Wermelskirchen: Firma Steinco baut 53 Stellen ab

Teilbereich der Dreherei wird geschlossen : Steinco baut 53 Stellen in Dreherei ab 

Auf einer Betriebsversammlung hat die Geschäftsführung die Mitarbeiter über die Sanierungsmaßnahme „Teilschließung der Dreherei“ und den mit dem Betriebsrat vereinbarten Interessenausgleich informiert.

Schlechte Nachrichten gab es am gestrigen Freitag, rund zwei Wochen vor Weihnachten, für einen Teil der Belegschaft der Wermelskirchener Firma  Steinco Paul vom Stein GmbH auf der Betriebsversammlung –  aber für viele auch die gute Botschaft, dass das Unternehmen gerettet ist, das heißt, dass andere Geschäftsbereiche unverändert weiterlaufen. Im Rahmen der Sanierung wird ein Großteil der Dreherei im Mai 2019 geschlossen. Insgesamt 53 Stellen werden abgebaut. Lediglich für den Eigenbedarf wird in dem Produktionsteil weiter produziert, 15 von 65 Mitarbeiter in der Dreherei behalten daher ihre Stellen.

Damit trifft die derzeitige Dieselkrise im Automobilbereich den Zulieferer mit voller Wucht. „Wir haben mit den Automobilherstellern keine Einigung über höhere Preise oder Abnahmemengen erzielen können, die einen profitablen Betrieb der Dreherei ermöglicht. Da die anderen Geschäftsbereiche die Verluste nicht ausgleichen können, mussten wir diesen Schritt nun gehen. Die Entscheidung, die niemandem unter den Beteiligten leicht gefallen ist, dient aber am Ende dem Erhalt des gesamten Unternehmens und muss umgesetzt werden“, erklärt Steinco- Geschäftsführer Paul-Frank vom Stein.

Die Versuche, für die Dreherei einen Investor zu finden, seien gescheitert. Von der Teilschließung sind 53 Mitarbeiter (einschließlich der sieben zeitlich befristeten Mitarbeiter) hauptsächlich in der Dreherei Werk Frohntalerstraße betroffen. Das Weihnachtsgeld wurde allen Mitarbeitern fristgerecht ausgezahlt. Inzwischen haben bereits zwei Mitarbeiter gekündigt. Die Mitarbeiter in der Dreherei können die restlichen Aufträge noch abarbeiten.

Die Geschäftsführung hat sich mit dem Betriebsrat über einen Interessensausgleich geeinigt. Um den betroffenen Mitarbeitern den Übergang in eine neue Beschäftigung zu ermöglichen, soll eine Transfergesellschaft mit bis zu sechs Monaten Laufzeit eingerichtet werden. Sie werde in einem Umkreis von zehn Kilometern angesiedelt, so dass den betroffenen Mitarbeitern lange Anfahrwege erspart bleiben, teilt Ralf Goss, Technischer Leiter Rollen und Räder, auf Nachfrage dieser Zeitung mit.  Die Transfergesellschaft bereitet die Mitarbeiter für einen neuen Arbeitsplatz beispielsweise durch Bewerbertrainings vor und versucht die Mitarbeiter in neue Stellen zu vermitteln. Er gehe davon aus, so Goss, dass die betroffenen Mitarbeiter angesichts des Fachkräftemangels gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, denn rund 70 Prozent der 53 Kollegen seien ausgebildete Facharbeiter.

Zukünftig wird sich Steinco ausschließlich auf Rollen und Räder sowie Schnellverschlusskupplungen konzentrieren. Der Bereich Rollen und Räder hat gerade erfolgreich auf der Medizinmesse MEDICA ausgestellt. Die neue Krankenbettenrolle Serie 568 mit niedriger Bauhöhe ist auf großes Kundeninteresse gestoßen, berichtet Vertriebsgeschäftsführer Michael Pesch. Schon jetzt sei absehbar, dass das Jahr 2018 für den Rollenbereich mit einer guten Umsatzsteigerung enden wird. Die Auftragsbücher sind voll, und der Jahresstart ist gesichert.

Steinco stellt Rollen, Räder, Drehteile und Schnellverschlusskupplungen für die Automobil- und Medizinbranche her. Das Traditionsunternehmen beschäftigt zurzeit rund 260 Mitarbeiter in den insgesamt vier Werken, drei davon in Wermelskirchen und eines in Dautphetal/Hessen. Die Bereiche Rollen, Räder und Schnellverschlusskupplungen werden unverändert fortgeführt.

Steinco hatte Ende August dieses Jahres beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf eine Sanierung unter Insolvenzschutz gestellt. Im November wurde das Verfahren weiterhin in Eigenverwaltung eröffnet. Mit dem Sanierungsverfahren nutzt Steinco die neuen Möglichkeiten der Insolvenzrechtsreform, die im März 2012 in Kraft trat. Danach bleibt die Geschäftsführung in einem solchen Verfahren unter Insolvenzschutz weiterhin im Amt und kann selbstständig Sanierungsmaßnahmen entwickeln, die anschließend in einen Insolvenzplan überführt werden.

Der Insolvenzplan zeigt die Entschuldung und Fortführung des Unternehmens auf. Nach einer gerichtlichen Überprüfung müssen sodann die beteiligten Gläubiger diesem Plan noch zustimmen.

Mehr von RP ONLINE