Stadtjubiläum in Wermelskirchen Festumzug sorgt für Gemeinschaft und Zusammenhalt

Wermelskirchen · Mehr als 3500 Menschen beteiligten sich am großen Festumzug zum Stadtjubiläum. In der ganzen Stadt machte sich ein Glücksgefühl breit, das auf tausende Besucher am Wegesrand überschwappte.

Festumzug zum Stadtjubiläum in Wermelskirchen
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Festumzug in Wermelskirchen strahlt in den Farben der Vielfalt

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Foto: Stephan Singer

Ursula Münch zupft ihr blaues T-Shirt zurecht. „Ich war schon vor 50 Jahren dabei, als wir 100-Jähriges gefeiert haben“, sagt die 86-Jährige, „und vor 25 Jahren beim Jubiläum.“ Da lasse sie sich diesen Festumzug doch nicht entgehen, erklärt sie und lacht gut gelaunt. Die Damen neben ihr stimmen fröhlich ein: „Die Stimmung, das Wetter: Alles passt“, sagt Marianne Manderla. Und dann klappert sie gemeinsam mit ihren Turnschwestern Helga Vomm und Angelika Walbrecht fröhlich mit den blauen Rasselhänden. Die Damen vom TuS warten auf den Startschuss des großen Festumzugs aus Anlass des Jubiläums „150 Jahre Stadtrechte Wermelskirchen“.

Insgesamt 76 Gruppen und mehr als 3500 Menschen haben sich angemeldet und finden nun nach und nach ihren Platz in der Aufstellung zwischen Schwanen und Autohaus Lambeck. Und so wie beim TuS herrscht an allen Enden und Ecken beste Stimmung. „Man kann gar nicht aufhören zu lachen“, sagt Ulla Buhlmann, die mit ihrem Team von der „Bergischen Apotheke“ teilnimmt, „und das scheint hier allen so zu gehen.“ Leija vom Kindergarten Wielstraße ist in ein Katzenkostüm geschlüpft. „Wir sind alle Tier“, sagt die Sechsjährige und deutet auf ihrer Freunde aus der Kita. Benno geht als Dino und Anton als Gorilla. Ohnehin sind viele Teilnehmer des Festzugs in Kostüme geschlüpft.

„Wir mussten nur den Schrank aufmachen und reingreifen“, sagt Sandra Reffelmann von den Löher Karnevalisten „Noh Löher bei Kölle“. Herausgekommen ist ein witziges Strandoutfit: „Plitsch-platsch, Löher Quatsch“. „Endlich laufen wir mal im Sommer in einem Festzug mit“, sagt Caroline Klimpel, „Karneval ist ja immer im Winter.“ Ohnehin haben die vielen Karnevalisten einen klaren Vorteil: Sie kennen sich bestens aus auf ihren Festwagen, sind bunt mit Kostümen ausgestattet und bringen Partystimmung mit – das gilt für die Dhünnschen genauso wie für die vielen engagierten Formationen aus Dabringhausen.

Um kurz vor zwölf wird es dann unruhig an der Zugspitze. Die drei Bürgermeister und der Landrat klettern auf den städtischen Wagen. Der Startschuss naht. „Sensationell. Es könnte gar nicht besser sein“, ruft Bürgermeisterin Marion Lück noch von ihrem Wagenplatz. „Bis hierher hat wirklich alles richtig gut geklappt“, sagt auch Hauptorganisator André Frowein vom Marketingverein „Wir in Wermelskirchen“ (WiW). Er lobt die gute Zusammenarbeit. Am Morgen seien alle Wagen abgenommen worden, der Bauhof kümmere sich gerade darum, die Strecke nochmal abzufahren.

Und dann, wenige Minuten nach 12 Uhr Uhr, gibt es grünes Licht. Walter vom Stein steigt auf den ersten Trecker: Der Marketingverein führt den Festzug an, auch Angelique und Tara Frowein finden ein Plätzchen auf dem Trecker. Vor ihnen fährt nur noch Ingo Mueller mit dem Feuerwehrauto. „Wir schubsen alle aus dem Weg“, sagt er, lacht und freut sich über die Ehre für die Feuerwehr. Tatsächlich macht sich Ingo Mueller bestens als Moderator im ersten Fahrzeug: „Wie geht es euch Wermelskirchen?“, fragt er hunderte Menschen am Straßenrand über den Lautsprecher. Die Masse auf den Straßen jubelt und sieht dann dem bunten Zug entgegen. Es geht langsam voran – vor allem an den Engstellen am Bermuda-Dreieck.

Hier haben auch Birgit Lehnert und Steffi Nitzschke ein Plätzchen gefunden – im Außenbereich des Eiscafés. „Einen Platz in der ersten Reihe“, stellen die beiden lachend fest. Seit anderthalb Stunden sitzen sie hier, trinken Kaffee und warten darauf, dass die Kinder an ihnen vorbeilaufen. „Die Stimmung ist super“, stellen sie gut gelaunt fest. Und dann haben sie keine Zeit mehr zum Reden, schließlich wollen Fotos gemacht werden. Währenddessen bewegt sich der Festzug langsam weiter zum nächsten Nadelöhr: der Kurve bei Café Wild. Ein Ensemble der Kirchengemeinde singt gerade das Heimatlied als vom Stein vorsichtig den Trecker um die Kurve manövriert.

Nach und nach finden die großen Wagen und die Fußgruppen den Weg zum Eier-Kreisel. Hier haben Carmen Putz, Doris Wantschura und Helga Gartz ein paar Stühle aus dem Keller geholt und sich einen Platz vor der Haustüre gesichert. „Da wollten wir dabei sein“, sagen sie. Und so geht es auch Hausarzt Harald Bergerhoff und Apotheker Manfred vom Stein, die sich gegenüber ein Plätzchen im ersten Stock des Gesundheitshauses gesucht haben und fleißig Bilder sammeln.

Der „Eier-Kreisel“ am Bügeleisen entpuppt sich als einer der schönsten Momente im Festumzug: Denn nach einer Weile begegnet sich der bunte Lindwurm an dieser Stelle – die ersten Gruppen auf dem Rückweg vom Busbahnhof, die anderen auf dem Hinweg. Der Jubel ist groß, die Teilnehmer feuern sich gegenseitig an. „Und es ist so schön zu sehen, was sich alle ausgedacht haben“, sagt Sabrina Ollig von der Stadtbücherei. Das Team hat sich das Motto „Lesen ist unsere Superkraft“ auf die Fahnen geschrieben und spaziert in Superhelden-Kostümen mit.

Tatsächlich haben sich die Gruppen überschlagen vor Kreativität – das gilt für die Kindergärten und für die Schulen, für die Sportvereine und für die vereinzelten heimischen Betriebe, für die große Gruppe der Feuerwehr, für Kulturschaffende und soziale Initiativen, für die Posaunenchöre. Riesige Gruppen und kleine Ensembles haben sich auf den Weg gemacht. Und am „Eier-Kreisel“ findet das große Aufeinandertreffen statt: Da wechselt Jenny Fox, die eigentlich mit der Laienspielgruppe Hünger mitläuft, plötzlich die Seiten und tanzt bei der Ballettschule Momo mit. „Ich hätte in vier Gruppen teilnehmen können“, erzählt sie und dann tanzt sie fröhlich weiter.

Und Marianne Manderla vom TuS entdeckt auf der anderen Seite des Kreisverkehrs den riesigen Wagen vom AJZ Bahndamm und verlässt kurz ihre Gruppe, um ihren Enkel zu umarmen. Das AJZ läuft am Ende des Trosses – hinter ihnen sind noch Tanzcorps und THW unterwegs. Auf dem riesigen Wagen, der wie alle anderen von Wagen-Engeln begleitet wird, spielt gerade die Band „„Skin Of Tears“ – und alle feiern mit, am Straßenrand und erst recht im Ziel-Einlauf auf der Telegrafenstraße. Das Glücksgefühl, das sich über die Stadt gelegt hat, scheint die Menschen über alle Grenzen hinweg zu verbinden.