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Wermelskirchen: Eltern starten Petition für Neubau der Gesamtschule

Schulpolitik in Wermelskirchen : Eltern machen sich für Gesamtschule stark

Im Internet haben die Aktiven eine Unterschriftenaktion gestartet. Ihr Ziel ist der komplette Neubau einer Gesamtschule. Ein Um- und Anbau an der Wirtsmühler Straße sei weder trag- noch zumutbar, heißt es.

Die mit knapper Mehrheit getroffene Beschlussempfehlung des Schulausschusses an den Stadtrat, in Wermelskirchen eine Gesamtschule zu installieren, begrüßen sie ausdrücklich. Aber: Über den Standort Wirtsmühler Straße / Weyersbusch für die zweite weiterführende Schule neben dem Städtischen Gymnasium nachzudenken, löst bei Sandra Hokkeler, Julia Stüttgen und Katja Lütticke nur Kopfschütteln aus.

Die drei Mütter von Sekundarschülern sowie Günter vom Stein, pensionierter Gymnasiumlehrer, gehören zu einer Gruppe um Sandra Hokkeler, Sprecherin der Schulpflegschaft der Sekundarschule, die nunmehr mit einer Unterschriftenaktion für ihre Sache kämpfen.

Die heißt: Eine neue Schule soll an einem anderen Standort als dem jetzigen der Sekundarschule errichtet werden, was mangels Alternativen auf den einstigen Realschulstandort an der Rot-Kreuz-Straße hinaus läuft. „Wir brauchen eine zweite Schule als Alternative zum Gymnasium. Dabei darf jedoch nicht weiter gewürfelt und nicht weiter geflickt werden“, sagt Julia Stüttgen, die einen Sohn in einer sechsten und einen in einer neunten Klasse der Sekundarschule hat.

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Sandra Hokkeler und Katja Lütticke, beide Mütter, haben ein Kind auf der Sekundarschule, je ein Geschwisterkind hat die Sekundarschule bereits abgeschlossen, sind sich einig: „Wenn an der Wirtsmühler Straße umgebaut wird, bleibt alles, wie es ist.“ Ein Um- und Anbau im Bestand wäre nicht tragbar, weder Lehrern noch Schülern zumutbar. Das zeige die Erfahrung: „Als zwei Jahrgänge der Sekundarschule an die damalige Realschule an der Rot-Kreuz-Straße ausgelagert wurden, begann der Abstieg der Sekundarschule durch immer weniger Anmeldungen.“

Dass nunmehr von Zeitdruck die Rede sei, will das Quartett nicht akzeptieren: „Man hätte ja schon vor sieben Jahren vernünftig planen können.“ Die Architektur müsse der Pädagogik angemessen sein, argumentiert Günter vom Stein: „Bei der Gesamtschule heißt das ganz besonders Förder- und Forderkonzepte, wofür es Flexibilität und Offenheit in beispielsweise Lern-Ateliers, aber nicht herkömmliche Klassenzimmer braucht“.

Ihr Engagement dürfe nicht als Agitation gegen die Sekundarschule verstanden werden, betont Elternsprecherin Sandra Hokkeler: „Die Lehrer an der Sekundarschule sind hochmotiviert. Die wollen und müssen alle an einer neuen Gesamtschule bleiben, sonst ist das gleich der Todesstoß. Dafür muss die neue Schule jedoch attraktiv sein.“ Das sieht auch der ehemalige Lehrer Günter vom Stein so und verweist auf den sich verstärkenden Lehrermangel: „Es braucht eine attraktive Schule, um Pädagogen zu gewinnen.“ Die Architektur habe Einfluss auf das Lernen und das Wohlbefinden.

Sandra Hokkeler ist überzeugt, dass Umbau- und Anbauarbeiten am Weyersbusch nicht billiger wären als ein Neubau an der Rot-Kreuz-Straße. Die bisher geschätzten Zahlen aus der Studie des Ingenieurbüros Hitzler seien nicht belastbar, bemängelt Günter vom Stein: „Es gibt keinerlei Planung. Und schon gar keine, an der Eltern oder Lehrer beteiligt wären.“ Eine Gesamtschule, die er befürworte, wäre keinerlei Existenzgefährdung für den Bestand des Gymnasiums, meint der 70-jährige und denkt in zwei Richtungen: „Der Schulentwicklungsplan geht von einer mindestens vierzügigen Gesamtschule aus. Die Studie arbeitet mit einer fünfzügigen. Ist die Schule nicht so attraktiv, wie gewünscht, bleiben die Anmeldungen aus. Oder sie ist so attraktiv, dass sogar sechs Züge möglich wären, aber an der Wirtsmühler Straße mit maximal fünf Zügen dann Schüler abgewiesen werden müssten.“ Um diese „Sackgasse“ zu vermeiden, müsse ein Schulneubau her, um auf alle Möglichkeiten flexibel reagieren zu können: „In einem Neubau steckt viel Potential für die Stadt – im Standort Wirtsmühler Straße nicht.“