Wermelskirchen: Gefahr durch Zecken nimmt bei Tieren zu

Gefährliche Parasiten : Gefahr für Tiere durch Zecken nimmt zu

Ein Zeckenbiss ist für Tiere nicht nur unangenehm, es drohen auch Krankheiten, deren Verbreitung zunimmt. Das sollten Tierhalter wissen, um ihre Vierbeiner vor den lästigen Parasiten zu schützen.

Spätestens im Frühjahr diesen Jahres war die Aufregung groß und sie in aller Munde: Hyalomma, die Riesenzecke. Aus den Trockengebieten in Südeuropa, Afrika und Asien war der bis zu zwei Zentimeter große Blutsauger eingewandert, hat wahrscheinlich in Deutschland überwintert und im August zum ersten Mal einen Mann in Nordrhein-Westfalen mit Fleckenfieber infiziert. Krankheitserreger sind das Problematische am Kontakt mit Zecken. Und Hyalomma, inzwischen in mehreren Bundesländern gesichtet, ist besonders gefährlich, weil sie auch das tropische Krim-Kongo-Fieber überträgt.

Gerade Hunde- und Katzenbesitzer sind alarmiert. Denn jeder weiß: Die Vierbeiner machen beim Spazier- oder Freigang nichts lieber, als durch genau die Büsche und Hecken zu streifen, in denen Zecken lauern. „Im Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt es hierzulande mittlerweile Insekten, die es vorher nicht gab“, erklärt das Veterinäramt des Rheinischen-Bergischen Kreises das Aufkommen der Riesenzecke. Hyalomma, die nicht nur auf Grashalmen lauert, sondern ihre Beute dank ihrer Größe sogar aktiv jagen soll, bevorzugt wohl eher große Warmblüter wie Menschen oder Pferde. Für Hunde und Katzen ist aber auch schon der Kontakt mit dem Gemeinen Holzbock, der hierzulande bekanntesten Zeckenart, risikoreich. Aber auch andere gefährliche Zeckenarten wie die Auwaldzecke und die Braune Hundezecke haben sich aus südlichen Ländern kommend in Deutschland verbreitet.

In der Regel gilt: Umso regnerischer es ist, umso weniger Zecken sind unterwegs. Da die Sommermonate der vergangenen Jahre besonders warm waren, wird Tierbesitzern empfohlen, die Tiere nach dem Freigang verstärkt abzusuchen, Zecken schnell zu entfernen und den Tierarzt zu konsultieren. Nicht jeder Zeckenbiss macht krank: Eine Zecke muss etwa 16 bis 24 Stunden Blut saugen, damit sie Keime übertragen kann. Und auch dann bricht nicht automatisch eine Krankheit aus. Katzen erkranken seltener als Hunde, aber werden unter Umständen von Juckreiz und Entzündungen geplägt.

Hunde werden nicht nur deutlich häufiger von Zecken befallen als der Mensch, sie können auch andere Krankheiten bekommen. Neben (Lyme-)Borreliose und der Viruserkrankung Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann der Hund auch an Anaplasmose, an Ehrlichiose und an Babesiose erkranken.

Uta Schmitt ist Tierärztin in Wermelskirchen. An ihren vierbeinigen Patienten stellt sie fest: Das Problem mit den Zecken nimmt zu. Der Riesenzecke Hyalomma ist sie zwar noch nicht begegnet. „Allerdings treten Krankheiten wie Babesiose und Ehrlichiose, die vorher nur durch Reisen nach Süd- oder Osteuropa eingeschleppt wurden, nicht massenhaft, aber gehäuft auf“, sagt sie. Babesiose etwa galt bis in die 1970er Jahre noch als reine „Mittelmeerkrankheit“, inzwischen gibt es Naturherde auch in vielen Regionen nördlich der Alpen. Ein Haustier mit Zeckenbiss untersuche sie mittlerweile auch routinemäßig im Hinblick auf diese Krankheiten.

Was können Haustierbesitzer also tun, um ihre Lieblinge zu schützen? Uta Schmitt hat darauf eine klare Antwort: „Ein guter Insektenschutz ist nicht mehr nur in den Sommermonaten, sondern lückenlos und ganzjährig notwendig“, sagt sie. Immer mehr Menschen greifen auf natürliche Alternativen zurück wie Kokos- oder Lavendelöl, deren Geruch die Zecke angeblich nicht mag. Schmitt glaubt aber nicht, dass natürliche Mittel einen hundertprozentigen Schutz leisten. Effektiver seien von der Pharmaindustrie entwickelte Präparate mit Substanzen, die Zecken nicht nur abtöten, sondern vorsorglich fernhalten. Auch wenn einige Tierbesitzer die Verwendung von chemischen Substanzen scheuen – das Risiko, dass das Tier nach einem Zeckenbiss ernsthaft und lebensbedrohlich erkrankt, schätzt Schmitt höher ein.

Bei chemischen Präparaten haben Tierbesitzer die Wahl zwischen Tabletten, die von innen wirken, und äußerlich aufzutragenen Spot-Ons oder Halsbändern. Vorsicht: Nicht jedes Präparat ist für das jeweilige Tier verträglich. Gegen einige Borreliose-Arten ist bei Hunden auch eine Impfung möglich.

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