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Wermelskirchen: Goldschmied Achim Koch erzählt über seine Arbeit

Goldschmied aus Wermelskirchen : Jedes Schmuckstück ist ein Unikat

Der Beruf des Goldschmieds ist beliebt, er dürfte einer der wenigen Handwerksberufe mit Warteliste sein. Achim Koch erzählt über das Besondere seiner Arbeit.

Herr Koch, seit wann sind Sie Goldschmied?

Achim Koch Ich habe meine Ausbildung von 1981 bis 1985 in Solingen gemacht. Von 1986 bis 1989 habe ich die Meisterschule in Köln besucht und mit der Meisterprüfung abgeschlossen. Seit 1992 bin ich in Wermelskirchen selbstständig. Damals gab es noch die Regel, dass man nach der Gesellenprüfung ein paar Jahre als Geselle arbeiten musste, um Erfahrungen zu sammeln. Erst dann konnte man die Meisterschule besuchen. Als Geselle habe ich in Wermelskirchen gearbeitet, war bei meinem Vater angestellt.

Was war für Sie der Grund, diesen Beruf zu erlernen?

Koch Nun, mein Vater war auch Goldschmied, insofern war da eine gewisse familiäre Vorbelastung durchaus gegeben. Und ich bin quasi in der Werkstatt meiner Eltern großgeworden. Ich bin sozusagen in den Beruf hineingewachsen.

Was ist das Besondere an Ihrem Beruf?

Koch Es ist vor allem die große Abwechslung, die diesen Beruf so vielseitig macht. Im Grunde genommen gibt es zwar viele Abläufe, die theoretisch gleich sind – nehmen Sie das Beispiel der Reparatur von Schmuckstücken, denn jedes Schmuckstück ist unterschiedlich. Und daher ist auch jede – an sich vielleicht simple – Reparatur anders. Man muss sich mit dem Schmuckstück beschäftigen, Lösungen für die Probleme finden, und das fordert mich jeden Tag heraus und macht für mich den Beruf besonders. Auf der anderen Seite geht es auch darum, dass ich neue und schöne Schmuckstücke erschaffen kann. Ich beschäftige mich mit schönen Dingen. Aber das Schönste ist tatsächlich der Moment, wenn der Kunde glücklich mit seinem neuen – oder reparierten – Schmuckstück den Laden verlässt und zufrieden mit meiner Arbeit ist. Unsere Schmuckstücke werden eben auch in reiner Handarbeit von einem meiner Mitarbeiter - oder mir selbst – hergestellt. Das ist, denke ich, schon noch etwas anderes, als wenn man Ware „von der Stange“ verkauft, die man eben nicht selbst hergestellt hat.

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Haben Sie auch mit Nachwuchssorgen zu kämpfen?

Koch Ja – aber anders, als Sie vielleicht jetzt denken. Während es in den allermeisten Handwerksbetrieben so ist, dass es zu wenige Interessierte für Ausbildungsstellen gibt, ist es bei uns genau andersherum. Wir haben zu wenige Ausbildungsbetriebe für die Vielzahl an Bewerbern. Bei der Innung in Köln gibt es tatsächlich eine Warteliste.

Woran liegt das?

Koch Der Beruf war immer schon sehr begehrt. Meistens sind die Betriebe aber auch klein und haben nicht die Kapazitäten um auszubilden. Auch der Wegfall der Meisterpflicht war vielleicht nicht gerade die beste Idee. Denn heute kann sich jeder Geselle zwar selbstständig machen, hat dann allerdings nicht die Berechtigung, Nachwuchs auszubilden. Deswegen fällt hier schon mal ein Teil der Betriebe zumindest dafür weg. Unsere neue Verstärkung ist bei uns ausgebildet worden und hat im vergangenen Jahr die Gesellenprüfung bestanden. Somit sind auch unsere Arbeitsplätze belegt und ich habe schlicht keinen weiteren Platz für einen Auszubildenden. Über die vergangenen 30 Jahre habe ich aber immer wieder ausgebildet, insgesamt fünf junge Goldschmiede.

Mit welchen Rohstoffen haben Sie denn neben Gold zu tun?

Koch Neben Gold sind es Silber und Platin – und natürlich viele Edelsteine. Eine wirkliche Gewichtung gibt es nicht, es schwankt mit der Mode immer wieder. Im Moment verarbeiten wir viel Gelbgold, vor ein paar Jahren war es dagegen mehr Weißgold oder Silber.

Wie erschaffen Sie neue Schmuckstücke?

Koch Ich habe zum Beispiel einen Edelstein vorliegen. Dann überlegen wir uns, welches Schmuckstück mit diesem Stein entstehen könnte. Mache ich einen Ring oder einen Anhänger daraus? Das ist ein kreativer Prozess, für den wir oftmals skizzieren oder zeichnen. Auf der anderen Seite kommen auch Kunden mit konkreten Ideen und Wünschen, die ich dann versuche umzusetzen. Während des ganzen Jahres produzieren wir auch Schmuckstücke für unser Lager. Diese präsentieren wir in unseren Schaufenstern und Vitrinen.

Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zum fertigen Stück?

Koch Das kann man unmöglich sagen, weil jedes Schmuckstück anders ist.

Erstellen Sie ausschließlich Einzelstücke?

Koch Wir haben unsere Wermels­kirchener Stadtringe – von denen haben wir auch schon mehrere Hundert Stück hergestellt. Aber ansonsten sind es doch in der Regel Einzelstücke. Was aber auch daran liegt, dass jedes Stück, und wenn es noch so klassisch ist, immer etwas anders aussieht, weil es ja von Hand gefertigt wird. Unsere Kunden mögen das Individuelle an unseren Schmuckstücken. Das war vor einigen Jahren noch anders. Damals wollte man eher Stücke von Marken oder Labels, die dann eben auch naturgemäß ähnlich aussehen. Heute möchte der Kunde gerne ein Alleinstellungsmerkmal.

Kaufen Männer zu Valentinstag nach wie vor gerne Schmuck?

Koch Bei uns kommt es eher selten vor. Es gibt immer ein paar Nachfragen, aber wir machen tatsächlich jetzt keine speziellen Kollektionen oder Stücke. Ich weiß gar nicht, ob zum Valentinstag wirklich so viel Schmuck verschenkt wird – vielleicht eher Blumen oder Pralinen. Aber uns betrifft das tatsächlich fast gar nicht. Wir haben auch Schmuck mit Herzchen oder ähnlichen Motiven – dieser eignet sich natürlich prima für den Valentinstag, aber genauso für andere Tage und Gelegenheiten. Wir stellen nichts extra dafür her, aber im Schaufenster wird man das eine oder andere Stück für diesen Anlass finden.

Haben Sie schon mal Schmuck zu Valentinstag verschenkt?

Koch Ich glaube, ich habe noch nie etwas zum Valentinstag verschenkt...