Wermelskirchen: Gartenbesitzerin ist besorgt, alle Vögel seien plötzlich verschwunden.

Wermelskirchenerin besorgt: Plötzlich keine Vögel mehr im Garten: Warum Singvögel aus Gärten verschwinden

Das Usutu-Virus bedroht die Amseln, zudem erkranken Vögel an Trichonomaden, sagt ein Nabu-Experte. Außerdem seien viele Vögel in der Mauser.

Reges Leben herrschte im Garten von Annette Mrozek am Budscheider Berg. Amseln stimmten den abendlichen Gesang an, Spatzen tummelten sich, Rotkehlchen suchten die Futterstelle auf, die die Wermelskirchenerin ganzjährig immer wieder auffüllt. „Doch am vergangenen Wochenende sind alle Vögel plötzlich verschwunden. Woran kann das liegen?“, fragte die besorgte Tierfreundin am Bürgermonitor dieser Zeitung nach. Vor allem die Amseln, die ihre Stammplätze im Garten hatten, vermisse sie. Schreitet das allgemeine Vogelsterben so rasch voran?

Für das Verschwinden gebe es vielerlei mögliche Gründe, nicht alle sie besorgniserregend, sagt Bernd Jellinghaus, Mitglied im Landesfachausschuss für Ornithologie und Vogelschutz. Zwei Krankheiten grassieren derzeit in Deutschland, sie könnten eine Ursache dafür sein, dass auch in Wermelskirchen Singvögel nicht mehr gesehen werden. Amseln werden vom Usutu-Virus bedroht. Außerdem seien zahlreiche Vogelarten möglicherweise von einen Erreger Trichonomaden befallen. „Dabei schwillt der Kropf an, der Vogel schüttelt häufig den Kopf, weil er das Gefühl hat, einen Fremdkörper im Hals zu haben“, erklärt Jellinghaus.

Deutlicher seien die Symptome beim Usutu-Virus: Amseln wirken apathisch, verlieren Federn, so dass sich Kahlstellen im Gefieder zeigen. In Norddeutschland raffte das Virus, das über bestimmte Stechmücken übertragen wird, bereits zahlreiche Amseln hin, es breitet sich aber auch in Nordrhein-Westfalen aus. In welchen Umfang, darüber habe der Nabu noch keinen Überblick. Ein Krankheitsfall im Rheinischen-Bergischen Kreis sei bestätigt, sagte Pressesprecher Alexander Schiele auf Nachfrage dieser Zeitung.

Der Nabu bittet Bürger daher, sich zu melden, wenn sie kranke Vögel beobachten. Vor zehn, zwölf Jahren grassierte das Virus nach Angaben des Nabu-Mitglieds bereits. Nach bisherigen Erfahrungen entwickeln nachfolgende Amselgenerationen genügend Abwehrstoffe, seien gleichsam immun gegen Usutu.

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Allerdings gibt es auch einen weniger dramatischen Grund für das „Abtauchen“ vieler Vögel. „Jetzt sind alle Vogelarten relativ ruhig, viele mausern sich jetzt“, berichtet der Fachmann. Weil sie derzeit schlechter fliegen können, steuern sie nicht die Futterstellen an, sondern suchen geschützte Verstecke auf, die sie in „aufgeräumten Gärten“ nicht finden, sondern eher in heimischen Sträucher und Büschen, die ihnen auch reichlich Nahrung bieten: Holunder, Weißdorn, Schlehen. Ab Mitte Oktober stimmen die Vögel in neuem Gefieder ihre Herbstgesänge an.

Heile Vogelwelt, hinsichtlich von den zwei Krankheiten? Diese Frage muss Bernd Jellinghaus verneinen. in den vergangenen Jahrzehnten sind die Bestände um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Zwar werde der Landwirtschaft gerne der Schwarze Peter zugeschoben, Fakt sei aber, dass auch Gartenbesitzer dazu beigetragen haben: durch den Einsatz von giftigen Mitteln gegen Unkraut und Schädlingen. „Gegen Blattläuse auf Rosen wird schnell gespritzt anstatt zu warten, bis der Sperling sie wegfrisst.“ Und weil das Unkrautjäten lästig erscheint, werden viele Vorgärten in Steinwüsten verwandelt, „wir nennen sie die ,Gärten des Grauens’, weil Vögel darin keine Nahrung mehr finden“, sagt Jellinghaus. Dabei seien gerade Gärten angesichts fortschreitenden Freiflächenschwunds wichtige Lebensräume für Vögel. Die Empfehlung des Nabu lautet daher, möglichst Blumenwiesen (-ecken) anzulegen und heimische, früchtetragende Pflanzen auszuwählen wie Schlehen, Holunder, Heckenrosen und Weißdorn. In Trockenzeiten rettet eine Vogeltränke manches Vogelleben.

Die Singvögel haben aber auch einen Feind auf vier Pfoten: Jährlich töten herumstreunende Katzen Millionen Exemplare.

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