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Wermelskirchen: Gottesdienst feiern unter freiem Himmel

Gemeindeleben in Wermelskirchen : Gottesdienst feiern unter freiem Himmel

In den Wermelskirchener Stadtteilen Eipringhausen und Tente treffen sich die Evangelischen Gemeinden in Coronazeiten auf der Wiese zum Gottesdienst. Dort wird auch wieder gesungen, weil das Risiko geringer sein soll.

Ulrike Zdrenka blickt am Sonntagmorgen noch etwas skeptisch zum Himmel. „Hoffentlich bleibt es trocken“, sagt die Küsterin im Gemeindehaus in Eipringhausen. Sie hat bereits Kaffee gekocht, Tassen und Kannen bereitgestellt. Gleich tauchen die ersten Helfer zum Aufbauen auf.

Jeden Sonntag um 8 Uhr sind die Ehrenamtlichen im Einsatz, um die große Wiese für den Gottesdienst vorzubereiten. „Wir sind schon viel schneller geworden als am Anfang“, sagt Presbyterin Regina Schöneweiß lachend. Bei den ersten Auflagen des Freiluftgottesdienstes nach dem Lockdown brauchten die Ehrenamtlichen noch anderthalb Stunden für die Vorbereitung. Inzwischen sitzt jeder Griff: Stühle und Bänke finden ihren Platz auf dem Asphalt, ein kleiner Anhänger wird auf die Wiese gerollt, auf dem der Altar mit Kerzen, Bibel und Kreuz seinen Platz finden. Ein Techniker sorgt für die richtige Akustik. Das Klavier wird auf den Hof gebracht. Um kurz vor neun kommen dann die ersten Besucher – in den Sommerferien findet der Gottesdienst in Eipringhausen traditionell alle zwei Wochen und 45 Minuten früher statt, weil der Pfarrer im Zweifelsfall im Anschluss in die Stadtkirche eilt.

An diesem Sonntag ist Pfarrer Jürgen Berghaus zu Gast. Und auch er wirft einen skeptischen Blick Richtung Himmel. Jeder Besucher wird registriert. Desinfektionsmittel steht bereit und bis zum Platz müssen Masken getragen werden. „Das ist alles etwas umständlicher als sonst“, sagt Regina Schöneweiß, „aber es ist die einzige Möglichkeit, wie wir hier in größerer Runde feiern können.“ Wolle die Gemeinde nämlich im Gemeindehaus den Mindestabstand von anderthalb Metern einhalten, könnten höchstens 20 Personen einen Platz finden.

Also entschied sich der Bereichsausschuss – ebenso wie im Bezirk Tente – früh dafür, die Gottesdienste fürs erste unter freiem Himmel zu feiern. Meistens findet auch der Posaunenchor mit abgedeckten Instrumenten einen Platz auf der Wiese. Weil das Wetter an diesem Sonntag nicht richtig mitspielen will, verzichtet das Vorbereitungsteam auf Bänke. Die Stühle füllen sich schnell – die Besucherzahlen sind nicht zurückgegangen. Rudi und Etti Preyer lauschen jeden Sonntag von ihrem Auto am Rand der Wiese. „Wir gehören zusammen, auch in diesen Zeiten“, sagt Besucherin Erika vom Stein, als sie Platz nimmt. Sie genieße es sehr, dass die kleine Gemeinde in Eipringhausen wieder ihren Zusammenhalt spüren könne. „Das hat uns in den Wochen sehr gefehlt, als es keinen Gottesdienst gab“, sagt sie.

Inzwischen singen die Gottesdienstbesucher auch wieder– weil das unter freiem Himmel deutlich weniger gefährlich sein soll als in geschlossenen Kirchen, in denen die Protestanten weiterhin auf den Gesang verzichten.

An diesem Morgen bleibt es in Eipringhausen trocken – wie bisher an allen anderen Sonntagvormittagen auch. Pfarrer Berghaus legt den Talar ab. Er freue sich, dass die Evangelische Kirchengemeinde in Wermelskirchen in Coronazeiten so viel Kreativität an den Tag lege, sagt er. Inzwischen spielt die Gemeinde mit dem Gedanken, auch nach Corona regelmäßig zu Gottesdiensten unter freiem Himmel einzuladen. „Das ist eine schöne Atmosphäre“, sagt Regina Schöneweiß. Deswegen will der Bezirk nun auch in eigene Technik investieren.