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Wermelskirchen/Hückeswagen: Bauer fängt hunderttausende Borkenkäfer

Kampf gegen Schädling : Bauer fängt hunderttausende Borkenkäfer im Bergischen Land

In seinen Wäldern zwischen Wermelskirchen und Hückeswagen geht Oskar Lambeck mit Fallen auf Schädlings-Jagd: In nur drei Wochen kam eine halbe Million Insekten zusammen. Nach Ansicht des 80-Jährigen eine Methode, um der Plage etwas entgegenzustellen.

Oskar Lambeck ist sauer. Zum einen ärgert sich der 80-Jährige über sich selbst, dass er nicht schon früher mit der „Jagd“ begonnen hat. Zum anderen ist der Waldbauer, der Forstfläche auf der Stadtgrenze zwischen Wermelskirchen und Hückeswagen besitzt, erbost darüber, dass die öffentliche Hand sich nicht von seiner Idee überzeugen lässt. Warum geht es? Wie alle Waldbesitzer in der Region ist auch Oskar Lambeck vom Borkenkäfer-Befall seiner Bäume betroffen. Lambeck stellt sich seit etwa zwei Monaten der Plage entgegen: mit Fallen, die die Borkenkäfer mit Lockstoffen anziehen (wir berichteten).

„Das zeigt Wirkung, jetzt habe ich den Beweis“, ist Oskar Lambeck im Gespräch mit unserer Redaktion überzeugt. Aus einem Tiefkühlschrank in seiner Werkstatt zieht er eine Schublade hervor. Die ist vollgepackt mit Borkenkäfern in Gefrierbeuteln. „Die stammen aus meinen Fallen – das sind mindestens eine halbe Million, die ich in nur drei Wochen gefangen habe“, sagt Lambeck, der bislang zehn Fallen in stark von den Schädlingen betroffenen Arealen seiner sich auf 50 Hektar summierenden Waldflächen aufgestellt hat.

Wie berichtet, hatte der Waldbauer eigenhändig 500 Borkenkäfer abgezählt und diese bei einem Apotheker mit dessen feinfühliger Waage wiegen lassen. Aus dem Ergebnis entwickelte Lambeck einen Umrechnungsschlüssel: „1000 Stück wiegen rund neun Gramm.“ Wenn also einer seiner Gefrierbeutel nebst Inhalt eineinhalb Kilogramm wiege, handele es sich um etwa 150.000 Insekten.

Das Ergebnis spreche für sich, stellt Lambeck seinen Standpunkt klar: „Ich ärgere mich maßlos, dass auf diese Weise nicht früher eingegriffen wurde. Mit Sicherheit wäre ein erheblicher Teil des jetzt vorhandenen Schadens im Wald zu verhindern gewesen.“ Und weiter: „Wenn ich mein Ergebnis mit 500 Waldbauern multipliziere, dann komme ich auf Milliarden unschädlich gemachte Borkenkäfer.“ Schließlich müsse auch bedacht werden, dass jedes Borkenkäfer-Pärchen sich durch Nachwuchs verzwanzigfacht und das drei Mal pro Jahr. Oskar Lambeck räumt ein, dass sicherlich nicht jeder Forstbesitzer sich derart engagiert um seinen Wald kümmern könne, aber viele: „Meine Nachbarn sind überzeugt und haben sich alle ebenfalls Fallen gekauft. Und ich habe seit Neuestem zehn weitere Fallen aufgestellt.“

Förster sehen in den Borkenkäfer-Fallen ein Mittel, den Befall und dessen Stärke festzustellen – eine wirkungsvolle Bekämpfungsmethode sehen sie darin allerdings nicht, weil die Anzahl der Schädlinge zu hoch ist.

Oskar Lambeck will das nicht akzeptieren: „Die Schäden im Wald gehen in die Milliarden und werden auf die kleinen Leute verteilt.“ Derzeit sei der Marktpreis für Holz im Keller, ebenso der Wert von Waldfläche. Längst hat Lambeck einen Verdacht: „Es scheint fast so, als solle der Fichtenbestand bewusst kaputt gehen, damit mit Mischwald aufgeforstet werden kann.“ Gegen Mischwald habe er nichts, aber: „Wenn ich als kleiner Waldbauer Geld verdienen will, brauche ich die Fichte. Was nützt eine Buche, wenn nach 200 Jahren Wachstum daraus Brennholz gemacht wird.“

Lambeck, der in Wermelskirchen zur Welt kam und mit fünf Jahren auf den Hof seines Großvaters in Straßweg nach Hückeswagen zog, betont: „Ich habe mit fünf Hektar Wald angefangen, habe mein ganzes Leben Geld in den Wald gesteckt. Das Geld geht gerade kaputt.“ Derzeit baut Oskar Lambeck an seiner Scheune, in die er geschlagenes Holz aus seinen Wäldern einlagern will – so lange bis die Marktpreise wieder gestiegen sind.

Übrigens: Die gefangenen Borkenkäfer gibt Oskar Lambeck einem Bruder, der sie in Wickhausen an seine Fische verfüttert.