Wermelskirchen: Hans Georg Lesnick reitet seit 56 Jahren als Hans Muff

Montagsinterview Hans Georg Lesnick : Hans Muff reitet seit 56 Jahren

Hans-Georg Lesnick (78) erzählt, wie er zum „Schatten des Nikolaus“ wurde und warum er nicht aufhören kann.

Herr Lesnick, freuen Sie sich auf Ihren diesjährigen Auftritt als Hans Muff?

Hans-Georg Lesnick Wenn das Wetter mitspielt, dann ist das schon etwas, worauf ich mich freue. Wir mussten aber auch schon mal wegen starken Schneefalls zu Fuß gehen, weil wir mit den Fahrzeugen nicht auf die Straßen kamen. Dann ist das schon nicht ganz so schön.

Welcher Charakter gefällt Ihnen persönlich besser – der Nikolaus oder sein Begleiter?

Lesnick Der Nikolaus ist bei uns ja redegewandter, deshalb habe ich mich lieber für seinen Begleiter im Schatten entschieden. Ich war mit meiner Rolle sehr zufrieden – und bin es immer noch.

Warum heißt der hierzulande eigentlich Hans Muff?

Lesnick Laut Chronik gibt es den Nikolausumzug seit 96 Jahren, und so lange ist auch der Hans Muff dabei. Ich weiß nicht wirklich, woher der Name kommt.

Und was genau ist seine Aufgabe?

Lesnick Die Aufgabe von Hans Muff ist es, ein möglichst böses Gesicht zu ziehen, damit die bösen Kinder wissen, dass auch der Nikolaus Bescheid weiß. Dazu kommen ein paar Drohgebärden, aber Rute hat der Hans keine, die gehört dem Nikolaus.

Wie würden Sie ihn beschreiben?

Lesnick Nun, er ist schwarz angemalt und nicht besonders freundlich. Hin und wieder wurde ich aber auch als „der fröhlichste Hans Muff seit Jahren“ bezeichnet. Denn je nachdem, mit welchen Vergehen ihrer Kinder die Eltern zum Nikolaus kommen, kann man sich ein Schmunzeln oder Lachen auch nicht unterdrücken.

Sie haben ihn 1963 erstmals gespielt – wie kam es eigentlich dazu?

Lesnick Der ehemalige Leiter Tego Oberhof vom damaligen Einzelhandelsverband hatte am Schwanenplatz ein Fotogeschäft. Dort habe ich meine Bilder immer zum Entwickeln hingebracht. Wir hatten damals auch schon unsere Pferde. Er hat uns damals angesprochen, dass es doch diese schöne Tradition der Nikolausumzüge gegeben habe, die in den vergangenen Jahren ein wenig eingeschlafen sei. Er hat meinen Freund, den leider schon verstorbenen Hans Hermann Jaeger, und mich dann gefragt, ob wir das nicht in die Hand nehmen und fortführen wollten. Ja, und dann ist es bis zum heutigen Tag dabei geblieben…

Und warum wollten Sie damals nicht der brave Nikolaus sein?

Lesnick Hans Hermann Jaeger war damals schon in der Kommunalpolitik tätig und konnte einfach besser reden. Der Nikolaus musste ja auch mit den Kindern reden, da war er einfach besser. Deswegen haben wir das so aufgeteilt.

In 56 Jahren als Hans Muff ist bestimmt einiges Kurioses passiert. Was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Lesnick Bei den Umzügen ist eigentlich nie was passiert, abgesehen von Wetterkapriolen vielleicht – wir haben schon Eis gehabt, und 2010 war so viel Schnee, dass wir nicht fahren konnten, damals musste sogar der Weihnachtsmarkt am Sonntag kurzfristig geschlossen werden. Interessant waren dann eher die Besuche bei Freunden und Bekannten, die wir nach dem Umzug noch zu Hause besucht haben. Da hatten sich etwa die Kinder oft unter dem Sofa und hinter den Schränken versteckt, als wir kamen, so dass die Eltern sie erst einmal hervorziehen mussten.

Wie anstrengend ist der Umzug für die begleitenden Pferde?

Lesnick Der Nikolaus hat sein Pferd, und ich das meine. Eigentlich sollte der Nikolaus auf einem Schimmel reiten – aber wesentlich wichtiger als die Farbe des Fells ist es, dass die Tiere zuverlässig sind. Sie müssen mit dem Lärm, dem Verkehr und den vielen Menschen umgehen können. Es gibt ja die Musikkapelle, die Kinder singen, der Posaunenchor spielt – da müssen die Tiere routiniert sein. So etwas kann man auch nicht trainieren, das muss man anhand der Persönlichkeit und des Wesens des Tieres abschätzen können. Mit meinen Brüdern hatte ich lange Jahre in Wermelskirchen einen Stall mit mehreren Pferden. Und da wusste ich immer: Den kannst du mitnehmen, den lieber nicht. Es waren meistens Pferde mit einer gewissen Routine, die wir selbst schon lange kannten, die wir auch geritten sind und denen so ein Trubel nicht ganz neu war

Waren Sie für Ihre Kinder auch immer der Hans Muff?

Lesnick Die haben mir eher beim Schminken zugeguckt und waren dann damit vertraut. Sie sind aber immer im Umzug mitgelaufen, das schon.

Wie lange wollen Sie den Hans Muff noch geben?

Lesnick Seit dem 50. Umzug habe ich mir jedes Jahr wieder geschworen: Diesmal war das letzte Mal! Im vorigen Jahr habe ich dann allen gesagt: Jetzt ist Schluss. Aber dann ist Henning Conrads zu mir gekommen und hat mich doch noch einmal überredet.

Haben Sie schon einen Nachfolger im Blick?

Lesnick Es ist vor allen Dingen schwer, Männer zu finden, die reiten können. Denn es ist tatsächlich schon so, dass die Kinder ganz schnell merken, wenn da eine Frau auf dem Pferd sitzt. Meine Tochter hat mich mal beim St.-Martins-Umzug vertreten, weil es Terminschwierigkeiten gab. Das hat sich dann bei den Kindern ganz schnell herumgesprochen, dass da ja „nur ein Mädchen“ auf dem Pferd sitzt. Da hatten sie dann irgendwie nicht so viel Respekt. Ich habe derzeit tatsächlich keinen Nachfolger im Blick, habe zwar verschiedene Leute angesprochen, aber bis jetzt noch ohne Erfolg.

Was bedeuten Ihnen selbst und Ihrer Familie der Advent und Weihnachten?

Lesnick Die Advents- und Weihnachtszeit ist mir als stille Zeit schon sehr wichtig. Meine Frau und ich haben zwar keine Enkelkinder, aber zu Weihnachten kommen unsere Kinder dann zu uns und wir feiern gemeinsam.

Bekommen Ihre Pferde nach dem Umzug eigentlich auch ein besonderes Leckerchen?

Ob Hans Georg Lesnick auf dem 15-jährigen Wallach Pamukkale reitet, wird kurzfristig am 7. Dezember entschieden. Fotos: Weitzdörfer/Moll. Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Lesnick Nein, das machen nur die kleinen Mädchen. Die Pferde werden nach dem Umzug gestreichelt und geklopft, wenn sie es gut gemacht haben, und dann sind die auch zufrieden.

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