Wermelskirchen: Hilfen für Kinder in Krisensituationen

Das Jugendamt nahm 2018 zehn Kinder in Obhut : Hilfen für Kinder in Krisensituationen

Das Jugendamt hat im vergangenen Jahr zehn Kinder aus den Familien genommen – Inobhutnahme heißt das im Behördendeutsch. Die Fallzahlen pro Mitarbeiter lagen bei den Schutzmaßnahmen bei durchschnittlich bei 40.

Jugendämter haben eine hohe Verantwortung, für das Kindeswohl einzutreten sowie den Jugendschutz zu gewährleisten – und stehen generell schnell im Fokus, wenn in Deutschland Kinder Opfer von Vernachlässigung, Missbrauch und Gewalt werden. Bei einem Ranking des WDR zum Thema Kindesmissbrauch und Fallzahlen pro Mitarbeiter im Jugendamt rangierte das Jugendamt Wermelskirchen nicht im vorderen Drittel. Doch das Ergebnis einer breit angelegten Umfrage unter Jugendämtern nach dem erschütternden Missbrauchsfällen in Lügde war eine Momentaufnahme. Das betont Barbara Frank, pädagogische Leiterin im Amt für Jugend, Bildung und Sport. „Mehrere Planstellen waren 2018 durch Wechsel, Krankheit, Mutterschutz und Elternzeit nicht besetzt.“ Daher fiel die Fallrelation vorübergehend ungünstig aus. Inzwischen seien die Stellen fast alle wieder besetzt. Im Übrigen hätten einige Kommunen zum Personalstand und den Fallzahlen keine Angaben gemacht. An der Umfrage hatten 139 von insgesamt 186 Ämtern teilgenommen.

Die Umfrage zielte auch darauf ab aufzuzeigen, wie vielen Verdachtsfällen zu sexuellem Missbrauch die Jugendämter nachgehen müssen und wie hoch die Arbeitsbelastung in den Abteilungen der jeweiligen Städte sind. Laut WDR offenbarte die Erhebung, dass es bei der Arbeit im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) der Jugendämter große regionale Unterschiede gibt: In Rösrath waren es 2018 insgesamt 101 Fälle pro Planstelle, in Erkelenz 18 Fälle, in Wermelskirchen 40 Fälle.

Ist ein Kind gefährdet, vernachlässigt und besteht der Verdacht des Missbrauchs, greifen verschiedene Schutzmaßnahmen des Jugendamtes – zum Beispiel die sogenannte Inobhutnahme: Da zieht das Jugendamt die Reißleine, um die Kinder zu schützen: Sie werden aus der eigenen Familie herausgenommen und in Pflegefamilien oder in einer stationären Einrichtungen untergebracht – kurzzeitig oder dauerhaft. „Das geschieht bei einer Gefahrensituation für Kinder, in der mildere Mittel wie ambulante Hilfen nicht mehr ausreichen“, erläutert Barbara Frank.

Auslöser für eine Inobhutnahme kann Verwahrlosung sein, wie sie bei manchen Hausbesuchen offenbar wird, häusliche Gewalt, Missbrauch oder massiver Drogenkonsum der Eltern. 2018 griff das Jugendamt zehn Mal zu dieser Schutzmaßnahme, vier Kinder waren unter 14 Jahre alt. Frank: „Das ist immer ein Spagat für die Jugendämter, nicht zu früh und nicht zu spät zu reagieren. Denn für die Kinder ist eine Inobhutnahme ein gravierender Einschnitt.“

Daher sei es wichtig, dass die Jugendämter gute, erfahrene Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst haben. Bis es zu einer anderweitigen Unterbringung komme, haben andere Unterstützungsmaßnahmen im Vorfeld wie Haushaltstraining und Stärkung der Erziehungskompetenz nicht zum gewünschten Erfolg geführt. „Es gab auch Eltern, die um eine Inobhutnahme gebeten haben, weil sie sich überfordert gefühlt haben“, berichtet die Pädagogische Leiterin des Jugendamtes.

Die Kinder und Jugendlichen werden in Pflegefamilien untergebracht, die besondere Voraussetzungen mitbringen müssen. 2018 lebten 35 Kinder und Jugendlichen in solchen „Ersatzfamilien“. Darüber hinaus gab es 37 Fälle, in denen die Minderjährigen in Einrichtungen und Heimen betreut wurden, einer im Ausland. Einige Kinder wurden in einem Jahr mehrmals untergebracht.

Besonders sensibel müsse das Wermelskirchener Jugendamt mit Verdacht auf Kindesmissbrauch umgehen. Vier Verdachtsfällen in drei Familien gingen die Mitarbeiter im vergangenen Jahr nach, zwei Kinder wurden aus den Umfeld herausgenommen. „Der Verdacht hat sich aber nicht erhärtet“, bilanziert Barbara Frank. Hilfestellung im Umgang mit solchen Verdachtsfällen bekommt das Jugendamt von der Ärztlichen Kinderschutzambulanz in Remscheid.

Auf der Wunschliste des Jugendamtes stehen: Eine ausreichende Anzahl an Bewerbern, die qualifizierte Fachkräfte sein müssen und ein Runder Tisch mit Polizei und Familiengericht, um in Härtefällen Hilfen für die Kindern auch gegen den Willen der Eltern durchsetzen zu können.

Mehr von RP ONLINE