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Wermelskirchen: Handel und Handwerk brauchen Hilfe

Blickpunkt Wirtschaft in Rhein-Berg : Handel und Handwerk brauchen Hilfe

Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, Marcus Otto, appelliert an Kunden und Banken, damit die lokale Wirtschaft die Corona-Krise übersteht.

Beinahe täglich ändert sich für Handel und Handwerk aktuell die Grundlage zum Arbeiten. Das dynamische Geschehen der Corona-Krise stellt viele vor große Herausforderungen. Deshalb herrscht bei der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land ein erhöhter Beratungsbedarf.

„Die Situation im Handwerk ist ernst, viele Chefs machen sich große Sorgen“, betont der Hauptgeschäftsführer der Kreishand-werkerschaft, Marcus Otto. „Derzeit nutzen am häufigsten Friseure, Bäcker und das Kraftfahrzeug-Handwerk unser Beratungsangebot“, sagt er. Der Grund ist klar: Geschlossene Salons und eingebrochene Geschäftsbereiche durch die kontaktreduzierten Maßnahmen.

Die Situation im Baugewerbe hin-gehen sei noch nicht ganz so kri-tisch. Die Auftragslage hier sei glücklicherweise nur teils rückläu-fig. Nach der Verordnung des Landes NRW zum Schutz vor Neuinfizierung können Handwerker mit Vorkehrungen zum Schutz weiterhin Aufträge bei Kunden vor Ort auf den Baustellen durchführen. Direkte, enge Zusammenarbeit der Kollegen sollte möglichst vermieden und der notwendige Abstand eingehalten werden. Außerdem sollten die Beschäftigten möglichst in kleinen, dauerhaften Teams bleiben.

Dennoch haben einige Handwerker Aufträge vorsorglich abgesagt beziehungsweise verschoben. Darüber habe auch die Kreishandwerkerschaft Kenntnis, sagt Otto. Dieser Entschluss diene dazu, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen.

Neben dem Thema Schutz für Mitarbeiter und Kunden treiben die Mitglieder vor allem auch betriebswirtschaftliche Fragen, etwa zum Thema Kurzarbeit und Soforthilfe, um. Eine überwiegende Zahl der Mitgliedsbetriebe habe bereits Kurzarbeit beantragt, bestätigt Otto. Die Anträge für NRW-Soforthilfen für Kleinunternehmer können seit Freitag gestellt werden. Das bereitgestellte Geld wird reichen, ist sich Otto sicher. Es komme aber darauf an, dass die Betriebe „durch den engen Flaschenhals durchkommen“. Doch dafür müssen auch die Banken mitziehen. „Hier habe ich Sorge und sehe die Gefahr, dass die Kreditbewilligung durch die Banken zu lange dauert“, sagt er.

Handel und Handwerk fordern, dass die Förderbank KfW für 100 Prozent des Ausfallrisikos bürgen soll. Nach aktuellem Entwurf der Bundesregierung soll die KfW jedoch nur 90 Prozent des Kre-ditrisikos übernehmen. Den Rest muss dann die Hausbank tragen, die eine eigene Bonitätsprüfung vornehmen muss. Das dauert zu lange, betont Otto und appelliert an die Banken: „Seien Sie so offen, wie Sie es verantworten können.“

Einen Appell zur Unterstützung von Handel und Handwerk richtet Otto, der auch Geschäftsführer des Handelsverbands NRW-Rheinland ist, ebenfalls an die Kunden selbst: „Bleiben Sie dem Handel und Handwerk in Ihrem Ort treu. Sie brauchen Ihre Unterstützung! Kaufen Sie lokal und nicht bei den Internetgiganten!“

Viele Betriebe und Einzelhändler sind nach wie vor über Telefon, per E-Mail oder ihre Social Media-Kanäle erreichbar, liefern auch bis vor die Haustüre. Eine andere Möglichkeit der Unterstützung ist der Kauf eines Gutscheines, den man zu einem späteren Zeitpunkt einlösen kann – ähnlich dem Prinzip eines Prepaid-Guthabens wie beim Handy – nur eben auf die lokale Wirtschaft adaptiert. Das geht nicht nur beim Einzelhändler, sondern auch genauso gut beim Friseur, Bäcker oder auch beim Raumausstatter oder Elektriker. Wer es finanziell ermöglichen könne, solle darüber nachdenken und so die heimische Wirtschaft unterstützen.

Denn: „Liquidität ist das größte Gut, um durch diese Krise zu kommen. Sicherlich verschieben sich zum Teil die Einnahmen, doch im Vordergrund steht derzeit vor allem die Situation jetzt – und die gilt es zu meistern“, sagt Otto.