Wermelskirchen: Grünen-Fraktionsvorsitzender wünscht mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt

Verkehrsberuhigung und bewirtschafteter Parkraum : Stadt braucht mehr Aufenthaltsqualität

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen plädiert für eine Verkehrsberuhigung auf der Telegrafenstraße.

Erinnerungen an die Jugendzeit werden wach, wenn Stefan Janosi durch seinen Wahlbezirk 6 geht: Er liegt mitten in der Stadt. „Hier gibt es viele Kristallisationspunkte der Politik“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen, der im Stadtzentrum seine Jugend verbrachte – zum Beispiel im „Audi-Max“, einem Jugendcafé, das damals von der älteren Generation als „Sündenpfuhl“ beschimpft wurde, wie Janosi schmunzelnd bemerkt. Der Treffpunkt der jungen Generation hat heute einen Nachfolger, das „Juca“. „Hier und am Markt war der Treffpunkt der Schüler“, erinnert er sich. Dort habe auch der auffällige Turm-Kiosk gestanden, der nun als architektonische Besonderheit im Freilichtmuseum Lindlar aufgebaut ist.

  „Dass dieses Schmuckstück entfernt wurde, ist sehr schade. Überhaupt sind bei der Innenstadt-Gestaltung in den 60er Jahren viele Fehler gemacht worden. Schöne, alte Häuser wurden abgerissen“, sagt er. Fast wie ein Film im Zeitraffer scheinen die Veränderungen vor seinem inneren Auge abzulaufen. Stefan Janosi kennt die Innenstadt-Entwicklung seit Jahrzehnten. Die Eltern hatten 1952 mit viel unternehmerischem Mut ein Geschäft für Damenoberbekleidung gegründet: an der Kölner Straße 48, wo heute das Geschäft „Holzwürmchen“ hochwertiges Spielzeug anbietet. In dem Schieferhaus mit dem Ladenlokal im Parterre lebt heute noch seine Mutter. Später kam ein zweites und drittes Geschäft hinzu, letzteres wurde mit Livemusik einer „Beat-Band“ eröffnet. „Das war damals ganz außergewöhnlich“, sagt Janosi.

„Die Kölner Straße war damals die Haupteinkaufsstraße“, sagt der Grünen-Politiker, der auf dem Rundgang immer wieder von Passanten gegrüßt wird. Und schnell zählt er durch: „1,2,3,...14  – es gibt auch heute noch mehr Läden auf dieser Meile als auf der Telegrafenstraße.“ Die Neueröffnungen wie die des Unverpackt-Ladens und des neuen Weinladens deutet er als gutes Zeichen, dass die Geschäftslage „Kölner Straße“ nach wie vor begehrt ist  –  trotz einiger Leerstände. „Manchmal liegt das am zu hohen Mietzins“, sagt er. „So etwas wie die Marktpassage mit dem dunklen Fußgängerdurchgang würde man heute nicht mehr bauen.“ Derlei Fehler ließen sich vermeiden, wenn Bürger an Planungen beteiligt werden. Das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept für die Innenstadt (IEHK) böte dazu eine Chance, es könne Wermelskirchen nach vorne bringen.

Dann schwenkt der Fraktionsvorsitzende auf die Themen um, die den Grünen sehr am Herzen liegen. Das Parken in der Innenstadt wollen sie umkrempeln. „Wir sind für eine Bewirtschaftung des öffentlichen Parkraums in der Innenstadt, dabei sollten auch die privaten Betreiber einbezogen werden“, sagt Janosi. Parken soll gebührenpflichtig werden, Parkautomaten für öffentliche Stellplätze sollen aufgestellt und einheitliche Gebühren eingeführt werden. Ein Wunschtraum wäre ein Parkleitsystem, das über eine interaktive App funktioniert und Fahrer zu freien Stellplätzen führt.

Die Telegrafenstraße solle für den Durchgangsverkehr unattraktiver werden: durch Verschwenkungen der Fahrbahn, Asphaltkissen, Begrenzung auf Schrittempo und eine Abriegelung. In Höhe der Sparkasse/Straße an der alten Feuerwache solle die Straße gesperrt werden. „Der damalige Test mit der Sperrung ist viel zu früh abgebrochen worden“, erinnert Janosi an den Versuch. Mit einer Verkehrsberuhigung habe man mehr Möglichkeiten, die Aufenthaltsqualität durch Begrünung, mehr Plätze und Stadt-Mobiliar zu verbessern. Er sei überzeugt, dass dies auch im Sinne der Geschäftsleute wäre.

Die spitze Einmündung zur Telegrafenstraße könnte man ein Stück kappen, um den gegenläufigen Radverkehr auf der Telegrafenstraße zu erleichtern. Foto: Solveig Pudelski

Die Grünen plädieren für den gegenläufigen Radverkehr auf der Telegrafenstraße. Dazu solle ein Radwegstreifen markiert werden. Das Argument, Radfahrer seien an der Einmündung am Eiscafé Venezia beim Einbiegen gefährdet, lässt Janosi nicht gelten. Den spitzen Winkel am Ende der „Terrasse“ könne man entfernen, ohne dass die Außengastronomie eingeschränkt werde. Bei Begegnungsverkehr „Bus – Radfahrer“ hätten Verkehrsteilnehmer mehr Platz, die Ecke wäre entschärft. Im Zentrum des Wahlkampfes der Grünen stehen 2020 die Themen Klimaschutz und Mobilitätswende.  „Das Mobilitätskonzept des Kreises ist gut, aber wir müssen es konkret auf Wermelskirchen runterbrechen“, sagt Janosi und schwingt sich nach dem Rundgang auf sein Fahrrad.