Wermelskirchen: Familienbetrieb Posseik wechselt in den Online-Möbelhandel

Ein Showroom wird derzeit an Industriestraße eingerichtet : Posseik handelt jetzt online mit Möbeln

Das Familienunternehmen „Gustav Posseik & Söhne GmbH und Co. KG“ richtet sich neu aus und handelt mit Möbeln.

Ein alteingesessenes Familienunternehmen geht nach fast 100 Jahren neue Wege im digitalen Zeitalter: Aus der ehemaligen Posseik Möbelfabrik wird ein Online-Shop, der unter dem schlichten Titel „einfachgutemoebel.de“ firmiert. Firmenchef Horst-Jürgen Posseik möchte übers Internet Möbel in guter Qualität zu fairen Preisen anbieten: „Küchen-, Dielen- und Badmöbel, aber auch Regale, Matratzen und Betten“, skizziert er die Produktpalette in seinem Büro an der Industriestraße 8. Mutig, sich in einem heiß umkämpften Markt neu zu platzieren? Der Chef gibt sich sicher und gelassen, dass das Konzept aufgeht. Denn er kennt den Markt, die Preise, die Konkurrenz und deren mögliche Gewinnspannen genau, weil er früher auf der anderen Seite saß: auf der des Lieferanten.

„Ich mache jetzt eigentlich genau das, wovon ich immer geträumt habe: Möbel an private Kunden verkaufen. Von der Produktion wechseln wir in den Handel. Wir sind wieder da“, sagt der Sohn des Firmengründers Gustav Posseik, welcher einst als Schreiner anfing und später den Grundstein des Unternehmens legte.

Harte Jahre liegen hinter dem Familienbetrieb, in dem auch Tochter Melanie Andersen, Schwiegersohn Scott Andersen und Ilir Balidemaj (Immobilienverwaltung, Ein- und Verkauf) arbeiten. Enkel Simon macht im Betrieb einen Ferienjob. Wenn Horst-Jürgen Posseik von früheren Zeiten erzählt, legen sich Sorgenfalten auf seine Stirn. Große Möbelketten habe Posseik früher beliefert. „Als Lieferanten wurden wir sehr stark unter Druck gesetzt, die Preise wurden gedrückt. Da musste man ja fast Geld drauflegen“, sagt er.

Dann traten Lieferanten aus Polen auf den Markt. „Bei drei Euro Stundenlohn, die dort nur gezahlt wurden, konnten wir preislich einfach nicht mehr mithalten“, sagt Posseik. Als EU-Mitglied erhielt das Nachbarland Fördergelder, Einfuhrzölle gab es nicht. Bittere Jahre folgten. Die großen Maschinen, die Jahrzehnte für die Möbelproduktion liefen, mussten verschrottet oder verkauft werden. Früher wurden 20.000 Möbelteile am Tag produziert. 200 Mitarbeiter arbeiteten im Betrieb. Möbel Posseik wurde an einen Nachfolger übergeben. „Das tat weh“, räumt der Firmenchef ein.

Aber den unternehmerischen Mut hat er nicht verloren. Das große Plus des Familienbetriebs sind die eigenen Immobilien in Wermelskirchen, Remscheid und Köln. 30.000 Quadratmeter Fläche sind an Firmen wie Edeka, Tedi, Obi, Vorwerk und Otto Klimatechnik vermietet. Hinzu kommen 125 Wohnungen im Immobilien-Portfolio. „Diese stille Gewinnausrichtung hat sich bezahlt gemacht“, sagt Unternehmer Horst-Jürgen Posseik, der eher bescheiden wirkt.

Der Online-Handel ist bereits gestartet. Am Stammsitz an der Industriestraße wird derzeit ein Showroom eingerichtet. Die Kunden sollen sich Küchen-, Bad-, Dielen-, Esszimmer und Kleinmöbel anschauen und anfassen, auf hochwertigen Matratzen probeliegen können. Es gibt noch eigene Bestände, das Gros der Möbel stammt aber von Lieferanten aus Deutschland und Polen. „Wir kennen sie alle aus dem Einkaufsverband EKM“, versichert Horst-Jürgen Posseik. Das sei ein Vorteil, um gute Qualität zu fairen Preisen anbieten zu können. Ein weiterer sei, dass die Firma „einfachgutemoebel.de “ über eigene Handwerker verfüge, Schreiner und Fliesenleger, so dass ein Küchenaufbau in Eigenregie erfolgt.

Auch das Ausmessen der Küche wird von diesen Fachleuten erledigt. „Bei Küchen ist viel genormt, wir machen aber auch Sonderanfertigungen“, sagt der Firmenchef. Gekauft werde bei deutschen Küchenherstellern, „die Blöcke mit allen Geräten anbieten“, sagt Balidemaj. Küchen sind überhaupt das starke Standbein im Möbelhandel, 45 Prozent des Möbelumsatzes werde mit Küchen gemacht. Das lässt alle im Familienbetrieb optimistisch in die Zukunft blicken.

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