Wermelskirchen: Gott und den Menschen dienen

Neue Küsterin in Wermelskirchen : Gott und den Menschen dienen

Die Pfarrgemeinde in Grunewald hat eine neue Küsterin gefunden: Sandra-Virginie Baldeweg kümmert sich seit Anfang des Monats um St. Apollinaris. Aus Überzeugung.

Manchmal setzt sich Sandra-Virginie Baldeweg auf die Stufen vor das Tabernakel und blickt in den Altarraum. „Dann unterhalte ich mich ein Weilchen mit Jesus und dann geht’s weiter“, sagt die 50-Jährige. Es sind wertvolle Momente der Ruhe und des Friedens, die Sandra-Virginie Baldeweg in der kleinen Kirche in Grunewald erlebt. Und sie weiß sie zu schätzen. Anfang des Monats hat sie das Küsterinnenamt in St. Apollinaris übernommen – und damit auch eine Frage der Gemeinde beantwortet, die lange offen geblieben war. Im Juni vergangenen Jahres hatte die Küsterin gekündigt, Stellenausschreibungen waren erfolglos geblieben und damit die Messen überhaupt weiter stattfinden konnten, war ein ehrenamtliches Team eingesprungen.

Dann zog Sandra-Virginie Baldeweg nach Grunewald. Und als sie die kleine Ortschaft bei Dabringhausen googelte, da entdeckte sie nicht nur die katholische Kirchengemeinde, sondern auch die Stellenanzeige. „Ich hatte mir immer so eine Aufgabe gewünscht“, sagt die gelernte Arzthelferin und Industriekauffrau. Kirchen seien für sie schon immer ein feierliches Zuhause gewesen. Und dann erinnert sie sich an ihre Kindheit in Witzhelden – damals, als sie noch evangelisch war, aber bereits ihre beste Freundin in die katholische Kirchengemeinde begleitete. „Kakao, Kuchen, Krippenspiele und Comics“, sagt sie, „so sahen unsere Jugendnachmittage aus.“ Und sie genoss es, in Gemeinschaft über Gott, Jesus und die Welt zu sprechen.

Als sie ihren Eltern als Kind verkündete, sie wolle nun konvertieren, luden sie beide Pfarrer des Ortes ein – den evangelischen und den katholischen. „Ein gutes Gespräch“, erinnert sich Sandra-Virginie Baldeweg. Aber trotzdem empfahlen die Eltern, den Übertritt zum Katholizismus noch ein bisschen zu verschieben. „Beichten ging ich trotzdem“, erzählt sie lächelnd, „und als erstes sagte ich dem Pfarrer immer: Ich bin evangelisch und beichte trotzdem.“ Der Glaube wurde ihr wichtig.

Es gehe nicht um Wissen, sondern um Glauben, stellte sie fest. Und: „Jesus und Gott sind meine Freunde.“ Als junge Erwachsene konvertierte sie dann und als sie über Umwege schließlich nach Grunewald kam, lag die Suche nach der Gemeinde nahe. „Dass ich dann gleich Küsterin wurde, hat mich ganz happy gemacht“, sagt sie und lacht dieses offene, freundliche Lachen.

Nun ist sie in den Vorbereitungen der Messen also die rechte Hand des Pfarrers. Sie programmiert den Glockenschlag, zündet Kerzen an, legt Gewänder, Bücher und Abendmahlsgeschirr bereit. Sie begleitet Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen. Und sie schaut nach dem Rechten. Neulich hat sie Wachsflecken entdeckt, da ist sie kurzerhand nachhause geeilt, hat das Bügeleisen geholt und hat die Flecken weggebügelt. Sie finden Antworten auf Fragen – so wie Küster das machen. „Das Team hat mir beim Einstieg sehr geholfen“, sagt sie und erinnert sich an die erste Hochzeit, für die sie die Glocken programmierte. „Da war ich richtig aufgeregt“, sagt sie. Ein bisschen kribbelig fühlt sich die neue Verantwortung manchmal noch an, aber Baldeweg ist bereits angekommen in ihrer neuen Kirche. Manches kennt sie aus der Gemeindeerfahrung, anderes hat sie von ihren Vorgängern gelernt, vieles hat sie sich angelesen. Im Januar beginnt dann ein Lehrgang für Küster in Aachen, den sie besuchen wird.

Wer sie nach den schönsten Momenten ihres neuen Amtes fragt, der sieht, wie ihr Blick respektvoll durch die Kirche wandert. „Das ist der Moment, wenn die Messe vorbei ist“, sagt sie. Wenn es wieder ruhig ist in der Kirche, wenn sie die Kerzen löscht und neue Tischdecken bereit legt. „Das sind auch die Momente, in denen ich mich noch kurz zu Jesus setze“, sagt sie. Und dann erzählt Sandra-Virginie Baldewang ihm von ihrem Glück, diese Aufgabe gefunden zu haben – die nur mit 5,5 Stunden in der Woche und keinem großen Honorar versehen ist. „Aber ich mache das nicht wegen des Geldes, das ist mir nicht wichtig“, sagt sie, „ich will Gott und den Menschen dienen.“

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