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Wermelskirchen: Holpriger Impfstart im Haus Vogelsang

Corona-Schutzimpfung in Wermelskirchen : Holpriger Impfstart im Haus Vogelsang

Fast 200 Bewohner und Mitarbeiter im Haus Vogelsang wurden am Mittwoch gegen Covid-19 geimpft. Anschließend impfte das Ärzteteam im Seniorenpark Carpe Diem in Dabringhausen. Zuvor hatten alle nervös aufs Serum gewartet.

Applaus schallt durch den Flur, als Dr. Hans-Christian Meyer und der Kurier die beiden Kisten mit dem Impfstoff ins Haus Vogelsang bringen. „Endlich ist er da“, seufzt Pflegedienstleiter Jürgen Becker gegen 16.15 Uhr. Die Erleichterung ist auch den Mitarbeitern ins Gesicht geschrieben, die nun in einer Schlange vor dem Clubraum im Altenzentrum Aufstellung beziehen. Vier Stunden lang haben Ärzte, Mitarbeiter und Bewohner auf den ersehnten Impfstoff gewartet.

Noch am Morgen hatte die Spedition die Ankunft des Impfstoffs gegen Covid-19 auf einen Zeitpunkt zwischen 12 und 13 Uhr festgesetzt. Der Pflegedienstleiter hatte daraufhin dem Impfteam ein Signal gegeben und Dr. Hans-Christian Meyer hatte sich gemeinsam mit den Hausärzten Dr. Susanne Birker-vom Stein, Sigrun Klawa und Harald Bergerhoff auf den Weg ins Haus Vogelsang gemacht. Auch ein Pharmazeutisch-Technischer Assistent und eine Medizinische Fachangestellte waren mitgekommen.

Nach zwei Stunden fehlte von dem Impfstoff aber noch immer jede Spur. Es gebe auch keine Möglichkeit, herauszufinden, wo der Kurier sich aktuell befinde, hieß es beim Impfteam. Immer mehr Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung nahmen im Wartebereich Platz, weil sie zum Impftermin bestellt worden waren. Meyer nahm schließlich Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung auf, die wiederum bei der Spedition nachfragte: „Wir können uns die Verspätung nach wie vor nicht erklären, der Kurier ist aber auf der Zielgeraden“, verkündete Meyer um kurz nach 15 Uhr deutlich verärgert. Da wartete das Impfteam bereits seit vier Stunden auf das Serum. Es hake an vielen Stellen, hatte Meyer befunden. Der Kurier hatte zuerst den Seniorenpark Carpe Diem in Dabringhausen angefahren und dort den Impfstoff für die Aktion am späteren Nachmittag abgegeben – dann erreichte er den Vogelsang.

Dr. Thomas Winterfeld ist Inhaber der Montanus Apotheke. Er bereitet die Impfung für die Bewohner des Hauses vor, die von Dr. Meyer in ihren Zimmern geimpft werden. Foto: Jürgen Moll

Dort steigt derweil die Aufregung, als hinter den Türen im Erdgeschoss endlich der Impfstoff vorbereitet wird. Bereits am Abend zuvor sei das Serum von minus 70 Grad auf rund zwei Grad aufgetaut worden. Vor der Verabreichung sei nun die Rekonstruktion nötig, erklärt Meyer. Der Impfstoff wird weiter aufgewärmt und vorbereitet. Für jeden Wohnbereich wird ein Wagen ausgerüstet, die Hausärzte impfen ihre eigenen Patienten, während Dr. Hans-Christian Meyer mit seinem Team die Mitarbeiter im Clubraum impft. Einrichtungsleiterin Heidi Popko macht schließlich den Anfang, die erste in der langen Reihe der Mitarbeiter ist Michelle Doctorowsky. „Ich bin froh, dass ich mich impfen lassen konnte“, sagt die 24-Jährige, „ich möchte die Bewohner, aber auch mich selbst und meine Familie schützen.“ Wenn sie die Entwicklungen auf den Intensivstationen beobachte, sei sie erleichtert, als eine der ersten den Schutz zu bekommen. Nicht alle Mitarbeiter sind so positiv gestimmt. Während sich fast alle Bewohner für die Impfung gemeldet haben, wollen sich nur 60 Prozent des Personals impfen lassen. „Ich bin unsicher, weil ich die Nebenwirkungen nicht absehen kann“, sagt etwa Felicita Wahl. Sie habe Angst, dann keine gesunden Kinder mehr bekommen zu können, deswegen verzichte sie fürs erste auf die Impfung. Währenddessen hat sich Kollegin Pina Leocata freiwillig gemeldet.

„Wir sind froh, dass wir mit der Impfung mehr Sicherheit bekommen“, sagt Jürgen Becker, der auch in der Warteschlange steht. Die verletzliche Gruppe der alten Menschen könne nun geschützt werden. „Wir sind froh, dass wir bisher keinen Coronafall hatten“, ergänzt er. Auch viele Angehörige seien erleichtert, dass geimpft werde. Das Ärzteteam hat am Mittwoch auch Notfallmedikamente im Gepäck, falls ein Patient allergisch reagiert. Außerdem würden die Mitarbeiter nach der Impfung die Bewohner engmaschiger kontrollieren, sagt Becker.

Das Impfen der einzelnen Patienten dauert kaum eine Minute – die Unterlagen sind alle vorbereitet, die Ärzte verstehen ihr Handwerk. Am Abend machen sie sich auf den Weg nach Dabringhausen. „Wir impfen bis heute Nacht, wenn es sein muss“, sagt Meyer nach einem langen Tag mit vielen Wartestunden.