Wermelskirchen:Eine lange Essenstafel und jede Menge Heimatgefühle

Bankett in Wermelskirchen : Eine lange Essenstafel und jede Menge Heimatgefühle

Die Evangelische Kirchengemeinde kredenzte am Sonntagmittag nach dem Gottesdienst ein Festbankett.

Eigentlich hätte es eine lange Tafel mit flatterndem Tischtuch im Schatten der alten Stadtkirche werden sollen: Die Sonne hatte sich im Glas der Krüge spiegeln, das Geplauder von der Kirche über den Hof schallen sollen. Dann öffnete sich aber pünktlich zum Wochenende der Himmel – und das Team der Evangelischen Kirchengemeinde plante um. Kurzerhand wurde das geplante Bankett nach dem Sonntagsgottesdienst ins Gemeindehaus verlegt. Tischdecken und Krüge fanden im Trockenen ihren Platz. Die lange, weiße Tafel, die an Sommerurlaube in der Toskana oder auch an das Dîner en blanc in Paris erinnerte, gab es trotzdem. Viele Gemeindeglieder freuten sich, nicht nur in fröhlicher Geselligkeit miteinander zu essen – sondern auch die eigene Küche mal kalt zu lassen.

Bevor die Gemeinde aber zur Tafel schlenderte, feierte Pfarrer Manfred Jetter mit einem Team von Ehrenamtlichen in der Stadtkirche einen Gottesdienst zum Thema Heimat. Schon beim Ankommen wurde jeder Besucher gebeten, auf der großen Welt- und Stadtkarte einen roten Punkt an den Ort seiner Geburt zu kleben. Schnell wurde sichtbar: Die Wurzeln der Gemeindeglieder in Wermelskirchen liegen in Bayern genauso wie in Hamburg, am Rhein wie in Russland, im Stadtzentrum Wermelskirchens ebenso wie in den Dörfern. Gemeinsam machten sich Pfarrer und Gemeinde dann auf die Suche nach Werten, die Heimatgefühl ausmachen. Sie kamen ins Gespräch über Familie und Freunde, über Wermelskirchener Bräuche und Zukunftsperspektiven, über himmlische Heimat und eine göttliche Zusage. Am Ende lud Pfarrer Jetter zur bereits gedeckten Festtafel ein: „So können wir uns auch gegenseitig zur Heimat werden.“

Nebenan wartete dann nicht nur der gedeckte Tisch, sondern auch manch fleißige Hand, die Salate und Brote vorbereitet hatte, die Würstchen waren bereits warm, das Bier kalt gestellt. In geselliger Runde kamen die Menschen miteinander ins Gespräch – über ihre eigene Heimat, über Flucht und Vertreibung, über das Ankommen und Heimischwerden. Schließlich verteilte Pfarrer Jetter die kleinen, roten, vertrauten Mundorgeln, nahm die Gitarre zur Hand und gab dem Heimatgefühl auch einen musikalischen Ausdruck. Mit fröhlichen Liedern klang das Bankett im Gemeindehaus aus. Nächste Woche wird weiter gefeiert: Zum Kirmessamstag lädt die Kirchengemeinde zum Zwölf-Stunden-Konzert samt Mittelalterlichem Markt ein. Auch dann darf wieder in guter Gesellschaft gegessen werden.

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