Wermelskirchen: Evangelische Kirchengemeinde lud am Kirmessamstag zum Zwölf-Stunden-Konzert ein

Musikalische Vielfalt und ein mittelalterlicher Markt : Ein Singen und Klingen unterm Kirchendach

Die Evangelische Kirchengemeinde lud am Kirmessamstag zum Zwölf-Stunden-Konzert ein. Währenddessen verwandelte sich der Kirchhof in einen mittelalterlichen Markt.

Der rote Teppich führt die Besucher von der Straße in die Stadtkirche. Gesäumt von Noten und ersten Marktbeschickern, die den Kirchhof später in ein mittelalterliches Treiben verwandeln werden, kommen die ersten Besucher am Samstagvormittag zur Eröffnung des Zwölf-Stunden-Konzerts. „Der Kirmessamstag war noch frei“, wird Stefanie Schüller vom Organisationsteam später sagen, „mit der Veranstaltung rund um die Kirche können die Wermelskirchener nun selbst Teil der Kirmes werden.“ Und das ist wörtlich gemeint.

Denn die Evangelische Kirchengemeinde hat zum Mitmachen eingeladen – und viele Chöre und Ensembles haben diese Einladungen angenommen. Sänger und Sängerinnen aus den eigenen Reihen sind dabei, aber auch Chöre anderer Gemeinden. Geistliche und weltliche Musik steht bis in die Nacht auf dem Programm – und jeder hat seine Fans, seine Zuhörer. Keiner spielt vor leeren Reihen. Ganz im Gegenteil, die Kirche ist immer wieder gut gefüllt.

Den Auftakt um 11 Uhr machen die Gastgeber. Die Kantorei und Jubilate Deo gestalten mit Kantor Andreas Pumpa einen musikalischen Gottesdienst – die Zuhörer stimmen mit ein und entdecken bereits erste gewandete Figuren unter den Sängern. Mit dem ausgiebigen Glockenschlag um 12 Uhr eröffnet dann  der mittelalterliche Markt rund um die Kirche. Es wird Met ausgeschenkt und Kartoffelbrot angeboten, fleißige Hände haben gestrickt und genäht, der Kindergarten bietet Spiele an, die Jüngsten können sich kreativ austoben. Und regelmäßig macht sich der Herold mit seiner Flöte bemerkbar und kündigt den nächsten Auftritt, den nächsten Künstler an.

Mit einem fröhlichen Gewusel vor der Kirche kündigt sich der Juniorchor der Gemeinde an: Die Kinder haben ein Singspiel einstudiert. Vor großem Publikum erzählen sie die Geschichte von Hänsel und Gretel und stimmen Kinderlieder-Klassiker an – von „Brüderchen, komm tanz mit mir“ bis „Weißt du wieviel Sternlein stehen“. Anschließend strömen Kinder, Eltern und Zuhörer zu Mittagsessen und Geselligkeit auf den Kirchhof, während in der Kirche zwei uralte Instrumente gestimmt werden.

Als sie eine halbe Stunde traditionelle Melodien erklingen lassen, staunen die Zuhörer nicht schlecht: Die mittelalterlichen Instrumente, die heute kaum noch gespielt werden, sorgen für einen besonderen Klang unter dem Dach des Gotteshauses. Kammerchor und Brasshoppers, Kämmerchenchor und Jagdhornbläser, der Männerchor aus Dhünn und Dhünnsch Brass spielen während der nächsten Stunden zu kleinen Konzertes auf. Antonio L. tritt als einziger Solokünstler auf und schickt Saxophonmelodien durch die Kirche. „Stücke mit einer Botschaft“, hat der Künstler angekündigt, „lassen Sie sich anstecken und fühlen sie die Musik.“

Gleiches gilt auch für Micado, den jungen Chor der benachbarten katholischen Kirchengemeinde Sankt Michael. Die jungen Sänger haben in diesem Jahr nur wenige Auftritte, weil sie sich musikalisch neu ordnen. Als es bereits dunkel wird, erklingt Klaviermusik zu Kerzenschein. Die Atmosphäre hat sich verändert. Mitorganisatorin Jutta Benedix lehnt sich zurück und freut sich über den fröhlichen und musikalischen Tag. Der Erlös kommt der neuen, erweiterten Orgel zugute – und der Kirmessamstag hat rund um die Stadtkirche einmal mehr an die Ursprünge der großen Kirmes erinnert, an die Kirchweih-Messe.

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