Kunst mit Eiern in Wermelskirchen Vom Hühnerei zum kreativen Botschafter

Wermelskirchen · Elisabeth Herold verwandelt Eierschalen in große Kunst – die von der Zerbrechlichkeit des Lebens erzählt. Die Künstlerin arbeitet mit Dremel und Schleifpapier, Sprühdose und Pinsel.

 Die Künstlerin Elisabeth Herold an dem Kunstwerk „Shades of Gender“, das aus echten Eierschalen hergestellt wurde.  Foto: Jürgen Moll

Die Künstlerin Elisabeth Herold an dem Kunstwerk „Shades of Gender“, das aus echten Eierschalen hergestellt wurde. Foto: Jürgen Moll

Foto: Jürgen Moll

Die grüne Farbe auf den Eierschalen trocknet noch. „Zum ersten Mal habe ich auch mit Feuer gearbeitet“, sagt Elisabeth Herold und deutet auf das dunkle Muster der Eier. Gleich daneben liegt in ihrer Werkstatt eine große grüne Leinwand. Sobald die Farbe getrocknet ist, sollen Leinwand und Eierschalen zusammenfinden und von der grünen Lunge der Welt erzählen. Und wer sich in der Werkstatt der Künstlerin umsieht, der entdeckt schnell: Die Themen ihrer Werke passen zum Material. Menschliche Beziehungen, Verantwortung, die Welt: Zerbrechlich sind nicht nur die dünnen Schalen.

Inzwischen hat Elisabeth Herold mit ihrer Kunst Preise gewonnen und auch über die Grenzen Deutschlands hinaus Aufmerksamkeit erregt. Verändert hat sie das nicht. „Ich bin schon immer kreativ, so lange ich denken kann“, sagt sie und erzählt von ihrer Schulzeit und der Entscheidung gegen den Besuch einer Kunstakademie. Stattdessen studierte sie Pädagogik und fand schließlich zu den Eierschalen. „Das ist einfach ein spannendes Material“, sagt sie, „zerbrechlich und doch stabil.“ Eigentlich wollte sie die Kunst auf die Schale bringen, aber dann fand sie einen ganz anderen Zugang und erschafft seitdem dreidimensionale Kunst. Die Eierschale ist heute Teil jedes einzelnen Kunstwerkes.

Das ist handwerklich eine Herausforderung: „Ich bringe das Material und auch mich dabei immer wieder an eine Grenze“, sagt Elisabeth Herold. Kein Ei geht durch ihre Küche, das nicht ausgeblasen wird, bevor es in der Pfanne oder im Kuchen landet. „Früher habe ich in einer Schulküche gearbeitet“, erzählt sie – und damit den Zugriff auf viele Eierschalen. Inzwischen sammelt Elisabeth Herold geduldig in der heimischen Küche, pustet aus und verarbeitete die Schalen dann weiter. Dabei kommt der Dremel zum Einsatz – für klare Schnitte und zum Schleifen. Häufig teilt sie die Eier in zwei Hälften, in vielen Kunstwerken finden aber auch Streifen der Eierschale ihren Platz. In einem ihrer Werke waren es 225 Schalen. „Und natürlich zerbricht immer mal wieder auch eine“, erzählt die Künstlerin und berichtet dann von unterschiedlichen Schalenqualitäten und ihrer Entscheidung für Bio-Eier.

Bleiben die Schalen heile, erzählen sie eine Geschichte: Das gilt zum Beispiel für das Werk „Shades of gender“, das unzählige Eierschalen in verschiedener Gestaltung auf einer riesigen Leinwand zeigt. „Wenn man genau hinsieht, erkennt man auch: Kein Ei gleicht dem anderen“, hat Elisabeth Herold festgestellt. Das Werk ruft den Betrachter dazu auf, sich vom Schubladendenken zu verabschieden. „Nicht alles braucht eine Kategorie“, sagt die Künstlerin und erzählt, wie Betrachter auf dem Bild immer mal wieder nach einer gestalteten Schale suchen, die ihnen am ehesten entspreche.

Gleich daneben hängt ein großer pinker Rahmen mit einer ebenso eindrücklichen Botschaft: Auf halbe Eierschalen hat die Künstlerin massive schwarze Buchstaben gepinselt: „Remember your fragility“ – Erinnere dich an deine Zerbrechlichkeit. Ein Werk mit Wirkung. Denn der Betrachter nimmt gedanklich ohne weiteres die Brücke von den zerbrechlichen Schalen zur eigenen Seele. „Diese Vielschichtigkeit macht für mich den großen Reiz dieser Technik aus“, sagt die Künstlerin selbst und deutet dann auf ein weiteres Werk an der Wand ihrer Werkstatt: „Resilent Connection?“ – Belastbare Verbindung? Ganz bewusst habe sie das Fragezeichen gesetzt. Jeder Betrachter soll sich selbst ein Bild machen und den fluoreszierenden Faden betrachten, der zwischen Eierschalen gespannt ist. „Ich dachte dabei an die vielen Verbindungen, die wir über soziale Netzwerke pflegen“, erzählt die Künstlerin und ergänzt: „Wie belastbar sind sie? Tragen sie uns im Zweifelsfall?“

„Und ich bin noch nicht fertig“, sagt sie schließlich. Nicht mit der Kunst und nicht mit der Eierschale. Sie finde immer noch neue Möglichkeiten, das Material zu verarbeiten – und damit ein neues Zeichen zu setzen.

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