Wermelskirchen hat die Wahl: gelbe Tonne oder weiterhin gelber Sack?

Stadt Wermelskirchen kann einen Wunsch äußern: Gelbe Tonne oder weiterhin gelber Sack?

Erstmals kann die Stadt sagen, welche Art der Verpackungs-Entsorgung sie bevorzugt. Das ermöglicht das neue Verpackungsgesetz. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Die Entscheidung ist dann aber Verhandlungssache.

Einmal im Monat stapelt sich an den Straßenrändern in Wermelskirchen Müll: Am Tag der Abfuhr – oder einen Tag davor  stellen die Anwohner die gelben Säcke auf den Bürgersteig. Teilweise sind es ganze Berge, die sich mit den entsorgten Leichtverpackungen auftürmen. Bis Ende 2019 wird dies auch so bleiben. Aber ab 2020 könnte Wermelskirchen das System wechseln, wenn es gewünscht und in Verhandlungen mit den Anbietern des Dualen Systems auch machbar ist. „Sie haben die Wahl zwischen gelbem Sack oder gelber Tonne. Das ist aber nur ein Wunschzettel“, sagte Burkhard Rösner, Geschäftsführer des Bergischen Transportverbandes, in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

Zum Hintergrund: Durch das neue Verpackungsgesetz, das am 1. Januar in Kraft tritt, ändern sich die Zuständigkeiten. Nur noch die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger sind für die Aufgaben rund um die Entsorgung zuständig, dürfen die Rechtsbeziehung zu den Dualen Systemen weiterführen. Bisher hat der in den 90er Jahren gegründete Zweckverband BTV als Interessenvertreter aller Kommunen die Angelegenheiten  mit dem DS Grüner Punkt geregelt. Nun soll das Mandat neu vergeben werden.

In den 20 Kommunen innerhalb des Zuständigkeitsbereichs des BTV sind bisher alle drei Varianten der Leichtverpackungs-Abfuhr vertreten: Zwei Kommunen haben die Gelbe Tonne eingeführt. „Sie möchten diese Art der Entsorgung auch nicht mehr missen“, sagte Burkhard Rösner. In fünf Kommunen wird ein Mischsystem praktiziert. Das heißt, die Bürger können zwischen gelbem Sack und gelber Tonne wählen. „Das Chaos schlechthin. Eine Fortführung wird nicht möglich sein. Der Mix ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, kommentierte der BTV-Geschäftsführer. Und der Rest, zu dem auch Wermelskirchen zählt,  hat das Sack-System.

Einen Rat, welches System das bessere sei, gab Burkhard Rösner den Politikern nicht mit auf den Weg. „Das ist eine Glaubenssache. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile.“ Was allerdings nicht möglich sei, ist, dass der Abfuhrhythmus des Verpackungsmülls kürzer ist als bei der Restmüllentsorgung, das heißt, eine wöchentliche Abfuhr von gelben Säcken oder Tonnenleerung wird es nicht geben.

Was sich ändern müsse, falls die gelber-Sack-Entsorgung beibehalten wird, sei die Qualität der gelben Säcke, betonte Rösner. Es gab immer wieder Beschwerden über die hauchdünnen Plastiksäcke, die schnell aufplatzen, so dass der Müll herausfällt und über die Straßen geweht wird – was nicht nur unhygienisch ist, sondern auch Ratten und Ungeziefer anlockt.

Um den Kommunen die Entscheidung über ihre Empfehlung zu erleichtern, hat der BTV eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der beiden Systeme erstellt. Auf der Plusseite der Gelben Tonne steht die einfache Befüllung, sie ist hygienischer, die Straßen bleiben sauberer und sie wird nur einmalig verteilt.

Beim Gelben Sack steht auf der Plusseite, dass kein  Platzbedarf für das Aufstellen von weiteren Tonne besteht, dass es weniger Fehlwürfe gibt, dass sie schnell und einfach eingesammelt werden können und dass einfach mehr Säcke rausgestellt werden können, wenn mehr Verpackungen anfallen. Die Zwischenlagerung gilt als einfach.

Für die Dezembersitzung des HuF werde es dazu eine Vorlage geben, kündigte Kämmerer Dirk Irlenbusch an. Eine Empfehlung werde die Verwaltung nicht aussprechen. Und er machte deutlich, dass es abzuwarten bleibt, ob der von der Politik geäußerte Wunsch umgesetzt werden kann. Nachdem in allen Kommunen im Rheinisch-Bergischen und im Oberbergischen Kreis entsprechende Beschlüsse gefasst wurden, werden diese dann mit dem privaten Systembetreiber verhandelt. „Welche Abfuhr dann tatsächlich zum Zuge kommt, wird sich erst dann zeigen“, teilte Irlenbusch auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Dirk Wartmann (WNKUWG) regte in der Sitzung nochmals eine Bürgerumfrage an. Bereits zu Jahresbeginn hatte die Fraktion vorgeschlagen, dass die Wermelskirchener die Wahlmöglichkeit haben sollten. Die Verwaltung solle beauftragt werden, eine Umfrage auf der städtischen Homepage und über die Medien und sozialen Netzwerke zu starten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, für welche Sammelmöglichkeit (gelbe Tonne oder gelber Sack) sich die Mehrheit der Bürger ausspricht, lautete der Antrag. Doch der Stadtverwaltung erscheint der Aufwand zu hoch. Und es könnten falsche Erwartungen geweckt werden, sollte sich tatsächlich ein eindeutiges Votum für ein Abfuhr-System herauskristallisieren.

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