Wermelskirchen: Grüne Asche statt Kunstrasen

Pohlhausen: "Grüne Asche" bald Wirklichkeit

Seit Mitte April sind ehrenamtliche Helfer auf dem Tennenplatz im Einsatz, um die Vorarbeiten zu erledigen: Gräben ausheben, Leitungen verlegen. Denn im Frühsommer soll der Platz eingesät werden.

Der Schweiß rinnt. Denn die Sonne brennt auch am frühen Abend. Doch die beiden Jugendlichen und die Männer sind guter Dinge. Die Arbeit geht gut voran. Sie haben ein gemeinsames Ziel: Für ihren Verein Tura Pohlhausen die Grundlage zu schaffen, damit im Herbst auf Rasen gespielt werden kann. Damit vor allem die Jugend wieder eine Heimat findet und nicht abwandern zu Vereinen auch über den Eschbach hinaus, die auf Kunstrasen spielen.

Ede Panter, Volker von Polheim und Sohn Yannick schaufeln fleißig Sand. Foto: Teifel Udo

Einen Kunstrasenplatz wie in Höferhof - das war anfangs auch der Wunsch des Tura-Vorstandes. Denn die Konkurrenz spielt auf Kunstrasen. Realistisch aber musste der kleine Fußballverein einsehen, dass in absehbarer Zeit die Finanzierung nicht möglich war. Die Stadt ist einfach zu klamm, um mehrere Plätze zu finanzieren. Erst Dabringhausen in 2017, dann folgt das Eifgenstadion. Doch die Pohlhausener blieben nicht untätig. Sie schauten sich in der Region um und entdeckten "Grüne Asche" - damit wird die Nutzbarkeit eines Kunstrasens erreicht und hat die Vorteile eines Naturrasens.

Foto: Teifel Udo

Druck wurde laut Tura-Geschäftsführer Dirk Hohlmann auf Stadt und Politik gemacht, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Mit Erfolg. "Grüne Asche" wird als Alternative zum Kunstrasen gesehen. Das Projekt wurde angegangen, mit der Stadt der Überlassungsvertrag geschlossen.

Eine Rasenanlage, so Dirk Hohlmann, erfordere eine intensive Pflege und Bewässerung. Wasser aus dem Wasserhahn kann sich Tura nicht erlauben. 10\.000 bis 20\.000 Liter bei heißen Sommertagen könnten täglich benötigt werden. Darum wurde zuerst gebohrt. Zum Start dann gleich eine Hiobsbotschaft: Der Bohrer stieß unweit des Umkleidegebäudes auf Schiefer. Als kein Wasser. Ein Wünschelrutengänger hatte jedoch noch einen zweiten Ort ausgemacht - auf dem Parkplatz neben dem Vereinsheim. Da wurde gebohrt und eine Quelle getroffen: Eine Ergiebigkeit von sechs Kubikmeter die Stunde ist ausreichend. Dort werden zwei Zisternen zu je 10\.000 Liter gebaut; wobei auch Oberflächenwasser genutzt wird.

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Seit diesem Tag wird zugepackt. Rentner Hohlmann ist fast jeden Tag auf dem Platz - als Ansprechpartner, Organisator, Einweiser. Die Gräben rund um und einmal durch die Platzmitte wurden mit einem Bagger ausgehoben. "Die vorhandene Altdrainage wurde durchgespült, damit wir dann wissen, welche Teile noch nutzbar ist." Das war wichtig, denn der Platz wurde 1986 errichtet, und Pläne gibt es nicht. So wurden auch Sickerschächte entdeckt, die künftige weiter genutzt werden. Die Leitungen für die 17 "Beregner" sind bereits verlegt worden; jetzt kommt noch die Drainage. Die Beregner werden elektrisch gesteuert - sie sind verteilt am Rand und auf dem Platz und werden das Wasser auf den Platz sprühen.

Sattelschlepper haben inzwischen mehrere Ladungen Lavagestein angeliefert, das als letzte Schicht in die Gräben gefüllt wird. Das alles muss verteilt werden - eben von Ehrenamtlichen. 40 bis 50 Helfer packen mit an, erzählt Hohlmann, über eine WhatsApp-Gruppe wird der Einsatz kooordiniert.

Das etwa zehn Zentimeter starke Tennenmaterial wird später von einer Spezialfirma aufgelockert. Sand wird untergearbeitet und noch mal ein Tennenmaterial. "Dann kommt das spezielle Rasengemisch aus Substrat und Kompost", sagt Hohlmann. Wann das soweit sein wird, ist unklar. "Da spielt das Wetter mit." Der Vorteil des Tennenplatz ist: Man spielt auf Rasen, hat aber einen festen Untergrund. Das heißt: Nach Regen kann man eher wieder auf dem Platz spielen als bei Naturrasen. "Das ist dann wie ein Teppich", strahlt Hohlmann.

Der Fortschritt der Arbeiten ist stark wetterabhängig. "Wir hatten bisher Glück", erzählt Hohlmann. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei gut. Klar sei: Die 150\.000 Euro seien kein Geschenk. "Wir sehen das als Win-Win-Situation. Wir übernehmen Pflege und Reparaturen. Vielleicht kommen wir mit 4000 Euro im Jahr aus, es kann aber auch teuer werden, wenn Reparaturen anstehen. Das muss der Verein dann aus eigenen Mitteln finanzieren." Aber soweit denkt der Geschäftsführer nicht. Die Arbeit an diesem Abend ist früher beendet. Schnell ein Blick auf die WhatsApp-Gruppe. Denn heute, Samstag, 9\.30 Uhr, geht es weiter. Spätestens im Oktober soll der Platz bespielbar sein.

(RP)
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