sie die Bitte auf. „Wir mussten damals ganz schön kämpfen“, sagt sie, „nicht alle wollten diesen Kreis.“ Aber Elisabeth Schwenk wusste, dass die Menschen im Alter einen Platz zum Reden und zum Kaffeetrinken brauchen. Also backte sie mit der Küsterin Kuchen, kochte Kaffee und lud nicht mehr nur zum Mütterkreis, sondern auch zum Seniorenkreis ein. Später engagierte sie sich auch für die Gruppe im Krankenhaus, die Patienten zur Andacht einlädt.

Und doch: Elisabeth Schwenk suchte weiter nach dem Sinn. Als ihre Schwester krank wurde und gepflegt werden musste, da merkte sie, wie wenig sie wusste, wie viel sie lernen wollte, um Menschen in diesen schweren Stunden des Lebens helfen zu können. Beinahe gleichzeitig wurde in Wermelskirchen die Gründung des Hospizvereins auf den Weg gebracht. Und dort fand Elisabeth Schwenk, was sie suchte: Sinn. Sie gehörte zum zweiten Ausbildungsgang, setzte später die Schulung zur Trauerbegleiterin drauf. Sie setzte sich an Betten, hielt Hände, schenkte Mut und machte vor allem dem Alleinsein der Sterbenden ein Ende. 50 Menschen hat sie als Ehrenamtliche beim Sterben begleitet, ihre Angehörigen unterstützt – im Haus Vogelsang und in vielen privaten Wohnzimmern und Stuben. „Das waren Menschen, die froh waren, dass ich zu ihnen kam“, sagt sie und erinnert sich an Sterbende, die nicht sprechen konnten, aber dankbar ihre Hand drückten. Sie erinnert sich an ihre letzte Begleitung im vergangenen Jahr, als sie der Verein an das Bett eines fremden, sterbenden Mannes bat. „Ich fuhr hin, und er ist noch in der gleichen Nacht gestorben. Ich habe seine Hand gehalten, er ist noch zwei Mal aufgewacht – mit einem wissenden Lachen im Gesicht. Das vergisst man nicht.“

Nie sei ihr dieser Einsatz zu viel geworden. Ganz im Gegenteil: Er habe ihr auch etwas zurückgegeben. Sie sei mit dem Herzen dabei gewesen. Mit ihrem 80. Geburtstag hat sie ihre ehrenamtlichen Aufgaben abgegeben – den Kontakt zum Hospizverein hält sie lebendig. Und so waren es auch die Freunde aus der Hospizarbeit, die sie für das Bundesverdienstkreuz vorschlugen. Für sie auch Ehrensache, am Montag in Bergisch Gladbach mitzufeiern.

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