Wermelskirchen: Herrenloser Koffer - Rathaus geräumt

Sprengstoffexperten geben Entwarnung: Verdächtiger Koffer – Wermelskirchener Rathaus geräumt

Sprengstoffexperten rückten am Dienstag zum Rathaus an. Am späten Nachmittag erwies sich das gefundene Gepäckstück als ungefährlich – in dem Koffer befand sich Geschirr.

Die Erleichterung war allen anzumerken, die am späten Nachmittag im Foyer des Bürgerzentrums versammelt waren. Polizisten, Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die angerückten Sprengstoffexperten des LKA und Bürgermeister Rainer Bleek erfuhren aus erster Hand, dass der herrenlose Koffer im Foyer ungefährlich war. Er war einfach nur vergessen worden.

Eine Frau mittleren Alters erklärte der Runde in gebrochenem Deutsch, dass sie ihren Koffer suche. Sie habe ihn gegen Mittag im Rathaus abgestellt, weil sie etwas zu erledigen hatte und das Gepäckstück „an einem sicheren Ort“ deponieren wollte. In dem Koffer sei nur Geschirr.

Dass er so viel Aufregung aufgelöst hatte, war ihr sichtlich unangenehm. Arne Feldmann, Leiter des Ordnungsamtes, versuchte sie zu beruhigen und appellierte: „Keinen Koffer irgendwo abstellen.“ Die LKA-Beamten blieben gelassen. Solche Fehlalarme scheinen sie zu kennen. Gegenüber der Presse wollten sie sich nicht äußern.

Die Mitarbeiter mussten das Gebäude verlassen und versammelten sich vor dem Hintereingang. Foto: RP/Marc Latsch

Für die Wermelskirchener war solch ein Alarm eine neue, ungewohnte Situation. Alles deutete zunächst auf einen Ernstfall hin, der an Vorfälle in Flughäfen und Bahnhöfen erinnert: Einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes fiel auf, dass sich niemand um einen im Foyer abgestellten Koffer kümmerte und informierte ihren Chef, Arne Feldmann. Bürgermeister Bleek und Hauptamtsleiter Jürgen Scholz wurden hinzugezogen. Sie schauten sich daraufhin die Videoaufzeichnungen aus dem Rathaus-Foyer an. „Zu sehen war eine Person, die den Koffer abstellte und dann daran herumhantierte“, beschrieb Feldmann. Es entstand der Verdacht einer Gefahrenlage. Die Verwaltungsspitze entschied, die Polizei einzuschalten.

„Wir haben unsere Experten für die Entschärfung von Spreng- und Brandvorrichtungen gerufen. Sie entscheiden vor Ort, was sie mit dem Koffer unbekannten Inhalts machen“, sagte Kreispolizeisprecher Richard Barz auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Polizei sperrte das Gebäude weiträumig ab.

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung wurden evakuiert und fanden sich zunächst am Sammelplatz hinter dem Rathaus ein. Die Stimmung war gelassen. Viele fuhren nach Hause, andere kamen für die Zeit der Räumung in der Feuerwache Am Eickerberg unter. Die Mitarbeiter kennen den Alarm und die Abläufe, weil sie die Räumung in regelmäßigen Abständen üben. „In zwei, drei Minuten war das Rathaus leer“, sagte Hauptamtsleiter Jürgen Scholz.

Die Nebeneingänge des Gebäudes ließ die Verwaltung schließen, nur der Haupteingang blieb geöffnet. Immer wieder wiesen die Polizisten Bürger zurück, die noch etwas im Bürgerzentrum erledigen wollten. Mit dem Ernstfall, einem Sprengstoff-Attentat, rechnet in Wermelskirchen wohl kaum jemand. „Ich arbeite hier seit 1977. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählte Scholz. Auch Arne Feldmann erinnert sich nicht an ähnliche Vorfälle. Nur an diesen: 2015 war nach Karneval in der Schwanenhalle ein verdächtiger Rucksack mit piepsenden, tickenden Inhalt aufgefallen. Auch dieser entpuppte sich als harmlos. Weil am Dienstag neue zugewiesene Asylberwerber in Wermeslkirchen eingetroffen waren, habe man zunächst vermutet, dass jemand sein Gepäckstück im Foyer vergessen habe. Dies bestätigte sich aber nicht.

Am Dienstag harrten die Beteiligten rund anderthalb Stunden in Ungewissheit aus. Just als die Sprengstoffexperten aus Düsseldorf im Rathaus eingetroffen waren, trat die Kofferbesitzerin an die Flatterband-Absperrung an der Telegrafenstraße und sprach die Polizisten an. Sie müsse ins Gebäude, dort stehe ihr Koffer.

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