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Wermelskirchen: Fachkräftemangel in den örtlichen Kitas

Neue Probleme für Kindertagesstätten in Wermelskirchen : Fachkräftemangel in den örtlichen Kitas

Freie Stellen in den Kindertagesstätten können Stadt, Kirche und freie Träger nur noch schwer besetzen. Grund: Es fehlen die Bewerbungen. Diese Situation dürfte sich in der Zukunft noch weiter zuspitzen.

Gerade hat die Stadt eines ihrer dringlichsten Probleme so gut wie gelöst: Es gibt aktuell keine Warteliste für Kindergartenplätze. „Alle Kinder sind versorgt“, sagt Barbara Frank, Leiterin des Jugendamts. Allerdings braut sich dafür schon das nächste Problem im Kindergartenalltag zusammen: Das Personal fehlt. „Der Fachkräftemangel ist in den Kindertagesstätten angekommen“, hat Barbara Frank jüngst im Jugendhilfeausschuss erklärt. Eine Nachfrage im Rathaus ergab: 5,5 Erzieherstellen sind derzeit in städtischen Kindergärten unbesetzt, dazu kommen drei Vollzeit-Springerstellen, für die noch ausgebildete Erzieherinnen oder Erzieher gesucht werden.

„Um diesen Stellenvakanzen entgegenzuwirken, schreibt die Stadt die Stellen immer wieder aus“, erklärt Martina Breidenbach vom Haupt- und Personalamt. Eine aktuelle Ausschreibung habe gerade dafür gesorgt, dass neue Bewerbungen von Interessenten für Teil- und Vollzeitstellen im Rathaus angekommen sind.

Dass die Bewerbungen knapper werden, stellt unterdessen auch Pfarrer Volker Lubinetzki, Vorsitzender des Kindergartenausschusses der Evangelischen Kirchengemeinde in Wermelskirchen, fest. „Bisher sind wir zwar noch gut besetzt, aber wir merken, dass die Lage in unseren drei Einrichtungen kippt“, sagt er. Früher hätte die Gemeinde jeden Monat Initiativbewerbungen erreicht, das hat sich inzwischen geändert. „Die Lage ist angespannt, der Markt ist leer“, sagt Lubinetzki. Eine Vertretungsstelle in der Kita Wielstraße sei aktuell frei. Sobald mehrere Erzieherinnen gleichzeitig in den Ruhestand gehen, in die eigene Familiengründung einsteigen oder krank werden, werde es allerdings eng. „Wir nähen bereits dicht auf Kante“, sagt der Pfarrer.

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Auch Birgit Fischer, Leiterin des DRK-Kindergartens „Wunderwelt“, blickt besorgt auf mögliche Ausfälle. „Wir haben ein junges Kollegium“, erzählt sie. Da habe sie natürlich im Blick, dass Mitarbeiterinnen ausfallen könnten, wenn sie Kinder bekommen. „Wenn das zeitgleich geschieht, dann habe ich ein Problem“, sagt sie. Denn Stellen seien immer schwerer zu besetzen – erst recht befristete Vertretungsstellen. Eine dieser Stellen ist aktuell frei in der Kita. „Noch sind wir also ganz gut ausgestattet“, sagt die Kindergartenleiterin. Aber es fehle eben an Nachwuchs. „Der Beruf ist nach wie vor einfach nicht besonders attraktiv“, befindet Birgit Fischer und erinnert an Gehalt und Verantwortung.

Die Kita Wunderwelt hat das Thema Nachwuchsförderung längst selbst in die Hand genommen: Aktuell arbeiten eine Berufspraktikantin und zwei Orientierungspraktikantinnen in der Kita. Auch die Stadt Wermelskirchen hat auf den Personalmangel reagiert – auch mit Unterstützung der Personal- und Qualifizierungsoffensive des Landes NRW. Vier Ausbildungsstellen wurden in diesem Sommer besetzt, für den nächsten Sommer werden drei weitere ausgeschrieben. „Außerdem bietet die Stadt auch Plätze für die Ausbildung für das dritte Ausbildungsjahr, das so genannte Anerkennungsjahr der klassischen Erzieherausbildung, an“, erklärt Martina Breidenbach.

Und die Stadt versucht auch, neue Wege zu gehen: Den Alltagshelfern in den Einrichtungen habe man angeboten, sich zu Assistenzkräften qualifizieren zu lassen, informiert Barbara Frank. Zumindest eine Mitarbeiterin habe dieses Angebot auch angenommen.

Die Zeit drängt: Schließlich soll sich der Personalmangel so wenig wie möglich auf den Kindergartenalltag auswirken. „Wir dürfen nicht unterbesetzt arbeiten“, erinnert Pfarrer Volker Lubinetzki. Sind nicht ausreichend Erzieherinnen im Einsatz, gebe es nur drei Möglichkeiten: Entweder müssten Mitarbeiterinnen aus dem Überstunden-Frei zurückgeholt werden, Kräfte aus anderen Einrichtungen müssten zur Unterstützung einspringen oder die Gruppe müsse vorübergehend schließen. „In den vergangenen Jahren kam der letzte Fall nur einmal vor“, sagt der Pfarrer. Damals musste eine Gruppe für zwei Tage schließen. In den meisten Fällen – und das gilt auch in städtischen Kitas – helfen in der Not Mitarbeiterinnen aus anderen Einrichtungen. Aber der Spielraum wird knapper, sagen die Verantwortlichen.

Wie die Lage im neuen Kindergarten „Biberbau“ aussieht, bleibt unterdessen offen. Man äußere sich grundsätzlich nicht zur Personalsituation, ließ der Träger „Kita Concept“ auf Anfrage der Redaktion verlauten.