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Wermelskirchen; Geigenunterricht mit dem Tablet

Corona-Krise in Wermelskirchen : Geigenunterricht mit dem Tablet

Viele Lehrer an der Wermelskirchener Musikschule unterrichten weiter – per Skype, Zoom oder mit kleinen Videos. Das Angebot wird von vielen Schülern auch gut angenommen, sagt Leiter David Hecker. Ihr Ziel: ein digitales Konzert.

Auf seinem Schreibtisch liegen Bratsche und Geige. In seiner Hand hält David Hecker sein Tablet. Ein paar Klicks, und auf dem Bildschirm erscheint das Gesicht seines Geigenschülers. Freitagsnachmittags treffen sich die beiden eigentlich in der Musikschule in den Bürgerhäusern auf der Eich zum Geigenunterricht. Aber seit die Musikschule wegen der Corona-Krise ihre Türen schließen musste, ist das nicht mehr möglich. Also unterrichtet David Hecker nun mithilfe von Skype. Während er mit Geige und Bratsche in seinem Büro in den Bürgerhäusern sitzt, stellen seine Schüler in ihren eigenen vier Wänden die Notenständer auf.

„Das klappt richtig gut“, sagt David Hecker. Er habe eine ganz neue Perspektive gewonnen. Und aus dieser Perspektive fallen ihm Dinge auf, die ihm bisher verborgen blieben. „Je nachdem, wie der Computer steht, sehe ich dann plötzlich aus einem neuen Winkel, wie jemand den Bogen hält“, erzählt er. Und er habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Schüler und er selbst sich durch die neue Situation noch mal ganz anders auf den Unterricht fokussieren. Viele der Musikschullehrer berichten in diesen Tagen von solchen Erfahrungen: Schüler wirkten ganz frisch und motiviert, weil kein langer Schulalltag hinter ihnen liege. Und: Familien seien dankbar für die Abwechslung.

Vorgaben hat David Hecker den Lehrern der Musikschule nicht gemacht, stattdessen hat er Empfehlungen rumgeschickt. Das Ergebnis: Viele Lehrer haben kreative Lösungen für ihren Instrumental- und Gesangsunterricht gefunden und ihre Schüler per E-Mail oder Anruf kontaktiert. „Chöre können natürlich nicht stattfinden“, sagt Hecker, „Gruppenangebote sind in den meisten Fällen nicht digital möglich.“ Aber Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sonst mit ihren Instrumenten in die Musikschule kommen, bekommen in den allermeisten Fällen trotzdem ein Unterrichtsangebot.

Ein Schlagzeuglehrer dreht für jeden seiner Schüler kleine Tutorials – Lehrvideos, die zum Nachmachen einladen. Eine Gesangslehrerin verschickt You-Tube-Links mit Unterrichtseinheiten und Melodien. Manche Lehrer versorgen ihre Schüler mit Notenmaterial und pädagogisch sinnvollen Links, um während der Corona-Krise am Ball zu bleiben. Und auch für die Kinder der Trommelgruppe an der Katholischen Grundschule gibt es inzwischen ein speziell gedrehtes Video, das sie zum Nachmachen einlädt.

„Die meisten Familien nehmen das Angebot an“, sagt Hecker. Das sei wichtig – für viele Kinder und Familien, aber auch für die Musikschullehrer. Viele würden auf Honorarbasis arbeiten und ihnen würden in diesen Tagen schon die Einnahmen von abgesagten Konzerten abhandenkommen. „Sie sind froh, wenn sie eine Möglichkeit finden, weiter zu unterrichten“, sagt Hecker. Und auch die Musikschule selbst sei angewiesen auf kreative Möglichkeiten, um den Betrieb am Laufen zu halten. „Wenn es auch nach Ostern keine Perspektive gibt, dann wird es knapp“, sagt Hecker. Also hoffen die Musiker – wie so viele andere Branchen – auf eine Entspannung der Situation und zeigen bis dahin digitalen Einsatz. Inzwischen wurde auch ein Angebot für die vielen Gruppen der musikalischen Früherziehung geschaffen: In einer digitalen Schatzkiste stehen ab sofort Arbeitsmaterialien, Ideen, Melodien, Videos und Links zur Verfügung – für die Musikküsse ebenso wie für die Grundschulkinder.

Und noch einen Plan hegt und pflegt der Musikschulleiter mit seinen Kollegen: Es soll ein You-Tube-Konzert geben. Alle Schüler, die mögen, können ein kurzes Handy-Video mit ihrem Beitrag einschicken, das Teil des You-Tube-Konzertes werden und für ein paar Stunden über das Internet abrufbar sein soll. Noch sei das Projekt in Planung – es gebe viele, auch rechtliche Fragen zu klären. „Aber wir sind alle motiviert, den Unterricht und die Musik auch in Corona-Zeiten am Leben zu erhalten“, sagt Hecker, „Lehrer genauso wie Schüler.“