Wermelskirchen: Entscheidung über Schul-Neubau vertagt

Schulpolitik in Wermelskirchen : Rat vertagt Baubeschluss für Sekundarschule

Gutachter muss Zahlen für Schulentwicklungsplan vorlegen. Ratssondersitzung ist am 18. Juni, 18 Uhr.

Der Haupt- und Finanzausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung kein grünes Licht für den fünfzügigen Neubau der Sekundarschule am Standort der Realschule gegeben. Die Stadtverwaltung muss erst die neuesten Zahlen der künftigen Schulentwicklungsplanung vorlegen. Damit wird der für Montag geplante Baubeschluss hinfällig und ist bereits von der Tagesordnung des Stadtrates genommen worden. Eine Sondersitzung mit wahrscheinlich nur diesem Tagesordnungspunkt findet Montag, 18. Juni, 18 Uhr, im Ratssaal statt.

Auslöser dieses Schrittes war ein gemeinsamer Antrag von CDU und FDP. Darin wurde die Sondersitzung beantragt - der Beschluss über die Ausweitung der Baukosten sollte nach Vorlage neuer Zahlen zum Schulentwicklungsplan erfolgen.

Schuldezernent Stefan Görnert druckste anfangs etwas herum; erst in der Sommerpause würde der Gutachter das Gesamtwerk vorlegen können. Bürgermeister Rainer Bleek machte ihm dann den Weg frei: Seinen Informationen nach könnte der Gutachter Ende Mai präsentierbare Zahlen, aber nicht in ausgearbeiteter Form, vorlegen. So schlug Görnert den Termin 18. Juni für die Sondersitzung des Stadtrates zu diesem Thema vor.

Zerknirscht nahmen SPD und Bürgerforum diese Entwicklung hin - sie hätten schon jetzt die positive Empfehlung für eine Fünfzügigkeit mit Baukosten von 33,8 Millionen für den Rat abgegeben.

Ausschlaggebend für diese Kostensteigerung von etwa 5,5 Millionen Euro sind neue Zahlen im Bereich Kindergarten-Bedarfsplan. Hochgerechnet auf den Schulbereich, erwartet die Stadtverwaltung mehr Schüler (so das "Bauchgefühl" von Görnert) - die vier- bis 4,5-Zügigkeit ist längst keine Option mehr. Wermelskirchen geht jetzt von einer Fünfzügigkeit aus. Ob es dabei bleibt oder gar sechszügig mit noch höheren Investitionen gedacht werden muss, soll der beauftragte Gutachter klären. Eine weitere Verzögerung, das machte der Technische Beigeordnete Thomas Marner deutlich, dürfe es nicht geben. Im Zeitplan sei "keine Luft" mehr; ob die Baukosten bei der fünfwöchigen Verzögerung steigen würden, konnte er nicht sagen. "Die Fertigstellung für Dezember 2022 ist ganz eng." Realistisch sei Mitte 2023.

Unterstützung finden CDU und FDP im unabhängigen Rechnungsprüfungsamt: Die Prüfer empfehlen dem Rat, die Aktualisierung des Schulentwicklungsplans abzuwarten, um dann "auf einer fundierten und nachvollziehbaren Basis die Zügigkeit der Sekundarstufe 1 (Sekundarschule und Gymnasium) gegebenenfalls neu festzulegen, sagte Hiltrud Betke als Leiterin der Rechnungsprüfung.

"Wir machen uns Sorgen", fasste Jürgen Manderla (FDP) die Gründe für diesen Antrag zusammen; Christian Klicki (CDU) erklärte sogar, die Schule sechszügig zu bauen, wenn dies das Ergebnis eines neuen Schulentwicklungsplans sei.

Jochen Bilstein(SPD) warf CDU/FDP vor, "auf Zeit" zu spielen - das sei extrem abträglich für die Sekundarschule. "Das ist riskant, darunter leidet das Ansehen der Sekundarschule."

Der Liberale blieb bei seiner Kritik, dass innerhalb von sechs Monaten der Bau fünf Millionen Euro teurer geworden sei. "Ich warne vor einem Flickwerk. Darunter würde die Glaubwürdigkeit dieser Schule leiden. Deshalb wollen wir belastbare Schülerzahlen."

Karl-Heinz Wilke (CDU) vertrat den Standpunkt, dass eine Kostensteigerung um 25 Prozent schwierig zu vertreten sei. Deshalb das Abwarten auf den neuen Schulentwicklungsplan mit dem Hinweis auf die Rechnungsprüfung: "Ich mache mich sonst haftbar."

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Textes hatten wir über ein mögliche Fertigstellung im September 2022 berichtet. Diese Angabe war falsch. Richtig ist, dass die Schule 2023 fertig werden könnte.

(RP)