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Wermelskirchen: Helfende Hand beim Wocheneinkauf

60 Minuten im Ehrenamt : Helfende Hand beim Wocheneinkauf

Manfred Groß engagiert sich für den Senioren- und Behinderten Service (SUBS). Damit unterstützt er jede Woche Susanne Beckmann.

Susanne Beckmann hat eine Einkaufsliste geschrieben. Drogeriemarkt, dann Lebensmittel und noch ein kurzer Stopp bei der Post: Heute gibt es viel zu tun. Alleine wäre die 54-Jährige aufgeschmissen, denn sie ist nicht mehr gut zu Fuß und braucht den Rollator. Einkaufstaschen tragen? Das ist undenkbar für die Wermelskirchenerin.

Deswegen drückt sie ihre Liste frohen Mutes Manfred Groß in die Hand. Der hat gerade vor der Haustür geparkt, schleppt gerne, ist gut zu Fuß und um keinen flotten Spruch verlegen. Und weil Susanne Beckmann ihren Wocheneinkauf nicht ganz aus der Hand geben will, hier und da noch Dinge entdeckt, die der heimische Haushalt gebrauchen kann und der Einkauf auch eine gute Gelegenheit ist, um rauszukommen, machen sich Manfred Groß und Susanne Beckmann gemeinsam auf den Weg.

„Das ist für mich keine große Sache“, sagt der 78-Jährige, „und für sie eine große Hilfe.“ Die beiden liefern sich fröhlich einen Schlagabtausch nach dem anderen, machen erst am Drogeriemarkt und an der Post Halt und gehen dann einkaufen. Seit fünf Jahren sammelt Manfred Groß die Wermelskirchenerin inzwischen einmal in der Woche zum Einkaufen ein. „Das war ein Glücksfall“, sagt sie. Damals sorgte die Krankheit für erste körperliche Einschränkungen.

Zeitgleich dachte Manfred Groß über ein Ehrenamt nach. „Seit 15 Jahren sitze ich im Rat“, erzählt er, „die Wermelskirchener wählen mich. Und da dachte ich: Mensch, du musst da noch mehr für zurückgeben.“ Und weil er der praktische Typ sei, habe er sich nach einem entsprechenden Einsatzgebiet umgeschaut. Ein paar Anrufe später, saß er mit Susanne Beckmann und dem damaligen SUBS-Vorsitzenden Klaus Förster an einem Tisch. „Ich wusste, dass ich nicht der Richtige bin für Gesellschaftsspiele oder einen Spaziergang“, sagt Groß heute. „Aber Einkaufen, das konnte ich mir gut vorstellen.“

Weil Susanne Beckmann genau diese Unterstützung brauchte, wurden die beiden ein Team. „Das klappt gut“, sagen sie, als sie wieder im Auto sitzen. Die 54-Jährige ist erschöpft von dem Ausflug, Manfred Groß hat alle Einkäufe in den Tüten verstaut. Zwei Stunden hat der Einkauf gedauert. „Und ich habe für diese Woche jetzt erstmal alles erledigt“, sagt Susanne Beckmann. Für Manfred Groß ist es genau der Zeitaufwand, der für ihn ins Programm passt. „Ich mache das gerne und nehme mir diese Zeit einfach“, sagt er.

Beim Senioren- und Behinderten Service seien überwiegend Rentner im Einsatz, ergänzt er. Ihnen falle es häufig wohl leichter, sich Zeit zu nehmen. „Aber jeder bestimmt selber, was er einbringen kann und will“, ergänzt Groß. Während viele Kollegen im Ehrenamt ebenfalls Begleitdienste übernommen haben, setzen sich andere im Besuchsdienst ein. Sie kommen auf ein Gespräch, ein Buch, ein Spiel oder einen Kaffee vorbei. Auch praktische Hilfen bietet der SUBS an. Dann gehe es darum, Glühbirnen einzuschrauben oder andere kleine Handreichungen zu erledigen, sagt Christiane Beyer von der Stadt. Auch Formularlotsen sind für den SUBS im Einsatz, um Menschen im Alter oder mit Behinderung beim Schriftverkehr zu helfen. Weder Pflegediensten noch Handwerkern soll Konkurrenz gemacht werden. „Es geht darum, auf einer persönlichen Ebene der Vereinsamung entgegen zu wirken“, sagt Christiane Beyer.