Wermelskirchen: Fachärzte und Hausärzte fehlen in der Stadt

Medizinische Versorgungslage : „Wermelskirchen hat ein Fachärzte-Problem“

Statistisch gesehen ist die Hausärzteversorgung in der Stadt besonders schlecht. Für Ärzteobmann Tobias Hopff ist ein anderer Mangel hingegen drängender.

Die Zahlen sind ernüchternd. Wermelskirchen verfügt über einen hausärztlichen Versorgungsgrad von 74,7 Prozent. Unter 75 Prozent spricht man von Unterversorgung. 2018 war die Stadt damit Schlusslicht im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO). Kein anderer Ort war schlechter mit Hausärzten versorgt.

„Es ist zunächst einmal ein statistischer Wert, der Einwohner- und Ärztezahlen in Verbindung setzt“, sagt KVNO-Sprecher Christopher Schneider. „Wir haben das dann genau untersucht, mit den Arztpraxen gesprochen. Aus ihrer Sicht stellt sich die Lage nicht so dramatisch dar.“ Ein Erklärungsansatz: Wermelskirchener gehen freiwillig in anderen Städten zum Arzt. Das könnte beispielsweise für Berufspendler gelten.

Auch für Tobias Hopff spiegeln die Zahlen nicht die Realität wider. „Wir haben keinen Notstand im Bereich der Allgemeinärzte, aber durchaus eine hohe Arbeitsbelastung“, sagt der Obmann der Wermelskirchener Ärzte. Hopff beschäftigt vor allem etwas anderes. „Es gibt keinen Kardiologen und keinen Radiologen in der Stadt“, sagt er. „Eigentlich hat Wermelskirchen ein Fachärzteproblem.“ Das sei viel drängender als der vermeintliche Hausärztemangel. In der Bedarfsplanung werden beide Arztgruppen für Wermelskirchen und den Rheinisch-Bergischen Kreis nicht gesondert erfasst.

Perfekt ist die Lage allerdings auch bei den Hausärzten nicht, da sind sich Schneider und Hopff einig. „Wir haben Wermelskirchen in unser Förderprogramm aufgenommen und versuchen, die Situation weiter zu verbessern“, sagt Schneider. Zum Jahresbeginn hat die KVNO erst einen Arzt in Wermelskirchen unterstützt. Er wandelt seine Teilzeitstelle in einer Praxis in eine eigene neue Niederlassung um. Dafür können bis zu 70.000 Euro bei der KVNO abgerufen werden.

Rein statistisch sollte Wermelskirchen statt der von der KVNO erfassten 16 über 24 Hausärzte verfügen, um vollständig versorgt zu sein. „Acht neue Hausärzte sind zu viel“, sagt Hopff. Da sei er mit seinen Kollegen einer Meinung. Einer habe sogar gesagt: „Wenn fünf neue Hausärzte kommen, muss ich dichtmachen.“ Hopff setzt da lieber auf Teilzeitkräfte und Kooperationen. „Ein oder zwei neue Hausärzte kann Wermelskirchen aber sicher vertragen“, sagt er.

Da derzeit (noch) kein Notstand herrscht, geht der Blick in die Zukunft. „Wenn Ärzte in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen, sollen sie ja auch Ersatz bekommen“, sagt Schneider. Die KVNO fördert daher Existenzgründungen und wirbt dafür, dass Medizinstudenten in einer Hausarztpraxis hospitieren. Zudem hat sie ein Patenschaftsprogramm ins Leben gerufen. „Gerade junge Ärzte trauen es sich oft nicht zu, eine eigenen Praxis zu übernehmen. Sie werden dann ja auch zu Arbeitgebern. Hier stehen wir unterstützend zur Seite“, sagt Schneider.

„Wenn man eine Praxis führt, will man das nicht mehr missen“, sagt Hopff. „Die angehenden Ärzte müssen das nur erst einmal erfahren.“ Wichtig sei es auch, die Ausbildung zu verbessern. „Hier sind die Krankenhäuser in der Pflicht, die Allgemeinmedizin mitzuversorgen“, sagt er. Er selbst hat am Krankenhaus gelernt und profitiert noch heute von dieser Erfahrung. „Die Zusammenarbeit ist dadurch sicherlich einfacher“, sagt er.

Hopff ist es wichtig, die Medizinstudenten für den Beruf des Hausarztes zu begeistern. „Der Beruf ist vielseitig, anspruchsvoll und erfüllend“, sagt er. So soll der nächste Generationswechsel gelingen. Der steht nach Hopffs Schätzung in Wermelskirchen so in zehn bis 15 Jahren an. Viele der ortsansässigen Hausärzte erreichen dann das Rentenalter. Bis dahin gilt es Nachfolger zu finden, die sich in einer Kleinstadt wie Wermelskirchen niederlassen wollen.