1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Erstmals in der Geschichte gibt es keinen Waffelstand.

Waffelstand : Keine Kirmes, keine Waffeln, keine Spenden

Erstmals in der Geschichte bleiben die Zelte im Schuppen. Die Ehrenamtlichen können wegen der Pandemie keine Waffeln backen.

Sie standen schon in den Startlöchern, der Termin war im Kalender bereits markiert, der Urlaub beim Arbeitgeber eingereicht. Dann kam Corona, weitete sich zur Pandemie aus und die Kirmes wurde abgesagt. Das Team des Waffelstandes wurde hart ausgebremst. „Im Grunde hatten wir noch Glück“, sagt Michaela Simon, die zum Organisationsteam der Ehrenamtlichen gehört, „wir hatten noch nichts eingekauft, noch nicht investiert.“ Die Vorstellung, dass zum ersten Mal nach mehr als 30 Jahren in der letzten Augustwoche keine Waffeln für den guten Zweck gebacken würden, gelang den meisten Ehrenamtlichen damals aber nicht.

„Eigentlich treffen wir uns immer im März zur ersten Absprache für die neue Kirmes“, erklärt Michaela Simon. Der harte Kern der rund 80 Ehrenamtlichen des Waffelstandes, der an die Evangelische Kirchengemeinde in Wermelskirchen angebunden ist, beginnt dann die große Aktion zu planen. „Vieles ist gut eingespielt“, sagt Michaela Simon. Aber jedes Jahr wieder müssen Bestände unter die Lupe genommen, Ehrenamtliche gesucht und Einkaufslisten so wie Zeitpläne geschrieben werden. „Für das aktuelle Jahr hatten wir viel vor“, erzählt die Ehrenamtliche. Weil es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden war, Ehrenamtliche für die Schichten am Stand während der Kirmestage zu gewinnen, hatte die Gruppe in diesem Jahr intensiv um Freiwillige werben wollen. Das Team sei älter geworden, viele Ehrenamtliche seien seit vielen Jahren und Jahrzehnten dabei. Und vor allem die Schichten zwischen 20 und 22 Uhr seien inzwischen schwer zu besetzen. „Wir hatten also Termine in den Konfirmandengruppen und in den Schulen vereinbart“, erzählt Michaela Simon. Das Team hatte junge Menschen für das Ehrenamt am Waffelstand begeistern wollen. „Das fällt alles aus“, sagt sie, „aber wir werden das nachholen.“

 Mchaela Simon gehört zum Orga-Team des Waffelstandes.
Mchaela Simon gehört zum Orga-Team des Waffelstandes. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Auch die regelmäßigen Treffen, die sonst im Frühling und Sommer stattfinden, mussten in diesem Jahr ausfallen: „Das tut uns auch leid, weil wir eine schöne, muntere Truppe sind“, sagt Michaela Simon. Die regelmäßigen Treffen seien wichtig für die Gemeinschaft gewesen. Während der Corona-Monate verlegten sich die Freiwilligen aufs Telefonieren – um die Entwicklungen gemeinsam zu beobachten und zu bedauern. „Denn der Ausfall der Kirmes und unseres Waffelstandes bedeutet ja auch, dass wir dieses Jahr keine Spende zur Kindernothilfe schicken können“, sagt Michaela Simon.

Mehr als 30 Jahre lang hatten die Freiwilligen den Erlös des Verkaufs von Broten und Waffeln den Projekten der kirchlichen Initiative gespendet. 2018 hatte die Kindernothilfe gerechnet: Mehr als 200.000 Euro waren in der langen Zeit aus Wermelskirchen in die Arbeit der Kindernothilfe geflossen. „Wir haben jedes Jahr gemeinsam Projekte der Initiative ausgewählt, die wir unterstützen wollen“, erzählt Michaela Simon. Mit Plakaten am Kirmesstand werden die Besucher darüber informiert. Zum ersten Mal kommt in diesem Jahr kein Geld aus Wermelskirchen – keine Kirmes, keine Waffeln, keine Spenden.

„Wir werden nächstes Jahr dann auch sehen müssen, ob es dem Material geschadet hat, ein Jahr länger im Schuppen zu bleiben“, sagt Michaela Simon. Denn eines steht fest: Wenn die Pandemie überwunden ist, die Kirmes wieder stattfindet, dann kehren auch die Waffelbäcker zurück. Die Zusammenarbeit mit dem „Haus der Begegnung“ sei toll, schwärmt Michaela Simon. Dort können die Ehrenamtlichen die Küche, die Toiletten und die Infrastruktur nutzen. Und auch das Vertrauen der vielen Gäste während der Kirmes am Waffelstand sei ermutigend: „Das gehört für viele Wermelskirchener einfach dazu“, weiß die Ehrenamtliche. Zumal es inzwischen dank Kevin Lienen, der auch den Waffelteig beisteuert, bereits traditionell auch die ersten Spekulatius zur Kirmes gibt.

Die Gruppe hofft, dass sie sich im Herbst wieder treffen kann. „Dann wollen wir den Blick nach vorne richten“, sagt Michaela Simon, „auf die nächste Kirmes und die nächsten Waffeln.“