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Wermelskirchen: Esther Wargenau-Zeitz: zu wenig Frauen in Führungspositionen

Gleichstellung von Frau und Mann : Die gläserne Decke durchdringen

Zu wenig Frauen sind in Führungspositionen. Das will die Gleichstellungsbeauftrage ändern.

Bei der Wermelskirchener Stadtverwaltung gibt es momentan einen deutlichen Frauenüberschuss: Es sind 320 Frauen und 223 Männer dort beschäftigt. Stimmt Sie als Gleichstellungsbeauftrage das zufrieden?

Esther Wargenau-Zeitz Die reine Überzahl von Frauen stimmt mich nicht einfach zufrieden. Denn interessanterweise gibt es zwar einen hohen Anteil von Frauen, die in der Verwaltung oder in den dazugehörigen städtischen Institutionen, wie zum Beispiel den Kindergärten, arbeiten. Schaut man sich hingegen die Führungspositionen ab der Ebene „Amtsleitung“ an, so werden diese trotz einem hohen Frauenanteil immer noch eher mit Männern besetzt. Die sogenannte „gläserne Decke“ lässt sich nur schwer durchbrechen.

Offensichtlich: Die Zahl der Frauen, die ein Amt leiten, stagniert seit 2008 bei drei, während acht Ämter von Männern geleitet werden. Warum ist es gerade hier so schwierig, ein Gleichgewicht herzustellen?

Wargenau-Zeitz Meines Erachtens fehlt den weiblichen Beschäftigten oft der Zeitraum zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, um sich entsprechend für eine Führungsposition vorzubereiten, da sie sich für die Familie diese Auszeit nehmen. In diesem Zeitraum nutzen ihre gleichaltrigen männlichen Kollegen die Zeit und bereiten ihren beruflichen Werdegang in Richtung Führungsposition gut vor. Oft liegt es aber auch daran, dass einige Frauen den Weg in eine Führungspostion für sich gar nicht sehen, vielleicht auch, weil sie sich das für sich gar nicht vorstellen können oder sich diese Position nicht zutrauen.

Mit der Position ist auch die Bezahlung verbunden – in den höheren Besoldungsgruppen tauchen Frauen nicht auf. Wie kann das geändert werden?

Wargenau-Zeitz Indem ich mir als Gleichstellungsbeauftragte ganz konkrete Zielvorgaben für bestimmte Laufbahngruppen vorgenommen habe, die es zu verbessern gilt. Besonders betroffen sind davon der Höhere Dienst, die Laufbahngruppe Zwei und das Zweite Einstiegsamt.

Woran liegt es, dass so viel weniger Frauen verbeamtet sind als ihre männlichen Kollegen?

Wargenau-Zeitz Das liegt zum größten Teil daran, dass sehr viele Verbeamtete bei der Feuerwehr arbeiten.

Sie haben für den aktuellen Gleichstellungsplan herausgearbeitet, dass bei der Stadtverwaltung rund die Hälfte der Frauen in Vollzeit arbeiten, die andere Hälfte in Teilzeit. Von den Männern hingegen arbeiten nur zwölf in Teilzeit, die restlichen 211 in Vollzeit. Ein Zeichen dafür, dass traditionelle Rollenbilder – zumindest bei den männlichen Kollegen – noch fest verankert sind?

Wargenau-Zeitz Da dürfen wir uns nichts vormachen. Das bekomme ich täglich bei meinen Kolleginnen mit. Die alltäglichen Verpflichtungen liegen meines Erachtens immer noch auf den Schultern der Frauen. Sie betreuen die Kinder, leisten die Hausarbeit und arbeiten dann meistens „nur“ Teilzeit. Die traditionellen Rollenbilder sind immer noch fest verankert.

Das wird immer wieder als Ursache dafür genannt, dass Frauen an ihrem beruflichen Werdegang Abstriche machen und in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Wer nun zuhause inwieweit für das Kochen und die Kindererziehung verantwortlich ist, das muss jeder für sich ausmachen. Wie aber unterstützt die Stadt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ungeachtet ihres Geschlechts – bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Wargenau-Zeitz Wir haben hierfür eine Dienstvereinbarung in der Stadtverwaltung, die ich dieses Jahr auch ausweiten möchte für den Bereich Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Denn das Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wird auch immer präsenter.

Sie wollen außerdem auch ein Mentoring Tandem einführen – wie sieht das konkret aus und worin liegt dessen Stärke?

Wargenau-Zeitz Letztes Jahr haben sich einige Gleichstellungsbeauftragte des Rheinisch-Bergischen Kreises getroffen und gemeinsam überlegt, dass es von Vorteil für potentielle weibliche Führungskräfte wäre, ein interkommunales Mentoring anzubieten. Die Stadtverwaltung könnte zwei Tandems stellen. Zwei Mentees, also heranwachsende weibliche Führungskräfte aus Wermelskirchen, die sich für rund anderthalb Jahre von einer Mentorin oder einem Mentor aus einer anderen Kommune beraten lassen. Dieser Prozess wird von einem Unternehmen mit zusätzlichen Modulen, etwa dem Modul Kommuniktionstechniken, mit einer Auftakt- sowie einer Abschlussveranstaltung begleitet. Die Stärke liegt darin, dass Mentees sich praktische Tipps zur Problemlösung, konstruktive Rückmeldungen zu bestimmten Verhalten und sich in Karrierefragen von einem älteren Mentor beraten lassen können. In der grieschischen Mythologie war der Mentor ursprünglich der Erzieher von Telemach. Odysseus stellte seinem Sohn diesen Vertrauten zur Seite, bevor er in den Trojanischen Krieg zog. Dieser Mentor sollte dem jungen König mit Rat und Tat bei den Regierungsgeschäften zur Seite stehen.

Auch der Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ist Teil des Gleichstellungsplans. Wie unterstützen Sie Frauen und möglicherweise auch Männer, die aufgrund ihres Geschlechts von Kollegen oder Vorgesetzten diskriminiert werden?

Wargenau-Zeitz Auch hier haben wir für das Rathaus eine Dienstvereinbarung erarbeitet, wie sich Mitarbeiter und Führungskäfte zu verhalten haben, sobald ein Vorwurf im Raum steht. Es zeigt ein Stufenmodell auf. Konkret für mich als Gleichstellungsbeauftragte heißt das aber erst einmal den Mitarbeiterinnen „nur“ zuzuhören und den Prozess zu begleiten.

Der Plan gilt für die nächsten fünf Jahre. Welches Ziel sollte 2025 unbedingt erreicht sein?

Wargenau-Zeitz Unbedingt erreichen möchte ich die Planung, Durchführung sowie die Evaluation des Mentoringprojektes. Des Weiteren würde ich mir wünschen, dass es mindestens bei der Anzahl der weiblichen Sachgebietsleitungen bleibt und der Anteil der weiblichen Amtsleitungen sich um 50 Prozent erhöht.