Wermelskirchen: Eine musikalische Zeitreise mit viel Humor

Theaterabend mit dem Kulturverein Wermelskirchen : Eine musikalische Zeitreise mit viel Humor

Vor ausverkauftem Haus begeisterte Christoph Schobesberger am Donnerstag im Film-Eck als Frank Sinatra.

„Cheerio.“ Christoph Schobersberger rückt den schwarzen Hut zurecht, prostet ins Publikum und grinst verschmitzt. Unzählige Male wiederholt er diesen Vorgang am Donnerstagabend im Film-Eck und leert so nach und nach die Flasche Jack Daniels. Und irgendwann beginnt das Publikum zu antworten. „Cheerio!“ schallt es dann aus den gemütlichen Sitzen des alten Kinos und da haben die Zuschauer auch schon fast vergessen, dass gar nicht Frank Sinatra auf der Bühne steht, sondern Christoph Schobesberger.

Da sind sie schon so verstrickt in Frauengeschichten und Höhenflüge, in Schicksalsschläge und Karriereknicks, dass sie diesem Sinatra auf den Spuren bleiben wollen. „Wenn man die Augen zumacht, dann meint man, er sei es wirklich“, flüstert eine Dame in der letzten Reihe ihrer Begleitung zu. Und dann versucht sie es wirklich für einen Augenblick und schließt die Augen, lässt die Musik auf sich wirken. Meistens würden die ersten Klänge genügen und schon erkenne sie die Musik wieder, sagt die Besucherin noch. Und dann ist sie mit Ohren und Augen wieder ganz beim Geschehen auf der Bühne.

Dort stimmt Christoph Schobesberger mit seiner Band gerade „Love and Marriage“ an, gleitet über die Bühne, zückt den Hut und deutet auf das große Hochzeitsbild im Hintergrund, das Frank Sinatra und seine erste Frau Nancy zeigt. Darin liegt das Erfolgsrezept dieses Abends, den der Kulturverein im Film-Eck ausrichtet: Die berühmten Melodien des Musikers gesellen sich zu Bildern aus seinem Leben und zu Anekdoten, die Schobesberger und seine Kollegen so lebendig einstreuen, als seien sie dabei gewesen. Zuweilen schlüpfen sie selbst in die Rollen Sinatras, Kennedys oder berüchtigter Mafiabosse. Und Susanne Eisenkolb ergänzt das Ensemble farben- und stimmgewaltig – mal als Marilyn Monroe, dann wieder als Mia Farrow oder Ava Gardner.

Das Ergebnis ist ein so unterhaltsamer und kurzweiliger Abend, dass die rund 150 Minuten Show wie im Fluge zu vergehen scheinen. Manchmal geht ein wissendes Raunen durch das Publikum, wenn Schobesberger vom Hang Sinatras zu schönen Frauen, gutem Whiskey oder der Mafia erzählt. Wenn er Filmtitel einstreut oder zu besonders bekannten Stücken ansetzt. Und spätestens als die ersten Klänge von „Strangers in the night“ durch das Film-Eck schweben, singen und summen die Zuschauer mit. Das macht dem Schauspieler, der einst als Wiener Sängerknabe begann, offensichtlich Spaß.

Das Publikum darf zum Chor werden, hat seinen großen Auftritt und bedankt sich mit tosendem Applaus. Umso länger der Abend, desto größer die Begeisterung – über Saxophon- und Schlagzeugsoli, über energiegeladene Duette und Schauspieleinlagen. „Dass Franky-Boy so ein bewegtes Leben hatte, das wusste ich gar nicht“, meldet sich irgendwann wieder leise die Dame in der letzten Reihe zu Wort. Und dann lauscht sie weiter dem dramatischen Auf und Ab, den Geschichten von scheiternden Ehen, einer wechselhaften Karriere, von 60 Filmen, einem Oscar, 18 Grammys und 1000 Songs.

Als Schobesberger und seine Band das Publikum schließlich mitnehmen auf die rund 20 Jahre dauernde Revivaltour Sinatras, da wissen die Zuschauer: Das Finale naht. Schobesberger blickt ins Publikum und ohne etwas sagen zu müssen, flüstert es von irgendwo her: „My way.“ Wieder das Raunen, ein Nicken, das Schlagzeug: Und dann verwandelt sich der Schauspieler einmal mehr in Franky-Boy: „I did it my way.“ Anschließend: tosender Applaus, stehende Ovationen und Zugaben.