Wermelskirchen: Gustav Dellmann und die Brautradition

Vortrag beim Wermelskirchener Geschichtsverein : Gustav Dellmann und die Brautradition

Es dauerte fast 100 Jahre, bis in Wermelskirchen wieder eine Brauerei entstand, deren Arbeit über ein reines Hobby hinaus geht.

Die einen erzählen von seiner stattlich-strengen Erscheinung, andere berichten von seinem willens- und durchsetzungsstarken Charakter. Wieder andere davon, dass er sich nie zu schade war, für Projekte zugunsten „seiner Schäfchen“ emsig die „Klinken zu putzen“. Unter dem Strich wird es eine Mischung aus allem sein, die Pfarrer Gustav Dellmann, geboren 1849 in Essen und gestorben 1914 in Wermelskirchen, zur Legende und zum Paten des von den Wermelskirchenern mit stolz getragenen Spitznamens machte.

Den Überlieferungen nach sind die Erfinder der Bezeichnung „Dellmänner“ für Wermelskirchener die Remscheider Nachbarn gewesen und meinten das gar nicht so positiv, wie es die Wermelskerker heutzutage aus ihrer Warte sehen. „Der negative Beiklang stirbt langsam aus“, sagt Meinhard Felbick, der gerne als „Bürgermeister von Elbinghausen“ bezeichnet wird. „Belege für die Gründe zu dieser Namensgebung durch die Remscheider gibt es keine. Meine Theorie ist, dass die einfach nur neidisch waren.“

Die Brauerei August Küpper an der Dhünner Straße. Foto: BGV-Archiv/Ernst

Vor 25 Besuchern hielt Felbick mit seinem Sohn Simon einen Vortrag in der 2016 gegründeten „Dellmann‘s“-Brauerei in Elbringhausen, von der Simon Felbick einer von fünf Betreibern ist. Ihr Thema: Gustav Dellmann, die Brautradition in Wermelskirchen und die Fortsetzung derer durch „Dellmann‘s Bräu“. Eingeladen hatte die Abteilung Wermelskirchen des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) um deren Vorsitzenden Volker Ernst, der mit Meinhard Felbick die Idee zu der Veranstaltung entwickelt hatte.

Die Brauerei auf der Eich. Foto: Brauerei Robert Küpper Eich/BGV-Archiv/Ernst

Vor allem die von der Bergischen Morgenpost initiierte „Taufe“ der B51n („Dellmannstraße“) rief den Namen des Pfarrers wieder ins Gedächtnis, erinnerte Meinhard Felbick. Damals in 2005 machten sich Lothar Kellermann und Hans-Werner Biesterfeld daran, im Kirchenarchiv nach Informationen über das Leben und Wirken von Gustav Dellmann zu suchen – fündig wurden sie unter anderem in einem ausführlichen Bericht von Karl Dünhof, der Konfirmand bei Dellmann war und später selbst Pfarrer wurde.

„Der Vortrag, den Biesterfeld mehrfach hielt, ist bis heute die ausführlichste Basis, auf die ich mich ebenso stütze“, sagte Felbick. Dass es nahezu 100 Jahre dauerte, bis in Wermelskirchen wieder eine Brauerei entstand, deren Arbeit über reines Hobby hinaus geht, darauf wies „Dellmann‘s“-Brauer Simon Felbick hin.

Seinen Recherchen zufolge gab es bis in die Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg (1905 bis 1910) noch Einträge im Bürgermeister-Register, die „von mittelmäßigen Geschäften“ einer Hausbrauerei eines Herrn Leuffen am Standort des heutigen „Alten Brauhauses“ sprechen. „Die Entwicklung war überall ähnlich: Die Eisenbahn ermöglichte den Transport großer Biermengen, wodurch kleinere Brauereien vom Markt verdrängt wurden“, berichtete er.

Vorgänger von Betreiber Leuffen war Johann Wilhelm Küpper, dessen Vorfahre Wilhelm August Küpper die erste in Wermelskirchen bekannte Brauerei in einem Gutshof, heutiges Restaurant „Bergischer Löwe“, gründete. Dessen Söhne Arnold und Friedrich Küpper zogen 1866 mit der Brauerei an die heutige Dhünner Straße um und verkauften sie später an Richard Hennessen, der 1915 Konkurs anmeldete. „Damit endete das Brauereiwesen in Wermelskirchen bis Mitte der 2000er Jahre als Hans-Willi Soll sein Brauhaus am ‚Bügeleisen‘ eröffnete und später wir ‚Dellmann‘s Bräu‘ gestartet haben“, unterstrich Simon Felbick.

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