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Wermelskirchen: Grüne Parzellen bedeuten Freiheit

Kleingärten in Wermelskirchen : Grüne Parzellen bedeuten viel Freiheit

In den Kleingärten am Drosselweg genießen die Menschen in der Corona-Krise die Zeit unter freiem Himmel – noch mehr als sonst. Hier falle einem nie die Decke auf den Kopf, sagt der Vorsitzende Rino Gieron.

Jolien (8) sitzt mit ihren Schulsachen auf dem Rasen. Irgendwo ist eine leise Säge zu hören, und der Duft vom Grill des Nachbarn liegt in der Luft. „Wir sind sehr froh, dass das Wetter so gut ist“, sagt Rino Gieron, der mit seiner Tochter im Garten sitzt. Die ganze Familie hat im Moment Osterferien. Aber Kontaktvorschriften und Reiseverbote beeinflussen in diesem Jahr die Urlaubsstimmung. „Da fällt einem zu Hause irgendwann die Decke auf den Kopf“, sagt der Vorsitzende des Kleingartenvereins Drosselweg, „deswegen sind wir jede freie Minute im Garten.“ Denn immerhin: Seit die Corona-Krise für geschlossene Geschäfte und Abstandsregelungen sorgt, scheint die Sonne. Und weil der Kleingartenverein am Drosselweg jedes Jahr Ende März das Wasser anstellt, kehren dann ohnehin die meisten der 38 Gartenbesitzer auf ihre grünen Parzellen zurück. „Im Moment sind aber wirklich ungewöhnlich viele Menschen in ihren Gärten“, sagt Gieron, „es geht uns eben allen ähnlich.“

Und damit meint der Vereinsvorsitzende nicht nur die idyllische Atmosphäre. „Hier ist auch keiner so richtig alleine“, sagt er, „denn wir unterhalten uns ja auch mal über den Gartenzaun hinweg.“ Und dann winkt er gut gelaunt seinem Nachbarn zu, der gerade die Grillwurst über das Feuer legt.

„Wir dürfen in diesen Zeiten viele Dinge nicht mehr“, sagt Gieron, „aber unsere Gärten bleiben uns nicht verwehrt, das ist viel wert.“ Zumal die Hobbygärtner im Frühling alle Hände voll zu tun haben. Jetzt werde aufgeräumt, sagt der Vereinsvorsitzende. Die Spuren des Winters werden entfernt, viele Kleingärtner nutzen die Tage zum Streichen, Schneiden und Reparieren. „Schade nur, dass wir unsere Grünabfälle gerade nicht abgeben können“, sagt Gieron, „wir behalten sie also fürs erste im Garten.“ Einige der Gartenparzellen sind im vergangenen Jahr an neue Kleingärtner übergegangen. In den Gärten wird in diesen Tagen gerackert, gebaut und vorbereitet. Auf insgesamt 12.743 Quadratmetern gestalten die Kleingärtner am Drosselweg ihre grünen Oasen. Die Anlage gilt als zweitgrößte ihrer Art in Wermelskirchen.

Arno Thomas fischt währenddessen nebenan die erste fertige Bratwurst vom Grill. „Garten bedeutet: Wir kommen raus“, sagt er. Seit 30 Jahren pflegt und hegt er seinen kleinen Garten und genießt die Stunden unter freiem Himmel. „Ein bisschen Geduld brauche ich jetzt noch“, sagt er, „pflanzen kann ich erst Mitte Mai.“ Bis dahin wünscht er sich ein bisschen Regen – am liebsten nachts. Die Vorräte seien sonst schnell aufgebraucht. Inzwischen stehen auf dem Holztisch vor der bunten, großen Gartenlaube Teller und Gläser, ein Salat und kalte Getränke: „Unser Garten hat in diesen Tagen für uns noch mal an Bedeutung gewonnen“, sagt Arno Thomas noch, bevor er sich an den Tisch setzt.

Ein paar Gärten weiter schraubt Christoph Weichert gerade an einer Gartenlampe. Was ihm der Kleingarten in diesen Zeiten bedeute? „Reichtum“, sagt er. Jede freie Minute verbringen er und Sohn Jack im Garten. Während der Elfjährige im Kletterbaum unterwegs ist, bereitet Christoph Weichert den Garten für den Sommer vor. „Den Zaun haben wir schon erneuert und gestrichen“, sagt er und deutet auf die neue, schmucke Grundstücksumrandung.

In Zeiten der Kurzarbeit und der Kontaktverbote sei es für die Familie ein großes Glück, im eigenen Garten an der frischen Luft sein zu können. „Und das bietet sich bei diesem Wetter ja auch an“, sagt er. Er hat noch den einen oder anderen Umbauplan für seinen Garten in der Schublade. Und ihm werde im Garten auch nie langweilig, sagt Jack – und dann beginnt er wieder in dem verasteten Baum zu turnen, während sein Vater zufrieden die neue Gartenlampe testet.