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Wermelskirchen Humorvoll-magische Auszeit vom Coronavirus im Film-Eck

Theater in Wermelskirchen : Humorvoll-magische Auszeit vom Coronavirus im Film-Eck

„Stephan Masur‘s Varietespektakel“ ist eine wohltuende Abwechslung in dieser hektischen Zeit. Die Besucher genießen den Theaterabend.

Die Infektionszahlen steigen, die Unsicherheit bei den Menschen auch. In dieser Zeit  tut es gut, sich im Film-Eck bei „Stephan Masur‘s Varietespektakel“ auch einmal für knapp zwei Stunden eine Auszeit zu gönnen. Eine Auszeit, in der es nur ganz am Rande um das Virus mit seinen Auswirkungen geht. Am Rande deshalb, weil man natürlich den Mund-Nasen-Schutz tragen muss und vom Conferencier des Abends, Stephan Masur, vorsorglich darauf hingewiesen wird, dass „Lachen, Applaudieren und Spaß haben durchaus noch erlaubt sind“.

Das Konzept selbst verspricht schon große Abwechslung. Mehrere unterschiedliche Künstler präsentieren Kleinkunst, Artistik und Akrobatik, jeweils in mundgerechten Happen von etwa zehn Minuten Dauer serviert. Anmoderiert werden die Beiträge jeweils von Masur, der sichtlich Spaß an seinem Auftritt hat und frisch von der Leber weg quasselt. Er schäkert mit dem Publikum, lässt ein gedankliches „Viel Glück und viel Segen“ für ein Geburtstagskind im Saal erklingen - alles ist ganz entspannt. Was gerade in Bezug auf das Thema Auszeit sehr gut tut. Das, was die Künstler dann im Verlauf der sehr abwechslungsreichen Show bieten, hat es aber in sich. Seien es magische Tricks, als der erste Künstler des Abends etwa scheinbar aus dem Nichts seine leeren Kugelhälften mit Wasser von der Kinodecke füllt und dieses Wasser dann trinkt. Sei es der Gleichgewichtsartist Simon, der seine enorme Körperspannung im rotierenden Handstand auf einem Metallständer unter dem begeisterten Applaus des Publikums unter Beweis stellt.

Einen kleinen Ausflug in die eigene Kindheit zeigt Masur dann selbst, als er phantasievolle und komplexe Figuren aus Seifenblasen zaubert. Dafür bekommt er Extra-Applaus. Zu recht, denn es ist enorm beeindruckend, wenn er etwa eine mit Rauch gefüllte quadratische Seifenblase in einer runden produziert. Eher komödiantisch, wenngleich durchaus auch eindrucksvoll, ist die Nummer der bezaubernden Silea mit ihrem Stofftier, die vor allem dadurch gewinnt, weil die Bewegungen der beiden Akteure so realistisch wirken, dass man meint, wirklich einen Dachs zu sehen.

Ohne Netz und doppelten Boden ist dann hingegen der Drahtseilakt der blonden Artistin, die zuvor noch spielerisch mit dem Dachs um die Vorherrschaft auf der Bühne gekämpft hat. Hüpfend und tänzelnd bewegt sie sich traumwandlerisch sicher auf dem dünnen Seil und legt sich dann sogar auf den Rücken oder geht in den Spagat, wofür sie begeisterten Jubel erntet.

Es ist ein Spektakel, das auf jeden Fall. Aber doch eines, das insgesamt die leisen Töne bevorzugt. Da ist nichts schreiend laut, wenngleich alles doch sehr beeindruckend ist. Wenn etwa Taschenspielertricks mit Bällen und Münzen die ganze Aufmerksamkeit des Publikums erfordern. Oder Masurs furiose Jonglage-Einlagen zu klassischer Musik mit vielen unterschiedlichen Figuren für Begeisterung sorgen. Oder wenn Silea das Drahtseil gegen Flaschen austauscht, über die sie auf Zehenspitzen spaziert.