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Wermelskirchen: Gastronomen hadern mit ausfallenden Feierlichkeiten

Lust auf Partys hält sich in Grenzen : Feiern erlaubt, aber keiner will zur Party

Private Feste dürfen aus „herausragendem Anlass“ wieder stattfinden. Bis zu 50 Personen können sich auf Hochzeiten, Geburtstagen oder Jubiläen gemeinsam freuen. Das Problem für die Gastronomen: Noch will niemand Feste feiern.

Auf die Plätze, Party, los? Seit die Corona-Maßnahmen für private Feiern Mitte Juni gelockert wurden, könnten jetzt bis zu 50 Gäste wieder bei Hochzeiten, Jubiläen oder runden Geburtstagen zusammen tanzen. Doch der Ansturm auf Restaurants und Hotels, die große Festlichkeiten in Wermelskirchen ausrichten, hält sich sehr in Grenzen. „Damit hat wohl auch keiner gerechnet“, sagt Christian Warnke, Inhaber vom Hotel „Zum Schwanen“. Die Gründe liegen für ihn auf der Hand: „Die Leute sind alle noch ein wenig ängstlich nach den vergangenen Monaten und wollen jetzt keine große Gesellschaft besuchen.“

Bis zu 100 Gäste kann er normalerweise in seinem Saal bewirten, der für das Frühjahr 2020 auch gut gebucht war. „Aber die Feiern, die hätten stattfinden sollen, mussten ja abgesagt werden und Ersatztermine sind derzeit nicht geplant.“ Jetzt setzt er auf die Zukunft: „Für September stehen noch einige Hochzeiten und Gold-Hochzeiten im Terminplan“, verrät Warnke. „Ich hoffe, dass es bis dahin weitere Lockerungen gibt, damit mehr Gäste zusammen feiern dürfen und die Feiern auch stattfinden.“

Auf den Herbst setzt auch Jens Hartmann, Küchenchef im Hotel „Zu den drei Linden“ in Dhünn. „Jetzt will noch keiner groß feiern“, bestätigt er aus seinem Betrieb. „Das ist für viele sicher auch eine Kostenfrage, weil durch Kurzarbeit das Geld fehlt“, sagt er. „Andere sind genervt, dass sie Mundschutz tragen müssen.“ Dieser darf am Tisch im Restaurant und auch bei privaten Feiern abgelegt werden, aber auf dem Weg in den Saal oder zur Toilette ist er Pflicht.

„Am Ende der Krise möchten wir alle noch am Markt sein. Dafür brauchen wir die Unterstützung unserer Gäste“, wünscht sich Christian Warnke, Inhaber vom Hotel „Zum Schwanen“. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Hartmann vermutet, dass deshalb auch der normale Restaurantbetrieb nur schleppend anläuft. „Es ist unterschiedlich, wie viele Gäste zum Essen kommen. Wir haben Platz für 60, aber zur Zeit freuen wir uns, wenn es mal 15 sind.“ Auch die Buchungen für seine Hotelzimmer sind um 80 Prozent zurückgegangen, fangen also den Umsatzverlust nicht auf. Aber: „Wenn wir hier noch Miete zahlen müssten, wäre es viel schlimmer.“

Als „wirtschaftlichen Totalausfall“ hakt Tobias Opitz das Jahr schon jetzt für das „Eventhaus Giebel“ ab. „Unserer Familie gehört das Gebäude und das hilft uns natürlich, die Krise zu überstehen. Aber wir kommen nicht ansatzweise auf das Ergebnis von 2019.“ Seine Location, die er zusammen mit Bruder Daniel betreibt, lebt von großen Hochzeiten und Feierlichkeiten mit bis zu 150 Gästen. „Von Mitte März bis Oktober sind wir normalerweise jedes Wochenende ausgebucht“, sagt er.

Tobias Opitz hofft auf weitere Lockerungen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Die aktuellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen findet Tobias Opitz zwar klasse, aber helfen tun sie ihm aktuell nicht wirklich. Denn: „Die meisten Hochzeiten, die bei uns gefeiert werden, sind für 80 bis 100 Gäste geplant. Wenn nur 50 erlaubt sind, müssen entweder liebe Freunde ausgeladen oder die Feier ganz verschoben werden“, sagt er. „Und wer lädt denn Gäste aus? Das macht niemand. Deshalb hoffen wir, dass bis September noch weiter gelockert wird.“

Noch einen Wunsch äußert Christian Warnke vom Hotel „Zum Schwanen“: „Ich denke, da kann ich für alle Gastronomen sprechen, wenn ich sage, dass wir die Unterstützung der Gäste brauchen“, appelliert er. Die Läden nach dem Lockdown wieder zu öffnen, sei nämlich nicht ungefährlich gewesen. „Wir haben alle die Kosten wieder hochgefahren ohne zu wissen, ob die Gäste auch kommen. Bei uns sind am Tag zwischen einem und zehn Tische besetzt. Für das Restaurant ist das schlimm.“

Trotzdem will er mit Blick auf andere Gastro-Betriebe nicht jammern. „In Köln werden ganz viele die Corona-Krise nicht überstehen. Und ich wünsche mir sehr, dass das in Wermelskirchen anders sein wird.“ Deshalb hält er sich an den Leitspruch eines früheren Chefs: „Der hat immer gesagt: ‚Klag nicht, kämpf.’“ Das beherzigt Christian Warnke: „Mir ist wichtig, dass wir am Ende der Krise noch mit allen Mitarbeitern an Bord am Markt sind.“